Grauholztunnel: «Verstehe nicht, warum nicht evakuiert wurde»
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Grauholztunnel«Verstehe nicht, warum nicht evakuiert wurde»

Im Grauholztunnel ist am Dienstag ein Intercity mit 450 Reisenden stehengeblieben. Ein Passagier schildert die Situation im Pannenzug.

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cho/miw/sda
Das Ostportal des Grauholztunnels der SBB-Strecke Zürich - Bern.

Das Ostportal des Grauholztunnels der SBB-Strecke Zürich - Bern.

Kein Anbieter/Servicehugi/Wikipedia

Im IC-Zug von Brig nach Basel wurde es plötzlich dunkel: Kurz nach der Abfahrt in Bern blieb der Zug im Grauholztunnel stecken. «Nachdem der Zug bereits während der Fahrt mehrere Male angehalten hatte und wieder anfuhr, blieb er im Tunnel abermals liegen. Dann blieb er ganz stehen», so Leser-Reporter A. L.* Nach rund 30 Minuten seien im Zug die Lichter und Heizung ausgegangen: «Nur der vorderste Wagen hatte noch Strom. Wer Angst hatte oder mit Kindern unterwegs war, fand dort noch etwas Licht und Wärme», sagt er. Ansonsten seien die Passagiere jedoch ruhig geblieben – viele hätten sich gar eine Mütze Schlaf gegönnt.

Andere Passagiere wurden jedoch mit der Zeit ungeduldig und hätten versucht, die Türen zu öffnen – was ihnen jedoch nicht gelang. A. L.: «Ich verstehe nicht, warum wir nicht einfach evakuiert wurden. Erst nach eineinhalb Stunden bewegte sich unser Zug wieder.»

Tunnel-Evakuation nur in Notfällen

«Eineinhalb Stunden stand der Zug im Grauholztunnel. Davon mussten die Passagiere eine knappe Stunde ohne Licht und Heizung ausharren», bestätigt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Ein Kurzschluss habe zu einer Fahrleitungsstörung geführt, die Ursache sei jedoch noch nicht bekannt. Nur die Tunnelbeleuchtung habe noch funktioniert.

Erst kurz vor 10.30 Uhr konnte der Zug mit einem Lösch- und Rettungszug nach Bern zurückgeschleppt werden. Dass ein Zug so lange im Tunnel steckenbleibe, sei sehr selten, sagt Frey: «Passagiere werden jedoch nur in dringenden Notfällen zu Fuss aus Tunneln evakuiert.» Aus Sicherheitsgründen werde dies vermieden.

Die betroffenen Reisenden hätten um 10.30 Uhr auf Anschlusszüge umsteigen können. «Als kleine Geste schenken wir den betroffenen Kunden einen Sorry-Check», sagte Frey. Dies sei ein SBB-Gutschein im Wert über 10 bzw. 15 Franken für 1.-Klass-Passagiere. Sie bittet die Betroffenen, sich dafür per Mail oder Telefon an den SBB-Kundendienst zu wenden.

Gleich drei Züge im Tunnel

Im Grauholztunnel bei Bern sassen zunächst drei Züge fest. Zwei davon konnten den Tunnel in verlangsamtem Tempo verlassen. Der Lösch- und Rettungszug sei zwar rasch vor Ort gewesen, sagte Frey, habe aber zunächst nicht in den Tunnel einfahren können, weil sich noch andere Züge darin befunden hätten.

Die Störung konnte gegen 13.30 Uhr behoben werden. Seither läuft der Bahnverkehr wieder regulär.

*Name der Redaktion bekannt

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