Aktualisiert 18.07.2018 15:30

RaiffeisenVersüssen jetzt Millionen Gisel den Abgang?

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel ist weg – da stellen sich einige Fragen. Erhält er eine Entschädigung? Und wer übernimmt jetzt das Steuer?

von
S. Spaeth/D. Benz
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Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank befasste sich offenbar in den letzten Tagen mit der Personalie Gisel.

Der Verwaltungsrat der Raiffeisenbank befasste sich offenbar in den letzten Tagen mit der Personalie Gisel.

Keystone/Davide Agosta
Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagte zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei der Raiffeisen.» Und tatsächlich: Am Mittwoch, 18. Juli, gibt Gisel seinen Rücktritt bekannt.

Hans Geiger, Bankenexperte und emeritierter Professor an der Uni Zürich, sagte zu 20 Minuten: «Ende Jahr ist Gisel wohl nicht mehr bei der Raiffeisen.» Und tatsächlich: Am Mittwoch, 18. Juli, gibt Gisel seinen Rücktritt bekannt.

Keystone/Peter Klaunzer
Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel.

Gegen Gisel, der das Amt des CEO seit 2015 innehat, spricht viel.

Keystone/Siggi Bucher

Jetzt also doch: Der Raiffeisen-CEO wirft das Handtuch. In einem Commuiqué am Mittwochmorgen schreibt Raiffeisen, Patrick Gisel werde seinen Chefposten per Ende Jahr abgeben. Die wichtigsten Antworten.

Patrik Gisel tut so, als geschähe sein Rücktritt freiwillig. Im Schreiben der Bank heisst es, er habe sich entschieden, sein Amt niederzulegen. Ist das glaubwürdig?

Der aktuelle Raiffeisen-Chef ist mit dem Bekanntwerden immer neuerer Details im Raiffeisen-Skandal zunehmend in die Kritik geraten. Die alles entscheidende Frage war: Wie viel wusste Gisel von den Deals seines Ziehvaters Pierin Vincenz? «Der Druck der Öffentlichkeit, aber auch jener des Verwaltungsrats auf Gisel hat stetig zugenommen», sagt der Reputationsexperte Bernhard Bauhofer von der Firma Sparring Partners. Der Verwaltungsrat dürfte Gisel den Rücktritt nahegelegt haben, um einen Neustart zu ermöglichen, so Bauhofer weiter.

Warum kommt die Einsicht des Verwaltungsrates so spät, war doch Gisel ein Teil des Problems?

Es wurde immer deutlicher, dass Patrik Gisel als langjähriger Stellvertreter von Pierin Vincenz nicht für einen glaubwürdigen Neuanfang stehen kann. «Das Institut hat aber nicht rascher gehandelt, um keinesfalls den Eindruck zu erwecken, man würde überhastet handeln», so Bauhofer. Raiffeisen wolle zudem nach aussen vermitteln, dass alles ruhig geplant worden sei. Laut Bauhofer dürfte die Suche nach einem Nachfolger für Gisel schon seit längerer Zeit laufen. Einen passenden Nachfolger zu finden, dürfte aber schwierig sein, da der neue CEO zur Kultur von Raiffeisen passen müsse. Zudem brauche er die Kraft, die Kultur in Richtung Öffnung und Transparenz zu verändern.

Warum erfolgt der Rücktritt nicht per sofort?

Hätte sich Raiffeisen per sofort oder schon im Frühjahr von Gisel getrennt, sähe dies stärker nach einem Schuldeingeständnis aus. «Mit der heutigen Rücktrittsankündigung auf Ende Jahr kann Gisel das Gesicht wahren und es wird für ihn ein Karriereleben nach Raiffeisen geben», so Bauhofer. Zudem dürfte sich der Verwaltungsrat nicht per sofort vom Chef getrennt haben, weil er Bedenken betreffend eines führungslosen operativen Geschäfts hatte. Der interimistische Raiffeisen-Präsident Pascal Gantenbein steht vor der Aufgabe, neben dem Chefposten auch neun Verwaltungsratsposten neu zu besetzen.

Bekommt Gisel eine Abgangsentschädigung?

Patrik Gisel erhält keine Abgangsentschädigung, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt. Diese sei im Personalreglement von Raiffeisen ohnehin nicht vorgesehen. Ebenso erhält Gisel keinen Bonus.«Es ist alles in seinem Jahresgehalt abgegolten», so die Raiffeisen-Sprecherin. Patrik Gisel werde sein Amt bis Ende 2018 ausüben und bekommt entsprechend bis dahin seinen Lohn. Im letzten Jahr betrug sein Salär rund 1,8 Millionen Franken. Dazu kamen Leistungen an Personalvorsorge in Höhe von rund 600'000 Franken.

Ist Raiffeisen jetzt mit Gisels Rücktritt aus dem Schneider?

Der Fall Vincenz hat das Image von Raiffeisen angekratzt. «Der Schaden wegen des Raiffeisen-Skandals ist fundamental», sagt Bauhofer. Auch der fade Nachgeschmack von Gisels spätem Abgang wird der Bank noch lange anhaften. Zudem sind die Untersuchungen im Fall Vincenz noch nicht abgeschlossen und es könnten weitere Ungereimtheiten ans Tageslicht kommen. «Das vorbehaltslose Vertrauen gegenüber der Bank ist empfindlich gestört», so Bauhofer. Es fragt sich: Gibt es Kundengelder-Abflüsse und wie viele neue Kunden kamen wegen der Affäre nicht zur Bank? Vincenz' Schatten wird sich also noch lange über dem Institut halten.

Wer hat Chancen auf die Gisel-Nachfolge?

Für die Bank wäre es am besten, wenn ein Aussenstehender das Steuer übernehmen würde. Für Reputationsexperte Bauhofer ist klar: «Es wäre ein wichtiges Zeichen, dass es eine Distanz zur Ära Vincenz/Gisel gibt. Und: Der neue Mann muss ein Schweizer sein.» In Insider-Kreisen fallen laut Finanzblog Inside Paradeplatz Namen wie Christine Novakovic, Chefin der Europa-Vermögensverwaltung bei der UBS, oder Harald Nedwed von der Migros Bank. Auch intern stehen mögliche Kandidaten bereit. So etwa Urs Gauch, ehemaliger Credit-Suisse-Banker, Mitglied der Geschäftsleitung und Chef der Abteilung Firmenkunden. Chancen werden auch dem Finanzchef Christian Poerschke gegeben.

Was Gisel Anfang März zum Abgang von Vincenz sagte, sehen Sie im Video:

"Einer der schwierigsten Schritte im Leben"

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel im Interview.

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