Dänemark: War es Sabotage? Video zeigt massive Gaslecks an Nord-Stream-Pipelines

Aktualisiert

DänemarkWar es Sabotage? Video zeigt massive Gaslecks an Nord-Stream-Pipelines

Dänische Behörden haben ein Video veröffentlicht, in dem die Lecks an den Nord-Stream-Pipelines zu sehen sind.

20min/al

Insgesamt drei Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 sind innert eines Tages in den Gewässern von Dänemark und Schweden aufgetreten. Experten aus Russland und auch Deutschland glauben nicht an Zufall und vermuten Sabotageakte.

Darum gehts

Nach der Beschädigung der Nord-Stream-Gaspipelines unter der Ostsee suchen Behörden in Deutschland und Dänemark weiter nach der Ursache. Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühen sich um Aufklärung. In der Nacht auf Montag war zunächst in einer der beiden Röhren, der nicht genutzten Pipeline Nord Stream 2, ein starker Druckabfall festgestellt worden. Am Abend meldete der Betreiber dann auch einen Druckabfall in beiden Röhren von Nord Stream 1.

Dänemark schliesst Sabotage nicht aus. Die drei Lecks befänden sich in einigem Abstand zueinander, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstag. Es sei daher schwer vorstellbar, dass es sich um Zufall handle. Es sei aber noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Auch in Deutschland hält man diese Erklärung für naheliegend. Die Berliner Tageszeitung «Tagesspiegel» zitierte laut den Zeitungen der Tamedia-Gruppe eine Person, die mit der Lagebewertung vertraut war: «Alles spricht gegen einen Zufall. Unsere Fantasie gibt kein Szenario her, das kein gezielter Anschlag ist.» Auch Russland spricht von möglicher Sabotage und ist laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow «extrem besorgt».

Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen, der dafür Kampfschwimmer oder sogar ein U-Boot eingesetzt haben könnte. Während deutsche Behörden laut Presseberichten weder eine Aktion der Ukraine – die die russisch-deutsche Pipeline stets als existenzielle Gefahr betrachtete – noch eine «False Flag»-Aktion von Russland ausschliessen, vermutet die polnische Regierung eine weitere «Aggression» von Moskau gegen den Westen.

Dänemark richtete Sperrzonen ein

Wegen der Lecks hat die dänische Schifffahrtsbehörde nahe der Insel Bornholm Sperrzonen für den Schiffsverkehr eingerichtet. Man habe an den Gaspipelines insgesamt drei Lecks entdeckt, nämlich zwei Lecks an Nord Stream 1 nordöstlich der Ostsee-Insel Bornholm sowie eines an Nord Stream 2 südöstlich der Insel. Im Falle von Nord Stream 1 befinde sich das eine Leck in dänischen und das andere in schwedischen Gewässern. Das Leck von Nord Stream 2 liege in dänischen Gewässern.

1 / 7
Die dänischen Streitkräfte veröffentlichten am Dienstag ein Bild des Gaslecks bei Bornholm, das von einem F-16-Jet aufgenommen wurde. 

Die dänischen Streitkräfte veröffentlichten am Dienstag ein Bild des Gaslecks bei Bornholm, das von einem F-16-Jet aufgenommen wurde. 

Dänische Streitkräfte
NordStream1 liefert seit 2011 russisches Erdgas nach Deutschland. 

NordStream1 liefert seit 2011 russisches Erdgas nach Deutschland. 

IMAGO/BildFunkMV
Sowohl diese Gas-Pipeline …

Sowohl diese Gas-Pipeline …

REUTERS

Man veranlasse derzeit Untersuchungen, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG, die für Nord Stream 1 zuständig ist. Zum Ausmass etwaiger Schäden könne man vorher keine Angaben machen. Im Bereich um Bornholm liegen die Leitungen seiner Aussage nach etwa 70 Meter unter der Wasseroberfläche. Laut Nord-Stream-2-Sprecher Ulrich Lissek sind die Leitungen so verlegt, dass eine gleichzeitige Beschädigung mehrerer Leitungen, etwa durch einen einzelnen Schiffsunfall, höchst unwahrscheinlich ist. Zur Frage, ob ihm ähnliche Vorfälle im Zusammenhang mit Offshore-Pipelines bekannt seien, sagte er: «Hab ich nie gehört.» Auch ein Experte für Unterwasserroboter verwies im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auf die extrem hohen Sicherheitsstandards und die sehr robuste Bauweise der Leitungen. Aus seiner Sicht kommt nur eine bewusste Manipulation in Frage. 

Armeejets entdeckten aufsteigende Blasen

Wie die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» unter Berufung auf das dänische Militär berichtete, wurde das Leck an Nord Stream 2 am Montag von F-16-Kampfjets entdeckt. Sie waren von Bornholm aus in die Luft geschickt worden, um das Gebiet zu fotografieren, und hätten dabei entdeckt, dass an einem Punkt südöstlich der Insel Blasen aus dem Wasser aufgestiegen seien.

Nach Angaben der dänischen Energiebehörde können Schiffe den Antrieb verlieren, wenn sie in das Gebiet hineinfahren. Zudem bestehe möglicherweise Entzündungsgefahr. Ausserhalb der Zone gebe es keine Gefahr, auch nicht für die Einwohner von Bornholm und der kleinen Nachbarinsel Christiansø. Deutsche und dänische Behörden wiesen darauf hin, dass die Vorfälle keine Auswirkung auf die Gasversorgung hätten, da die Leitungen zuletzt nicht für den Gasimport benutzt worden seien. Der deutsche Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schätzt die möglichen kurzfristigen Auswirkungen der Lecks an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 auf die Umwelt als lokal begrenzt ein.

Während über die Pipeline Nord Stream 1 bis vor einigen Wochen noch Gas aus Russland nach Deutschland geflossen war – wenn auch mit gedrosselter Kapazität – war die Genehmigung für den Import über Nord Stream 2 kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine von der Bundesregierung auf Eis gelegt worden. Danach hatte sie wegen des Krieges eine Nutzung ausgeschlossen. 

(DPA/trx)

Deine Meinung

114 Kommentare