Wutrede von Putin - «Verzweifelte Rede eines Diktators, der mit dem Rücken zur Wand steht»

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Wutrede von Putin«Verzweifelte Rede eines Diktators, der mit dem Rücken zur Wand steht»

Wladimir Putin verteufelte bei einem TV-Auftritt den Westen und unterschied zwischen «wahren Patrioten» und «Abschaum». Ein Experte sieht dies als Ausdruck bröckelnder Unterstützung. 

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • «Jedes Volk, und erst recht das russische Volk, wird immer in der Lage sein, wahre Patrioten von Abschaum und Verrätern zu unterscheiden», sagte der russische Präsident in einer Rede. 

  • Viele Menschen reagieren fassungslos auf den Auftritt und bezeichnen Putin als geisteskrank.

  • Peter Regli, ehemaliger Chef des Schweizer Nachrichtendiensts, vergleicht Putin mit einem verletzten Löwen in der Ecke. 

Die derben Worte in Wladimir Putins jüngster Rede gehen um die Welt. «Beim Versuch, Russland auszulöschen, liess der Westen seine Maske der Höflichkeit fallen und begann, sich kriegerisch zu verhalten, was sein wahres Wesen zeigte», sagte er in einer Videokonferenz vor den Ministern in Moskau, die am Mittwoch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Es dränge sich ein Vergleich mit den antisemitischen Pogromen der Nazis in Deutschland in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf.

Putin bezeichnete die Zerstörung als Ziel des Westens. «Aber jedes Volk, und erst recht das russische Volk, wird immer in der Lage sein, wahre Patrioten von Abschaum und Verrätern zu unterscheiden.» Das russische Volk werde diese «einfach ausspucken, wie eine Fliege, die ihm versehentlich in den Mund geflogen» sei – «einfach auf den Bürgersteig spucken». Er sei überzeugt, dass eine «solche natürliche und notwendige Selbstreinigung der Gesellschaft» Russland nur stärken werde.

Viele Menschen reagieren fassungslos auf den Auftritt. Einige bezeichnen seine Worte als verstörend. «Diese Rede ist der Beweis der Existenz eines kranken Geistes, der jeden Freiheitsgedanken der kranken nationalsozialistischen Ausrichtung Russlands opfert», schreibt ein Twitter-User. Ein weiterer vermutet: «Ich glaube, Putin hat langsam das unterste Level menschlichen Abschaums erreicht.»

Putin richte sich an hohe Beamte und Oligarchen

Als geisteskrank schätzt Peter Regli, ehemaliger Chef des Schweizer Nachrichtendiensts, Putin nicht ein. «Es ist die verzweifelte Rede eines Diktators, der mit dem Rücken zur Wand steht.» Dabei richte er sich vor allem an hohe Beamte und Oligarchen, die ihn bis jetzt voll unterstützt hätten. «Doch jetzt merkt er, dass es ihnen schlecht geht, weil sie die Sanktionen des Westens langsam schmerzen.»

Die Unterstützung seiner Entourage beginne zu bröckeln, sagt Regli. «Darum ist er sehr besorgt und braucht ein Vokabular, das sich für einen Präsidenten nicht geziemt.» Zudem habe ihn US-Präsident Joe Biden in seiner russischen Ehre speziell getroffen, da er ihn kürzlich als Kriegsverbrecher bezeichnet habe.

Die Zeit laufe gegen Putin

Regli vergleicht Putin mit einem verletzten Löwen in der Ecke. Der Kreml-Chef habe damit gerechnet, die Invasion nach drei Tagen zu beenden, jetzt dauere die Invasion jedoch schon 21 Tage. Die Zeit laufe gegen Putin. Gleichzeitig werde sein Scheitern immer offensichtlicher, indem russische Mütter und Gattinnen den Tod von russischen Soldaten beklagten. «Aufgrund von Panik und Misserfolg greift er vermehrt die ukrainische Zivilbevölkerung an und hofft, alle in die Knie zu zwingen und diesen Krieg zu unterstützen.» 

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