Aktualisiert 23.01.2008 13:16

Verurteilte Treuhänderin kommt gut davon

Das Kantonsgericht hat die Strafen gegen ein Treuhänder-Paar aus Rorschach wegen Anlagebetrugs deutlich gemildert. Die 67-jährige Frau wurde zur einer teilbedingten, ihr 71-jähriger Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Beide wurden des gewerbsmässigen Betrugs und der gewerbsmässigen Geldwäscherei schuldig gesprochen, wie das Gericht am Mittwoch bekanntgab. Sie hatten zwischen 1988 und 2003 Anleger, vorwiegend aus Deutschland, um Millionen betrogen. Die Gelder wurden zum Teil an der Börse verspekuliert, zum Teil überhaupt nicht angelegt.

Die Vorwürfe sind, soweit die Anlagegeschäfte vor 1993 abgewickelt wurden, verjährt. Die Treuhänderin wurde in zahlreichen Anklagepunkten freigesprochen und noch zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten verurteilt. Diese muss sie zur Hälfte absitzen.

Ersatzforderung von 3,5 Millionen

Gegen ihren Mann sprach das Kantonsgericht eine bedingte Strafe von 18 Monaten aus. Es verpflichtete die beiden zu einer Ersatzzahlung von 3,5 Millionen Franken. Die Verfahrenskosten müssen sie zu einem Viertel zahlen. Dafür erhalten sie eine Entschädigung von 275 000 Franken für die Verteidigung.

Zwei Mitarbeiterinnen des Treuhandbüros wurden wegen Gehilfenschaft zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Das Kantonsgericht hatte die Berufsungsverhandlung vergangene Woche durchgeführt. Alle vier Angeklagten forderten Freisprüche, die Untersuchungsrichter beantragten höhere Strafen.

Das Kreisgericht Rheintal hatte das Treuhänder-Paar Anfang 2006 zu Freiheitsstrafen von sechseinhalb und dreieinhalb Jahren verurteilt. Die beiden zogen den Fall ans Kantonsgericht weiter. Dieses milderte jetzt das Urteil deutlich.

Weiterzug ans Bundesgericht

Damit ist das Treuhänder-Paar aber nicht zufrieden. Ihr Anwalt erklärte am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, das Urteil werde ans Bundesgericht weitergezogen.

Das «Anlagemodell» funktionierte nach dem Schneeballprinzip: Den Anlegern, angeworben von Vermittlern, wurden riesige Renditen bei geringem Risiko versprochen. Ihre «Gewinne» wurden mit neu akquirierten Geldern von Kunden finanziert. Zum Teil floss das Geld in hochspekulative Börsen-Termingeschäfte.

Laut Anklage wurden die Anleger um 60 Millionen Franken geprellt. Das Kantonsgericht sah in seinem Berufungsurteil noch Tatbestände mit Verlusten im Umfang von gut 13 Millionen als erwiesen und nicht verjährt an.

Schweres Verschulden

Der Treuhänderin warf es ein schweres Verschulden vor. Sie habe, nach massiven Verlusten mit dem Modell «Sparplan 2000», ihre betrügerische Tätigkeit fortgesetzt - entgegen Ratschlägen aus ihrem Umfeld. «Das Motiv dazu kann nur Profitstreben und persönliche Bereicherung gewesen sein», so das Gericht.

Die Verurteilte habe eine aktive Rolle bei den Firmengründungen gespielt. Während der ganzen Zeit sei ein reger Geldfluss über die Konten der Rorschacher Firma erfolgt. Die Treuhänderin stritt illegale Machenschaften ab, das Gericht erachtete ihre Aussagen aber als «völlig unglaubwürdig».

Auch eine angebliche Schenkung von 28,7 Millionen Dollar einer deutschen Schlossbesitzerin habe es nicht gegeben. Freigesprochen wurden die Angeklagten im Zusammenhang mit der Finanzierung eines Prozesses gegen eine amerikanische Investmentbank. Laut Anklage waren dabei Gelder von Anlegern verschwunden.

Lange Verfahrensdauer

Als strafmildernd berücksichtigte das Gericht das fortgeschrittene Alter der 67-Jährigen und die lange Verfahrensdauer. Die Untersuchung hatte über zehn Jahre gedauert, davon siebeneinhalb Jahre im Kanton St. Gallen. «Weniger wäre mehr gewesen», meinte der vorsitzende Richter dazu.

Die Forderungen von Geschädigten verwies das Kantonsgericht auf den Zivilweg. Rund 1000 Kleinanleger waren Opfer des Betrugs geworden. Einige verloren ihr gesamtes Kapital.

(sda)

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