Rheinfelden-Mörder: Verteidiger will Gerechtigkeit für Klaus L.
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Rheinfelden-MörderVerteidiger will Gerechtigkeit für Klaus L.

Der Mordfall von Rheinfelden AG ist noch nicht ad acta gelegt: Der Verteidiger des wegen Mordes verurteilten deutschen Physiotherapeuten Klaus L. fordert eine Weiterführung des Verfahrens.

Er arbeite an einer entsprechenden Eingabe an den Aargauer Justizdirektor, bestätigte Verteidiger Urs Oswald am Montag einen Bericht des Regionaljournals Aargau-Solothurn von Radio DRS. Es müsse lückenlos geklärt werden, was sich im Januar 2006 in Rheinfelden zugetragen habe.

Oswald hatte bereits im Prozess vor Bezirksgericht Rheinfelden den Untersuchungsbehörden vorgeworfen, voreingenommen gegen den 52-Jährigen Deutschen ermittelt zu haben. Der Beschuldigte hatte die Tat von Anfang an bestritten.

Wenige Tage nach dem Urteil hatte sich Klaus L. Ende November in einer Zelle des Untersuchungsgefängnisses in Aarau erhängt. In einem Abschiedsbrief versicherte er erneut, nichts mit dem Tod seiner Ehefrau zu tun gehabt zu haben.

Das Verfahren dürfe nicht «stillschweigend eingestellt werden», sagte Oswald gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Wenn nötig, werde er bis vor Bundesgericht gehen.

Das Bezirksgericht hatte den ehemaligen Leiter der Physiotherapie in der Reha-Klinik Rheinfelden nach einem acht Tage dauernden Indizienprozess Ende November des Mordes schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht war sich jedoch nicht einig.

Erhebliche Zweifel

Eine Minderheit wollte Klaus L. wegen «erheblicher Zweifel» nach dem Grundsatz in dubio pro reo freisprechen. Die Mehrheit kam jedoch zum Schluss, niemand anders als der Ehemann könne die Frau ermordet haben. Als Indiz dafür wurden Fussabdrücke am Tatort gewertet.

Sie stammten von Turnschuhen, die der Beschuldigte fünf Jahre vor der Tat in einem Sportgeschäft in Deutschland gekauft hatte. Das Motiv für die Tat sah das Gericht in der «zerrütteten Ehe» begründet. Aus purem Egoismus habe er seine ihm lästig gewordene Ehefrau aus dem Weg geräumt, stellte das Gericht fest.

Im Schlafzimmer erdrosselt

Die 38-jährige Frau war in der Nacht auf den 22. Januar 2006 im Schlafzimmer des Ehepaares in Rheinfelden erdrosselt worden. Zudem wurde eine Vergewaltigung vorgetäuscht. Gefunden wurde die Tote am nächsten Tag vom damals 7-jährigen Sohn.

Die Anklage warf Klaus L. vor, er habe eine Familienfeier im Schwarzwald (D) zum Anlass genommen, in der Nacht heimlich nach Rheinfelden zu fahren, um seine Ehefrau zu töten. Die Tat habe er über Monate hinweg minutiös geplant und eiskalt ausgeführt.

(sda)

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