Aktualisiert 27.02.2011 22:12

ZürichVertrauenskrise am Unispital

Das Institut für Arbeits- und Organisationswissenschaft (ZOA) an der ETH Zürich schlägt Alarm. Die Kaderärzte des Unispitals Zürich (USZ) sind höchst unzufrieden mit der Spitaldirektion. Es bestehe eine Vertrauenskrise.

Die Wissenschaftler des ZOA haben im Auftrag der Chefärztegesellschaft der Universität des Kantons Zürich (CUK) eine repräsentative Umfrage bei den Kaderärzten der universitären Spitäler im Kanton durchgeführt. Dazu gehören neben dem USZ, das Kinderspital, die Psychiatrische Universitätsklinik, die Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie die Uniklinik Balgrist.

Erhoben wurden Daten über die Spitaldirektionen, das Rektorat der Universität und die Reorganisationsmassnahmen der vergangenen Jahre. Von 239 angeschriebenen Medizinerinnen und Medizinern haben sich knapp zwei Drittel an der Umfrage beteiligt. Das ist laut ZOA eine ausgezeichnete Rücklaufquote.

Mediziner sind hoch motiviert

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die Spitzenkräfte identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit als Ärzte, Forscher und Lehrer und sie sind hoch motiviert. Knapp 90 Prozent bestätigten mit grosser Zustimmung die Aussage: «Meine Arbeit ist genau das Richtige für mich.»

Umso schwerer wiege die Unzufriedenheit mit der Spitaldirektion des USZ, die im Vergleich mit anderen Spitaldirektionen deutlich schlechter abschnitt, heisst es in der Mitteilung des ZOA. Im Hinblick auf das Vertrauen wurde gefragt, ob sich die Spitaldirektion loyal, kooperativ, fachlich kompetent verhalte und zu ihrem Wort stehe. Das verneinten bis zu 50 Prozent der Kaderärzte des USZ.

Reorganisation bringt mehr Schaden als Nutzen

Deutlich besser abgeschnitten hat das Rektorat der Universität Zürich, der andere Dienstherr der Professorinnen und Professoren. Hier lagen die Bewertungen von einem Drittel der Befragten im oberen Drittel der Skala. Kritik in allen Spitälern gab es an der Bürokratie. Mehr als 90 Prozent finden, die Verwaltung sei zu stark gewachsen. Nur 10 Prozent der Befragten empfinden den Aufwand noch als angemessen.

Auch mit den Reorganisationsmassnahmen der vergangenen Jahre am USZ sind die Kaderärzte nicht zufrieden. Die Konkurrenzfähigkeit des Spitals habe sich dadurch im nationalen und internationalen Vergleich verschlechtert und die Patientenversorgung habe gelitten.

Weitere Einschnitte stehen bevor. So hat das USZ Ende Januar angekündigt, dass wegen des kantonalen Sparprogramms (SAN10) 130 bis 150 Vollzeitstellen gestrichen werden sollen. Ausserdem müssten Kosten reduziert und höhere Erträge erwirtschaftet werden.

Die Umfrage soll in 12 bis 18 Monaten wiederholt werden. Die Spitaldirektion des USZ war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Resultate der Erhebung sind im Internet abrufbar unter www.pda.ethz.ch oder unter www.cukzh.ch.

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