Winterthur: Vertreibt dieser Roboter die Männer vom Grill?
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WinterthurVertreibt dieser Roboter die Männer vom Grill?

Wer beim Grillieren vor lauter Bier jeweils vergisst, die Würste zu wenden, der kann die Arbeit vielleicht dereinst einem Roboter überlassen. Allerdings hätte das seinen Preis.

von
rom

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Wenn es einen Ort gibt, wo Männer noch richtig Männer sein dürfen, dann am Grill. Die Werbung verklickert es uns jeden Sommer wieder aufs Neue: am offenen Feuer für die ganze Familie grosse Fleischstücke braten, über die beste Marinade fachsimpeln, die Bierflasche stets im Anschlag. Die Botschaft ist unmissverständlich: Grillieren ist Männersache.

Noch. Denn Florian Mühlethaler (27), Oliver Heiniger (27), Bruno Zimmermann (25) und Michael Suter (30) – vier Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur – haben im Rahmen von zwei ineinandergreifenden Bachelorarbeiten einen Grillroboter entwickelt. Dieser schnappt sich das Grillgut, legt es auf den heissen Rost, wendet es nach Bedarf und nimmt es rechtzeitig wieder weg.

Roboter-Würste am Bahnhof

«Die Männer werden deswegen aber nicht vom Grill im eigenen Garten vertrieben», sagt Mühlethaler, der an der ZHAW Systemtechnik studiert hat. «Vielmehr aber könnte der Roboter dereinst an einem Take-away-Stand zum Einsatz kommen.» Denn für den Hausgebrauch sei ein solcher Roboter zu teuer. Der Prototyp habe einen Wert von rund 35'000 Franken.

Die Idee dazu stammt von einem Industriepartner der ZHAW, das Geld von Investoren. Letztere sehen laut Mühlethaler durchaus Potenzial: «Ihre Vision ist, dass es dadurch wieder mehr fix installierte Wurststände etwa bei Bahnhöfen gäbe, die mit einem Grillroboter betrieben würden.» Bestellen und bezahlen könnte man per App. «Da jemand den Roboter reinigen und warten muss, entstünden so Arbeitsplätze», sagt Mühlethaler.

Mehr als 2000 Arbeitsstunden

In die Entwicklung haben er und seine drei Mitstudenten seit Februar mehr als 2000 Arbeitsstunden investiert. Es galt unter anderem, den Roboter zu programmieren. «Die flippende Bewegung der Greifer simuliert das, was die menschliche Hand beim Wenden des Grillguts macht», sagt Mühlethaler. Zudem erkennt die integrierte Kamera nun etwa eine Olma-Bratwurst.

«Unser Wunsch wäre es gewesen, dass die Kamera anhand des Bräunungsgrades sogar weiss, wann es Zeit zum Wenden ist», sagt Mühlethaler. Doch weil beispielsweise Kalbsbratwürste gerne aufplatzen, sind sie dadurch wieder vielerorts weiss und der Roboter interpretiert dies falsch. «Um dies zu umgehen, hätten wir ihn mit Tausenden Fotos füttern müssen.»

Er kanns nur mit Würsten

Zumal es noch ein weiteres Problem gab: Eine aussen braune Wurst kann innen noch kalt sein. Darum ist nun die Temperatur entscheidend. Der Grill muss 450 Grad heiss sein, dann benötigt eine Olma-Bratwurst sechs bis acht Minuten, dabei wird sie einmal vom Roboter gewendet. Am Ende steckt dieser einen Fühler in die Wurst und schaut, ob die Kerntemperatur 70 Grad erreicht hat. «Trifft dies zu, ist die Wurst gar.» Vorerst kann der Roboter nur Würste grillieren. Mühlethaler: «Steaks und dergleichen brauchen einen anderen Greifer und ein anderes Wendekonzept – beides müsste erst entwickelt werden.»

Für den Zürcher Sternen-Grill-Mitinhaber Thomas Rosenberger ist der Roboter zwar eine lustige Idee: «Aber der Kollege ist ein bisschen langsam.» Denn bei ihnen gingen bis zu 200 Würste pro Stunde über die Theke. «Zudem ist Gastronomie etwas Emotionales – deshalb braucht sich bei uns kein Mitarbeiter Sorgen zu machen, den Job an einen Roboter zu verlieren.»

Grillroboter-Vorführung: am Freitag, ab 18.30 Uhr an der Nacht der Technik der ZHAW School of Engineering sowie am Samstag, von 11 bis 15 Uhr bei M+S Automation, beides in Winterthur.

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