In Haft oder nicht?: Verwirrspiel um verhafteten Gaddafi-Sohn

Aktualisiert

In Haft oder nicht?Verwirrspiel um verhafteten Gaddafi-Sohn

Erneut sorgt ein Gaddafi-Sohn für Konfusion: Erst hiess es aus den Reihen des libyschen Übergangsrates, man habe Mutassim Billah festgenommen, nun wird die Verhaftung dementiert.

von
mlu
Mutassim Billah 2005 während des Filmfestivals von Venedig

Mutassim Billah 2005 während des Filmfestivals von Venedig

Mehrere Vertreter des Nationalen Übergangsrats berichteten am Mittwoch, Mutassim Billah sei in der umkämpften Stadt Sirte verhaftet worden. Der Gaddafi-Sohn habe versucht, mit seiner Familie in einem Geländeauto aus der Stadt zu fliehen. Er soll zuvor den Widerstand der Gaddafi- Anhänger in Sirte befehligt haben. Die Festnahme sei bereits am Dienstag erfolgt. Am Mittwochmorgen sei Mutassim dann zum Verhör nach Benghasi gebracht worden, sagte ein ranghoher Vertreter des Nationalen Übergangsrates, Abdelkarim Bisama. Die Festnahme sei nicht früher bekanntgegeben worden, um mögliche Befreiungsversuche durch Anhänger seines Vater zu verhindern.

Oder ist das alles gar nicht wahr? Nur wenige Stunden später tritt ein weiterer Sprecher des Übergangsrats vor die Medien – und sagt, die Berichte über eine Verhaftung Mutassims seien falsch. Bei Gefechten in Sirte seien zwar enge Vertraute des Sohns des ehemaligen Machthabers Muammar al Gaddafi gefangen genommen worden, nicht jedoch Mutassim selbst, sagte Dschalal el Gallal in Bengasi.

«Keine Bestätigung» der Verhaftung

Er habe mit Kommandeuren in Sirte gesprochen und es gebe «keine Bestätigung, dass Mutassim Gaddafi gefangenen genommen wurde». Nach Berichten über die Festnahme des Gaddafi-Sohns hatten Kämpfer der Übergangsregierung in Tripolis und Bengasi zuvor Freudenschüsse in die Luft abgefeuert.

Mutassim Billah war 2007 zum Chef des nationalen Sicherheitsrates berufen worden. Nach dem Vorwurf eines Putschversuchs ging er ins Exil nach Ägypten, doch sein Vater verzieh ihm und liess ihn zurückkehren. Der Karrieresoldat und Arzt galt vor dem Beginn des Aufstandes in Libyen als der stärkste Konkurrent seines Bruders Saif al Islam um die Nachfolge an der Staatsspitze.

Just dieser Saif al Islam wurde Mitte August auch schon als festgenommen gemeldet. Die Verhaftung wurde gar vom Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, bestätigt. Nur einen Tag später stellte sich Saif in Tripolis als offensichtlich freier Mann den Medien und verkündete: «Wir haben den Rebellen das Rückgrat gebrochen.» Danach rauschte er in einem weissen, gepanzerten Wagen in die Nacht hinein.

Mehrere Mitglieder des Gaddafi- Clans haben sich in den letzten Monaten ins Ausland abgesetzt, andere sind im Land untergetaucht. Wo sich der Ex-Diktator selbst aufhält, ist nicht bekannt.

Sieg innerhalb einer Woche

Die Revolutionsstreitkräfte haben die verbliebenen Gaddafi-Anhänger in Sirte nach eigenen Angaben eingekesselt. Der Übergangsrat geht davon aus, dass sich Mutassim Gaddafi und weitere ranghohe Vertreter des alten Regimes noch immer in der Hafenstadt aufhalten. Das sei offenbar der Grund für den erbitterten Widerstand der Gaddafi-treuen Kämpfer, hiess es aus Kreisen der neuen Regierung.

Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Dschalil, sagte am Mittwoch, er hoffe in weniger als einer Woche den Sieg über die letzten Anhänger Gaddafis erklären zu können. Neben Teilen von Sirte halten die Kämpfer des früheren Machthabers noch den Wüstenort Bani Walid. Mit der vollständigen Einnahme von Sirte hätten die Revolutionsstreitkräfte aber alle Häfen des Landes unter ihrer Kontrolle. (mlu/sda/dapd)

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