1278 Fälle - Verunfallen viele Frauen im ÖV, weil er von Männern geplant wird?
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1278 FälleVerunfallen viele Frauen im ÖV, weil er von Männern geplant wird?

Doppelt so viele Frauen wie Männer verletzten sich in den letzten zwei Jahren beim Reisen. Ob den Zahlen sind viele überrascht und mutmassen in alle Richtungen über die Gründe.

von
Philippe Coradi
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Rund um den ÖV verunfallten in den letzten zwei Jahren doppelt so viele Frauen wie Männer. 

Rund um den ÖV verunfallten in den letzten zwei Jahren doppelt so viele Frauen wie Männer.

20min/Marco Zangger
Laut den Betreibern könnte es an Schuhen mit hohen Absätzen und/oder Handtaschen liegen.

Laut den Betreibern könnte es an Schuhen mit hohen Absätzen und/oder Handtaschen liegen.

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Es könnte aber auch sein, dass Frauen vermehrt im ÖV verunfallen, weil dieser von Männern für Männer konzipiert ist. 

Es könnte aber auch sein, dass Frauen vermehrt im ÖV verunfallen, weil dieser von Männern für Männer konzipiert ist.

Daniel Reinhardt/dpa

Darum gehts

  • Rund um den ÖV verunfallten in den letzten zwei Jahren doppelt so viele Frauen wie Männer.

  • Die Verkehrsbetriebe reagieren darüber überrascht und vermuten, dass es an Schuhen mit hohen Absätzen liegen könnte. Oder, dass sich Männer nach Blessuren weniger melden würden.

  • International besteht die Theorie, dass Frauen vermehrt im ÖV verunfallen, weil dieser von Männern für Männer konzipiert ist.

In den letzten zwei Jahren hatten sich in öffentlichen Verkehrsmitteln in der Schweiz 1880 reisende Personen verletzt. Davon waren 1278 Frauen und 602 Männer. Das zeigen Daten aus der Nationalen Ereignisdatenbank des Bundesamts für Verkehr (BAV). Das sind die Zahlen hinter gemeldeten Unfällen, vom Stolperer über eine Schwelle bis zum schweren Zugunglück. Die Zahlen waren bisher so kaum bekannt.

Argumente deuten auf Selbstverschulden hin

Doch woran könnte es liegen, dass doppelt so viele Frauen wie Männer verunfallen? Der «Tages-Anzeiger» hat bei allen grösseren Transportunternehmen nachgefragt. Dabei werden Argumente wie: «Frauen werden älter und nutzen den ÖV etwas mehr als Männer», oder «Männer geben weniger oft Bescheid, wenn sie sich wehgetan haben» angeführt. Auch könnte es laut den Betreibern an Schuhen mit hohen Absätzen und/oder Handtaschen liegen. Diesen Verdacht hegt man auch bei den ZVV. Sie fügen zudem an, dass Männer kräftiger seien und sich bei einem Ruck besser festhalten könnten.

Aus dem benachbarten Ausland gibt es eine andere Theorie. Dort wird vermutet, dass der auf ÖV auf Männer ausgerichtet ist, sowohl bei Planung und Infrastruktur. Der Verkehrsclub Österreich kam laut dem «TA» in einem Faktenblatt schon vor Jahren zum Schluss, dass die Entwicklung in der Mobilität praktisch ausschliesslich aus dem Blickwinkel und der Alltagserfahrung von Männern erfolgt.

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