Versuch auf dem Säntis – Laserstrahlen können Blitze lenken

Aktualisiert

ForschungVersuch auf dem Säntis – Laserstrahlen können Blitze lenken

Bislang waren solche Versuche gescheitert. Nun zeigen Forscher, dass Laser Blitze in eine gewünschte Richtung leiten können. Damit liessen sich künftig etwa Flughäfen und Startrampen vor Unwettern schützen. 

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Der Laser-Blitzableiter kann den Weg von Blitzen mit Hilfe eines Hochleistungslasers umlenken.

Der Laser-Blitzableiter kann den Weg von Blitzen mit Hilfe eines Hochleistungslasers umlenken.

via REUTERS
Laser für den Blitzschutz einzusetzen, wurde bereits 1974 vorgeschlagen. Doch im Gegensatz zu erfolgreichen Laborversuchen scheiterten Versuche im Freien zuvor mehrfach.

Laser für den Blitzschutz einzusetzen, wurde bereits 1974 vorgeschlagen. Doch im Gegensatz zu erfolgreichen Laborversuchen scheiterten Versuche im Freien zuvor mehrfach.

AFP
Die Untersuchung einer internationalen Forschergruppe am 124 Meter hohen Telekommunikationsturm auf dem Säntis scheint nun die Erfolge im Labor zu bestätigen.

Die Untersuchung einer internationalen Forschergruppe am 124 Meter hohen Telekommunikationsturm auf dem Säntis scheint nun die Erfolge im Labor zu bestätigen.

AFP

Darum gehts

  • Wissenschaftler haben erstmals mit einem Laserstrahl Blitze gelenkt.

  • Ein Laserstrahl, der vom Gipfel des Säntis aus abgeschossen wurde, konnte einen Blitz über mehr als 50 Meter lenken.

  • Die einfachen Metallstäbe sollen so dereinst durch einen Laserstrahl ersetzt werden können.

Ein Laser kann bei einem Gewitter Blitzentladungen zu einem Blitzableiter führen. Das zeigt die Untersuchung einer internationalen Forschergruppe an einem 124 Meter hohen Telekommunikationsturm auf dem Säntis. Die Erkenntnis könnte zu einem besseren Blitzschutz für Flughäfen, Startrampen und grosse Infrastruktureinrichtungen führen, schreibt das Team um Aurélien Houard vom Laboratoire d’Optique Appliquée in Palaiseau bei Paris im Fachmagazin «Nature Photonics». 

Laser für den Blitzschutz einzusetzen, wurde bereits 1974 vorgeschlagen. Im Labor wurde die Führung von Blitzen durch Laser Ende der 1990er-Jahre nachgewiesen. Doch Versuche im Freien scheiterten 2004 im US-Bundesstaat New Mexico und 2011 in Singapur. Dass die Experimente am Säntis erfolgreich verliefen, führen die Wissenschaftler auf die um zwei Grössenordnungen höhere Laserpuls-Wiederholungsrate als bei den früheren Versuchen zurück. Der eingesetzte Laser strahlte Licht von etwa einem Mikrometer (Tausendstel Millimeter) Wellenlänge und mit einer Wiederholungsrate von 1000 Hertz aus. 

Turm wird 100 Mal pro Jahr von Blitzen getroffen

Die Forscher profitierten davon, dass der Turm auf dem Säntis in den vergangenen Jahren immer wieder für Messungen an Blitzen genutzt wurde. «Dieser Turm, der etwa 100 Mal im Jahr vom Blitz getroffen wird, ist mit mehreren Sensoren ausgestattet, die den Blitzstrom, elektromagnetische Felder in verschiedenen Entfernungen, Röntgenstrahlen und Strahlungsquellen der Blitzentladungen aufzeichnen», schreiben die Studienautoren. Sie installierten weitere Messgeräte und zwei Hochgeschwindigkeitskameras, die Blitzeinschläge mit bis zu 24’000 Bildern pro Sekunde aufzeichneten. 

Diese Kameras waren 1,4 und fünf Kilometer von der Turmspitze entfernt und lieferten nur bei guter Sicht brauchbare Ergebnisse. Dies war bei einem der vier aufgezeichneten Blitze, bei denen der Laser eingeschaltet war, der Fall. Die Kamerabilder zeigen, dass sich der Blitz mehr als 50 Meter lang um den Laserstrahl herumwindet und dann in den Blitzableiter des Turms einschlägt. Der leicht geneigte Laserstrahl war so ausgerichtet, dass er der Turmspitze nahekam. 

Magst du Gewitter?

Physikalisch gesehen passiert wahrscheinlich Folgendes: Die intensiven Laserpulse heizen die Luft stark auf, so dass viele Luftmoleküle in die kühlere Umgebung entweichen; es entsteht entlang des Laserstrahls eine Art Kanal mit sehr geringer Luftdichte, ein sogenanntes Filament. In diesem Filament ist die Luft erheblich leitfähiger als in der Umgebung, weshalb sie Blitzableitungen erleichtert. Vergleiche mit aufgezeichneten Blitzen ohne Laser zeigen, dass der Blitz durch die Führung des Lasers sehr viel zielgenauer den Blitzableiter des Turms trifft. 

«Die Ergebnisse der Säntis-Versuchskampagne im Sommer 2021 liefern Indizienbeweise dafür, dass Filamente, die durch kurze und intensive Laserpulse gebildet werden, Blitzentladungen über beträchtliche Distanzen leiten können», lautet das Fazit der Studienautoren. Diese vorläufigen Ergebnisse sollten jedoch durch weitere Versuchsreihen bestätigt werden.

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(DPA/bre)

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