Martin Wendelspiess: «Verurteilte Eltern kamen noch glimpflich davon»
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Martin Wendelspiess«Verurteilte Eltern kamen noch glimpflich davon»

Wer mit den Kindern ausserhalb der Schulferien verreist, muss mit einer hohen Busse rechnen. Der Zürcher Volksschuldirektor Martin Wendelspiess sagt, warum es keine Gnade gibt.

von
som
Nicht alle Eltern mögen warten, bis die offiziellen Schulferien begonnen haben.

Nicht alle Eltern mögen warten, bis die offiziellen Schulferien begonnen haben.

Herr Wendelspiess*, ein Ehepaar muss 1600 Franken Busse zahlen, weil es mit seinen beiden Töchtern eine Woche vor den offiziellen Sommerferien verreiste. Warum kostet das so viel?

Sie sind damit noch relativ glimpflich davongekommen. Eltern können mit bis zu 5000 Franken gebüsst werden, wenn sie mit ihren Kindern ausserhalb der Schulferien verreisen. Die Höhe des Busse hängt von der Länge und Häufigkeit der Absenz und von den finanziellen Verhältnissen der Eltern ab.

Für Familien ist es nicht immer leicht, ihre Ferienpläne nach den offiziellen Schulferien zu richten. Haben Sie dafür kein Verständnis?

Ehrlich gesagt, nur in Einzelfällen. Bei 13 Wochen Ferien im Jahr sollte sich wohl ein Zeitfenster für eine gemeinsame Reise finden lassen. Zusätzlich können die Kinder zwei Jokertage pro Schuljahr beziehen, an denen sie frei machen können.

Kommt es häufig vor, dass Eltern im Kanton Zürich die Regeln brechen?

Schätzungsweise sind es 30 Fälle pro Jahr, was bei 140'000 Schulkindern im Kanton gering ist. Weil man gegen die Regelbrecher trotzdem etwas in der Hand haben will und die Schulpflicht als wichtig wahrgenommen wird, ist der Bussenrahmen relativ hoch. Die Höhe der Bussen wurde bei der Erneuerung des Volksschulgesetzes vor acht Jahren festgelegt und war im Kantonsrat von links bis rechts praktisch unbestritten.

Die Eltern könnten ihre Kinder einfach krankmelden, um die Bussen zu umgehen.

Das ist nicht so einfach, da Kinder ehrlich sind und in der Schule schnell etwas ausplaudern. Zudem schickt die Lehrperson oft einen Schulkameraden bei den Kindern vorbei, um ihnen die Hausaufgaben zu bringen. Wenn da alle Rollläden runtergelassen sind, wird die Schule sicher stutzig. Und vergessen wir nicht die Vorbildfunktion der Eltern, wenn sie ihre Kinder zum Lügen anhalten würden.

Gibt es Fälle, in denen Eltern ihre Sprösslinge aus der Schule nehmen dürfen?

Immer wenn wichtige Gründe vorliegen, beispielsweise bei Todesfällen, Hochzeiten oder ansteckenden Krankheiten in der Familie. Fehlen dürfen Kinder beispielsweise auch, wenn sie an einem wichtigen Sportanlass oder Talentwettbewerb teilnehmen.

Die verurteilten Eltern gaben an, dass sie ihre Kinder daheim unterrichten wollen. Obwohl dies im Kanton Zürich erlaubt ist, wurden sie gebüsst.

Bei den verurteilten Eltern war gemäss Gerichtsurteil ziemlich offensichtlich, dass dies eine Ausrede war. Grundsätzlich ist Heimunterricht aber im Kanton Zürich möglich – auch wenn die Eltern kein Lehrerpatent haben, dürfen sie ihre Kinder bis zu einem Jahr daheim unterrichten. Die Mindestdauer sollte aber zwei Monate und nicht wie bei den verurteilten Eltern eine Woche sein. Zudem muss der Heimunterricht dem Volksschulamt gemeldet werden und die Eltern müssen einen Stundenplan vorlegen. Meines Wissens haben das die verurteilten Eltern nicht gemacht.

*Martin Wendelspiess leitet das Zürcher Volksschulamt.

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