Verunfalltes E-Auto brennt – was ist zu tun?
Sind brennende E-Autos eine Gefahr für Stromschläge?

Sind brennende E-Autos eine Gefahr für Stromschläge?

Kantonspolizei Thurgau
Publiziert

Unfall in FrauenfeldVerunfalltes E-Auto brennt – was ist zu tun?

Ein E-Auto brennt und ein Insasse oder eine Insassin befindet sich noch im Wagen. Wie helfe ich und verhindere einen Stromschlag?

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Richard ans AGVS-Expertenteam:

Anfang Oktober ist in Frauenfeld eine Teslafahrerin in einen Baum gefahren, worauf der Wagen in Brand geriet. Laut Medienberichten hat ein Passant die Fahrerin aus dem Auto geborgen. Was muss man bei einem verunfallten E-Auto beachten, wenn man die Türe öffnen will, um jemanden zu bergen?

Antwort:


Lieber Richard

Vielen Dank für deine spannende Frage, für die ich eine beruhigende Antwort habe. Elektrofahrzeuge verfügen über Sicherheitselemente wie Relais und Schmelzsicherungen, welche die Batterie bei einem Unfall von den restlichen Hochvolt-Komponenten trennen. Diese Sicherheitselemente sind oft direkt im Batteriepaket verbaut, sodass ausserhalb der Batterie keine Spannung mehr anliegt.

Ausserdem verfügen die Hochvolt-Systeme von E-Fahrzeugen über eine separate Verkabelung für die Plus- und Minusleitungen. Anders als beim 12-Volt-Bordnetz wird das Minus (Masse) also nicht über die Metallteile der Karosserie geführt. Dadurch besteht ein höherer Schutz, d.h. das Hochvolt-System verläuft isoliert vom übrigen Fahrzeug.

Elektrofahrzeuge verfügen über Sicherheitselemente wie Relais und Schmelzsicherungen, welche die Batterie bei einem Unfall von den restlichen Hochvolt-Komponenten trennen.

Markus Peter, AGVS

Natürlich stehen die einzelnen Batteriezellen auch nach einem Unfall immer noch unter Spannung. Das bedeutet, dass ein stark beschädigtes Batteriepaket zumindest ein theoretisches Gefahrenpotenzial eines Stromschlags bietet. In der Praxis tritt dies jedoch höchst selten auf.

Trotzdem sind Bergungen von Verletzten aus brennenden Fahrzeugen mit einem gewissen Risiko verbunden: Heisse Oberflächen (z.B. Türgriffe), giftige Verbrennungsgase oder austretende heisse Flüssigkeiten (z.B. Kühlflüssigkeit oder Elektrolyt von Batterien) sind eine Gefahr. Das sind aber Gefährdungen, die auch bei Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren auftreten können. Abgesehen von der heissen Oberfläche treten diese Gefährdungen weniger im Bereich der Türe auf, sondern eher im Motorraum oder am Unterboden.

In der Praxis treten Stromschläge bei beschädigeten Batterien höchst selten auf.

Markus Peter, AGVS

An dieser Stelle noch ein Tipp: Für die meisten Personenwagen existieren sogenannte Rettungskarten. Diese wurden vom TCS und dem Schweizerischen Feuerwehrverband (SFV) lanciert und helfen Rettungskräften, bei eingeklemmten Insassen die Rettungsgeräte optimal einzusetzen und so Gefahren aus dem Weg zu gehen. Unter rettungskarte.ch kannst du die Rettungskarte deines Autos herunterladen und ausdrucken. Am besten klemmst du sie unter die Sonnenblende. Das erleichtert die Identifikation des Fahrzeugs und zeigt den Rettungskräften auf, wo kritische Bauteile wie Tank, Batterie, Airbags, Hochvolt-Leitungen etc. verbaut sind.

Gute Fahrt!

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