Bezirksgericht Zürich: Verurteilter Verteidiger: «Es ist mir höchst peinlich»
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichVerurteilter Verteidiger: «Es ist mir höchst peinlich»

Ausgerechnet ein erfahrener Strafverteidiger hat in Zürich massiv angetrunken einen Unfall gebaut und dabei eine Person verletzt. Nun soll der vorbestrafte Lenker rund 38 000 Franken bezahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 135 000 Franken gefordert.

von
Attila Szenogrady

«Es ist mir höchst peinlich», erklärte der heute 51-jährige Rechtsanwalt am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Kein Wunder: So trat der erfahrene Jurist in der Vergangenheit schon oft als Strafverteidiger vor Gericht auf. Nun sass er selber auf der Anklagebank.

Für einen Vorfall vom 22. September 2007. An jenem Samstag hielt sich der Familienvater alleine in seiner Villa am Zürichberg auf und las einige Romane. Während der Lektüre trank er mindestens eineinhalb Flaschen Wein.

Fahrerflucht nach Unfall

Trotz des reichlichen Alkoholkonsums sass er um 19 Uhr in seinem Rennwagen der Marke Porsche Carrera und fuhr in Richtung Bahnhof Stadelhofen. Um noch einige Zeitungen zu kaufen, wie er am Mittwoch vor den Schranken ausführte. Beim Kreuzplatz passierte es: Der Angeklagte prallte vor einer Ampel in das Heck eines vor dem Rotlicht stehenden Personenwagens hinein.

Mit der Folge, dass sich der unschuldige Lenker wegen der Kollision ein Schleudertrauma zuzog. Als der Geschädigte den sofortigen Beizug der Polizei verlangte, suchte der in Panik geratene Rechtsanwalt mit 1,49 Promillen Alkohol im Blut das Weite.

Der Multimillionär sollte über 136 000 Franken bezahlen

Der flüchtige Jurist wurde schnell gestellt. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat erstellte im letzten Mai einen Strafbefehl.

Demnach wurde der einschlägig vorbestrafte Multimillionär – er hatte bereits im Jahre 2001 wegen Alkohols am Steuer 45 Tage Gefängnis bedingt kassiert - wegen Fahrens im fahrunfähigen Zustand, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall, fahrlässiger Körperverletzung sowie Verletzung der Verkehrsregeln zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 1500 Franken sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

Womit er insgesamt die ansehnliche Summe von 136 000 Franken bezahlen sollte. Worauf der Rechtsanwalt Einsprache gegen den Strafbefehl erhob.

Strafe um rund 100 000 Franken gesenkt

Vor Gericht waren die Schuldsprüche weitgehend nicht bestritten. Allerdings forderte der Verteidiger mit 90 Tagessätzen zu 900 Franken bedingt eine erheblich mildere Strafe. Er ging von einer nicht ungünstigen Prognose aus.

Was das Gericht allerdings ablehnte. Es verurteilte den Anwalt zu einer teil bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 830 Franken. Wobei der Blaufahrer die Hälfte der Strafe, also 37 350 Franken, bezahlen soll. Zudem eine Busse von 600 Franken.

Das Gericht wies darauf hin, dass beim Angeklagten erhebliche Bedenken für einen Rückfall angebracht seien. Dieser habe bereits 1989 nach einer ersten Blaufahrt versichert, dass er Fahren und Trinken künftig strikt trennen werde. Was er jedoch bereits zwei Mal seither nicht befolgt habe, erklärte der zuständige Einzelrichter. Zudem liege der Verdacht auf ein gewisses Alkoholproblem vor.

Trotz des Schuldspruchs zeigte sich der Erbe von diversen teuren Liegenschaften nicht unzufrieden. So hatte es sein Anwalt fertig gebracht, mit einem kurzen Plädoyer die Strafe um rund 100 000 Franken zu senken.

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