Verurteilter Messerstecher beteuert Unschuld - «Werde kooperieren und die Wahrheit ans Licht bringen»
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Verurteilter Messerstecher beteuert Unschuld«Werde kooperieren und die Wahrheit ans Licht bringen»

Das Basler Appellationsgericht lehnte den Revisionsantrag eines Somaliers ab, der wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine mehrjährige Haftstrafe verbüsst. Der Verurteilte behauptete, unschuldig zu sein und bat um die Wiederaufnahme seines Falles.

von
Lukas Hausendorf
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Das Basler Appellationsgericht wies in einem jüngst publizierten Urteil das Revisionsgesuch eines verurteilten Gewalttäters ab.

Das Basler Appellationsgericht wies in einem jüngst publizierten Urteil das Revisionsgesuch eines verurteilten Gewalttäters ab.

bs.ch/Sabine Schneeberger
Der Somalier wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu vier Jahren und drei Monaten veurteilt. Er attackierte am 23. Juli 2017 einen 18-Jährigen bei der Dreirosenanlage mit einer Stichwaffe.

Der Somalier wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu vier Jahren und drei Monaten veurteilt. Er attackierte am 23. Juli 2017 einen 18-Jährigen bei der Dreirosenanlage mit einer Stichwaffe.

bs.ch/Sabine Schneeberger
Der Somalier beteuerte schon mehrfach seine Unschuld. Er blieb allerdings auch im Revisionsantrag den Beweis schuldig, die Tat nicht begangen zu haben.

Der Somalier beteuerte schon mehrfach seine Unschuld. Er blieb allerdings auch im Revisionsantrag den Beweis schuldig, die Tat nicht begangen zu haben.

bs.ch/Catherine Gritti

Darum gehts

  • Wer unschuldig verurteilt wurde, kann die Revision des Urteils beantragen, wenn dafür Beweise vorgebracht werden können.

  • Ein Somalier, der in Basel wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt wurde, beteuerte seine Unschuld und beantragte beim Appellationsgericht seine Freilassung.

  • Dabei bluffte er aber, was den Beweis seiner Unschuld betraf.

Wer unschuldig im Gefängnis sitzt, dem steht jederzeit die Möglichkeit zu, die Revision des Urteils zu beantragen. Dafür müssen aber neue Tatsachen oder Beweise hervorgebracht werden. Von dieser Möglichkeit machte auch ein wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilter Somalier in Basel Gebrauch.

In einer lauen Sommernacht am 23. Juli 2017 kam es vor der Dreirosenanlage in Basel zu einer blutigen Auseinandersetzung. Dabei wurde ein 18-Jähriger lebensgefährlich mit einer Stichwaffe verletzt. Die Polizei nahm zwei Somalier im Alter von 22 und 26 Jahren unter dringendem Tatverdacht fest. Einer der beiden wurde am 22. März 2018 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt und für zehn Jahre des Landes verwiesen.

Der Verurteilte – aus den publizierten Urteilen geht nicht hervor, welcher der beiden damals Verhafteten es ist – beteuerte mehrfach seine Unschuld. Damit scheiterte er in einem Berufungsverfahren und jetzt erneut mit einem Revisionsantrag an das Basler Appellationsgericht, wie aus dessen jüngst publizierten Urteil hervorgeht.

«Lasst mich bitte frei, ich werde nun kooperieren»

Er habe die Tat nicht begangen und «in der Zwischenzeit die Person ermittelt, die dafür verantwortlich ist», schrieb er in seinem Gesuch. «Ich würde nun gerne mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht kooperieren und die Wahrheit ans Licht bringen», versprach er. Darum solle er nun in die Freiheit entlassen werden. Dabei benannte er auch B.* als Schuldigen.

Das Appellationsgericht entgegnete dem Gesuchsteller, dass es nicht genüge, einen anderen Schuldigen zu benennen und die eigene Unschuld zu beteuern. Wenn er behaupte, die verantwortliche Person ermittelt zu haben, so müsse er hierzu konkrete Beweise benennen und seine Behauptung zumindest glaubhaft machen. Beweise blieb der Somalier aber weiterhin schuldig. Seine Freunde würden nicht mit der Polizei kooperieren, behauptete er. Er sei sich aber sicher, dass B. in einem persönlichen Gespräch ein Geständnis ablegen würde.

Klare Worte vom Gericht

Auf diesen Bluff ging das Appellationsgericht aber nicht ein. Denn B. war der Justiz schon bestens bekannt, weil er schon früher vom Verurteilten der Mittäterschaft beschuldigt wurde, er hatte dies aber bestritten und wurde dann auch freigesprochen. Zur Tatzeit sei dieser nicht einmal in Basel gewesen. «Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum er nun plötzlich ein Geständnis ablegen sollte».

Das Revisionsgesuch wurde in der Folge abgeschmettert, weil der Gesuchsteller «überhaupt nicht in der Lage ist, irgendwelche konkreten Beweise vorzulegen». Das wäre für eine Revision des Urteils aber nötig gewesen.

*Vom Gericht gewähltes Pseudonym

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Online- und Einzelchatberatung für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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