Aktualisiert 04.05.2012 11:27

Experteninterview«Verweise machen keinen Sinn»

Zwei Mobbing-Opfer zerstörten aus Frust ein Schulzimmer. Nun hat die Schule sie suspendiert. «Falsch», sagt Psychologe Allan Guggenbühl.

von
Nina Frauenfelder

Herr Guggenbühl, kommt es oft vor, dass Mobbing-Opfer so auf ihre Situation hinweisen?

Allan Guggenbühl: Nein. Wut und Aggression können zwar Ausdrucksweisen sein von Jugendlichen, die gemobbt werden. Es ist aber nicht der Normalfall.

Sondern?

Stilles Leiden. Mobbing-Opfer ziehen sich zurück und haben den Schul-Verleider. Die Schule sollte nun abklären, was genau der Auslöser war.

Aus welchen anderen Gründen randalieren Teenager?

Es gehört zur Entwicklung eines Jugendlichen, Dinge

kaputt zu machen. In vielen Fällen sind sie sich der Folgen gar nicht bewusst.

Die Schule hat die beiden

Randalierer für drei Wochen suspendiert. War das richtig?

Nein. Ich bin gegen Schulverweise. Sie sind pädagogisch nicht sinnvoll. Vor allem, wenn Mobbing der wirkliche Grund für die Tat sein sollte. Nach den drei Wochen ist es für die Schüler noch schwieriger, sich zu integrieren. Zudem werden die Täter in ihrem Handeln bestärkt. Denn sie waren erfolgreich und die zwei Opfer sind nun weg.

Wie müssten sich die Schule und die Eltern in solch einer Situation verhalten?

Die Jugendlichen auf jeden Fall an der Schule lassen. Die Schüler müssen mit ihrer Tat konfrontiert werden. Man muss mit ihnen darüber sprechen und gemeinsam Strafen aushandeln.

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