Verkohlte Leiche in Frutigen BE : Verurteilter Mann (57) stirbt im Gefängnis
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Verkohlte Leiche in Frutigen BE Verurteilter Mann (57) stirbt im Gefängnis

Am Regionalgericht Oberland wurde im Oktober ein 57-jähriger Schweizer wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt. Jetzt ist der Mann im Gefängnis verstorben.

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Am 15. Februar 2018 brannte das Bauernhaus an der Reichenmattestrasse in Frutigen lichterloh.

Am 15. Februar 2018 brannte das Bauernhaus an der Reichenmattestrasse in Frutigen lichterloh.

Screenshot Telebärn
Tags darauf wurde unter dem Brandschutt die Leiche der Hausbewohnerin S.D. gefunden.

Tags darauf wurde unter dem Brandschutt die Leiche der Hausbewohnerin S.D. gefunden.

Foto: cho
Der 57-jährige S.R.wurde erstinstanzlich der vorsätzlichen Tötung verurteilt. 

Der 57-jährige S.R.wurde erstinstanzlich der vorsätzlichen Tötung verurteilt.

Foto: zvg

Der mutmassliche Täter im Tötungsdelikt von Frutigen BE ist tot. Fünf Wochen nach dem erstinstanzlichen Urteil ist der Mann im Regionalgefängnis Thun verstorben.

Die Kantonspolizei Bern bestätigte am Mittwochabend einen entsprechenden Bericht auf «Blick Online». Die Todesursache steht noch nicht fest. Die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland geht von einem medizinischen Problem aus.

Der 57-jährige Schweizer war in einem Indizienprozess zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt worden. Nach Überzeugung des Regionalgerichts in Thun hat er im Februar 2018 in Frutigen seine Freundin umgebracht und danach deren Haus angezündet. Schuldig gesprochen wurde der Mann wegen vorsätzlicher Tötung, Brandstiftung und Störung des Totenfriedens.

Keine Beweise

Der Beschuldigte hatte stets seine Unschuld beteuert. Er wollte das Urteil ans Obergericht weiterziehen. Einen Schuldspruch werde er niemals akzeptieren, betonte der Mann vor Gericht. Das alte Haus in Frutigen war am 15. Februar 2018 in Flammen aufgegangen. In den Trümmern fanden die Rettungskräfte die Leiche der Hausbewohnerin, einer 41-jährigen Frau. Ihr Freund wurde wenige Tage später in Frankreich gefasst.

Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass er die Frau umgebracht und danach das Haus in Brand gesteckt hatte. Die Verteidigung widersprach: Die Frau sei womöglich am nachgewiesenen Konsum von Alkohol, Kokain, Cannabis und Medikamenten gestorben. Den Brand könnte sie durch einen brennenden Joint verursacht haben.

Das Gericht beurteilte dies als wenig wahrscheinlich. Die Expertengutachten legten den Schluss nahe, dass die Frau durch einen Schuss, einen Schlag oder einen Stich massive Kopfverletzungen erlitten habe. Ausserdem sei der Brand offenkundig gelegt worden.

Todesursache unklar

Das Gericht sei der klaren Überzeugung, dass der Mann der Täter sei. «Es kann niemand anders gewesen sein», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsverkündung. Die Indizien – darunter Handy-Daten und das Verhalten des Beschuldigten – bildeten in ihrer Gesamtheit eine tragfähige Hängebrücke.

Am vergangenen Freitagvormittag, 20. November, wurde der Mann tot in einer Zelle des Regionalgefängnisses Thun aufgefunden. Die Kantonspolizei Bern berichtete am Samstag über den Todesfall, gab damals aber nicht an, dass es sich dabei um den mutmasslichen Täter des Frutiger Tötungsdelikts handelte.

Warum der Mann starb, ist noch nicht geklärt. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich untersucht die Todesursache. Hinweise auf Dritteinwirkung lägen nicht vor, teilte die Staatsanwaltschaft im Communiqué vom vergangenen Samstag mit.

(SDA)

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