05.04.2020 08:45

Fehlendes Material für Pfleger

«Verwenden Abfallsäcke als Schutzanzüge»

In Schweizer Altersheimen ist die Lage prekär. Die Zahl der Infizierten und Toten steigt rasant. Zudem fehlt es an Schutzmaterial. Angestellte packen aus.

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mig
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In den Schweizer Altersheimen ist die Lage vielerorts prekär.

In den Schweizer Altersheimen ist die Lage vielerorts prekär.

Keystone/Christian Beutler
Es fehlt an Schutzmaterial für das Personal.

Es fehlt an Schutzmaterial für das Personal.

AP/Santi Palacios
Alleine im Kanton Waadt gab es bis Freitag 48 Todesopfer in Seniorenheimen wegen des Coronavirus.

Alleine im Kanton Waadt gab es bis Freitag 48 Todesopfer in Seniorenheimen wegen des Coronavirus.

Keystone/Christian Beutler

Im Altersheim Oasis in Moudon VD gab es bisher sechs Todesfälle wegen des Coronavirus. Das Virus sei da, möglicherweise überall, sagt Direktor Hervé Billaud zur «SonntagsZeitung». Auch das Pflegepersonal spürt das. Neun Mitarbeiter hätten sich bereits infiziert, so Billaud. Auch in anderen Altersheimen gibt es viele Infizierte und Todesopfer, wie Recherchen der Zeitung zeigen. Alleine im Kanton Waadt gab es bis Freitag 48 Opfer in Seniorenheimen.

Ein Grund für die hohen Zahlen ist die schlechte Versorgung mit Schutzmaterial. Gemäss dem Pandemieplan des Bundes hätten Heime zwar Hygienemasken für drei Monate plus einen Notvorrat lagern sollen, dies sei aber nicht passiert. Simone Bertogg, Präsidentin des Pflegeverbands Langzeit Schweiz: «Viele haben das Thema in der Vergangenheit nicht ernst genommen und darum jetzt zu wenig Masken und Schutzkleidung auf Lager.»

Pflegeheime müssen improvisieren

Bis das Schutzmaterial bei den Altersheimen eintrifft, müssen andere Lösungen her. Im Kanton Freiburg würde das Personal teilweise auf Skibrillen zurückgreifen, weil es zu wenig Schutzbrillen gebe. Auch Schutzanzüge sind laut der Zeitung besonders in der Romandie knapp. Ein Pfleger aus dem Kanton Waadt sagt: «Wir verwenden deshalb Abfallsäcke oder Nachthemden, die eigentlich für die Bewohner gedacht sind.»

Auch bei der Gewerkschaft Unia sei die grosse Verunsicherung der Heim-Angestellten spürbar, so Samuel Burri von Unia. Die Gewerkschaft will noch am Sonntag eine Stellungnahme veröffentlichen, in der sie Bund und Kantone auffordert, Altersheime bei der Versorgung mit Schutzmaterial Priorität einzuräumen.

Nicht alle Altersheime leiden gleich stark. Es gibt Heime, die bei den ersten Coronafällen rigorose Massnahmen beschlossen haben. In einer Einrichtung im Kanton Luzern wurden etwa alle Bewohner einer betroffenen Abteilung in ihren Zimmern isoliert. Das habe sich ausgezahlt, so die Heimleitern. Den letzten positiven Test hätten sie vor einer Woche erhalten.

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