St. Gallen: Verwaltung rüstet sich gegen Amokläufer
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St. GallenVerwaltung rüstet sich gegen Amokläufer

Die Zentralverwaltung des Kantons St. Gallen führt in diesem Sommer ein neues Alarmierungssystem ein. Die Mitarbeiter werden dabei per Telefon vor Bedrohungen gewarnt.

von
jeh
Eine Mitarbeiter der Staatskanzlei wählt bei der Brandmeldeanlage im Regierungsgebäude die Notfallnummer und löst so den Alarm aus.

Eine Mitarbeiter der Staatskanzlei wählt bei der Brandmeldeanlage im Regierungsgebäude die Notfallnummer und löst so den Alarm aus.

«Bricht in einem Verwaltungsgebäude zum Beispiel ein Brand aus, ist entscheidend, dass in den ersten Minuten nach der Erkennung rasch und richtig gehandelt wird», sagt Christof Stahlberger, Sicherheitsbeauftragter der Staatskanzlei St. Gallen. Deshalb führen die Zentralverwaltung und die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) im Verlauf des Sommers und Herbsts 2015 das neue Alarmierungssystem eAlarm emergency ein. Alle Mitarbeitenden im betroffenen Gebäude werden im Notfall per SMS oder Telefonanruf alarmiert und aufgefordert, unverzüglich den Arbeitsplatz zu verlassen und sich beim Treffpunkt am vordefinierten Sammelplatz einzufinden. «Diese Variante ist viel schneller und effektiver», sagt Karlheinz Holenstein, Leiter des Kommunikationsnetzes St. Gallen: Früher habe man Stock für Stock alarmieren müssen. Dies sei sehr zeitaufwendig gewesen.

Doppelte Absicherung

In einem zweiten Schritt soll das System auch im Falle eines Amoklaufes anschlagen. «In einem solchen Ernstfall müssen autorisierte Personen im Gebäude einen Code im System eingeben. Dadurch werden wiederum alle Mitarbeiter per Telefon alarmiert», sagt Holenstein.

eAlarm emergency ist ein Evakuierungssystem der Swisscom. «Da unsere Telefonleitungen bereits über die Swisscom laufen, braucht es keine weitere Infrastruktur», sagt Holenstein. Auch auf einen möglichen Netzausfall ist man vorbereitet. Die Leitungen führen laut Holenstein in zwei unterschiedliche Rechenzentren. So habe man eine doppelte Absicherung.

Bedrohte Beamte

Der Amoklauf im Parlamentsgebäude von Zug im Jahr 2001, bei dem 14 Politiker erschossen wurden, habe sicherlich einen gewissen Einfluss auf die Einführung des neuen System gehabt. «Die Tendenz der letzten Jahre hat sich nun auf das neue Alarmsystem bewegt», so Holenstein. Auch heutzutage seien Beamte Bedrohungen am Arbeitsplatz ausgesetzt.

Dies bestätigt René Hungerbühler vom St. Galler Migrationsamt. «Zum Glück handelt es sich um seltene Einzelfälle. Aber es kommt schon vor, dass unsere Mitarbeiter bedroht werden», so Hungerbühler. Für einen solchen sei man aber vorbereitet: «Wenn eine Bedrohung eingeht, wird sofort Anzeige bei der Polizei gemacht», sagt Hungerbühler.

Wie real ist Bedrohung?

Auch bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) sind Drohungen gegenüber Mitarbeitenden bekannt. «Wenn ein Klient zum Beispiel Kürzungen hinnehmen musste, ist es schon vorgekommen, dass verbale Drohungen ausgesprochen wurden», sagt Erwin Schweizer, Leiter der zentralen Dienste bei der Staatskanzlei. Aus diesem Grund komme es ab und zu auch vor, dass Polizisten bei direkten Gesprächen dabei sind.

«Es kommt immer wieder zu Bedrohungen bei Verwaltungsangestellten», bestätigt auch Kantonspolizei-Sprecher Gian Andrea Rezzoli. Im Kanton St. Gallen habe es aber glücklicherweise noch keinen Fall von extremen Angriffen oder dergleichen gegeben. Die alarmierte Polizei müsse immer abschätzen, wie real die Bedrohung ist. «Je nach Vorfall nehmen wir Verhaftungen vor», sagt Rezzoli.

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