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Versuchte Vergiftung von Ehemann war kein Mordversuch

Der Versuch einer Frau, im Februar 2002 ihren Mann zu vergiften, bleibt versuchte vorsätzliche Tötung und wird nicht als Mord eingestuft. Dies bestätigte des Bundesgericht in seinem am Donnerstag veröffentlichten Entscheid.

Somit bestätigte das höchste schweizer Gericht die Ansicht des Zürcher Obergerichts und wies eine Beschwerde der Zürcher Staatsanwaltschaft ab. Dieses hatte im vergangenen Oktober die heute 39-jährige Frau wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ihres Ehemannes zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Die Anklage hatte eine 12-jährige Zuchthausstrafe wegen Mordversuchs verlangt. Die Verteidigung plädierte auf versuchte vorsätzliche Tötung und eine vierjährige Freiheitsstrafe.

Ob eine Tat als vorsätzliche Tötung oder als Mord (beziehungsweise jeweils der Versuch dazu) eingestuft wird, hängt von verschiedenen Umständen vor, während und nach der Tat ab.

Die Qualifikation hat Auswirkungen auf das Strafmass: Für vorsätzliche Tötung (ohne mildernde Umstände) sieht das Strafgesetzbuch eine Zuchthausstrafe nicht unter fünf Jahren vor, für Mord nicht unter zehn Jahren.

«Ein Grenzfall»

Laut Bundesgericht war die zu beurteilende Tat ein Grenzfall. Die Beweggründe der Frau wertete das Bundesgericht nicht als skrupellos. Die Verurteilte habe sich tatsächlich in einer Ausweglosigkeit gefühlt und geglaubt, sich nicht anders befreien zu können. Auch ihr Verhalten nach der Tat zeuge nicht von besonderer Kaltblütigkeit.

Die eigentliche Ausführung des Anschlags dagegen taxiert das Bundesgericht als besonders verwerflich: Die Frau habe die Tat geplant und vorbereitet. Sie habe das Gift in ein angeblich heilendes Getränk gemischt und damit auf «besonders heimtückische Art» eingesetzt. Dass es sich um einen Stoff handelte, der keine Schmerzen verursachte, sei nicht der Verurteilten anzurechnen - das habe sie gar nicht gewusst.

Insgesamt, so das Bundesgericht, erscheine die Verurteilte «nicht als gemütskalte, krass und primitiv egoistische Täterin». Ihr Verschulden wiege zwar schwer und ihr Verhalten zeige auch einige für Mord charakteristische Merkmale. Alles in allem sei die Tat aber als versuchte vorsätzliche Tötung zu qualifizieren. Die Nichtigkeitsbeschwerde sei deshalb abzuweisen.

Befreiung aus auswegsloser Situation

Die Frau hatte vor Gericht geltend gemacht, sie habe die Vergiftung des Mannes als einzige Möglichkeit gesehen, sich aus der unglücklichen, auswegslos scheinenden Ehe zu befreien. Sie hatte das Gift in ein heisses Getränk gemischt und ihrem Mann als Mittel gegen seine Erkältung gereicht.

Dass er das Glas nur teilweise leertrank, rettete ihm das Leben. Als er nach mehr als 12 Stunden noch atmete, alarmierte die Frau einen Nachbarn und später die Ambulanz.

Für die Staatsanwaltschaft war die Tat klar versuchter Mord: Die Frau habe die Tat geplant und vorbereitet und sie dann heimtückisch ausgeführt. Der Verteidiger schilderte den Giftanschlag als einen Akt der Verzweiflung und nicht als skrupellose Handlung.

Das Obergericht sah zwar verschiedene Merkmale für eine Qualifikation als Mordversuch gegeben. Es anerkannte aber, dass die Frau sich in einem hermetisch abgeschlossenen Gefängnis fühlte und sah keine besondere Skrupellosigkeit.

(sda)

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