Aktualisiert 02.10.2015 11:32

Mit Benzin übergossenVerzweifelter Syrer wollte die Schweiz verlassen

Ein Mann sass am Donnerstag stundenlang auf der Terrasse beim Bundeshaus und drohte, sich anzuzünden. Der Syrer wollte nach Deutschland oder England ausreisen.

von
smü/hal/aha
1 / 11
Stundenlang hielt ein Mann am 1, Oktober 2015 in Bern die Einsatzkräfte in Atem. Hier versucht eine Polizistin, ihn zum Aufgeben zu bewegen.

Stundenlang hielt ein Mann am 1, Oktober 2015 in Bern die Einsatzkräfte in Atem. Hier versucht eine Polizistin, ihn zum Aufgeben zu bewegen.

EQ-Images
Den Inhalt des Kanisters goss er immer wieder über seinen Körper.

Den Inhalt des Kanisters goss er immer wieder über seinen Körper.

EQ-Images
Er diskutierte laut mit den Polizisten.

Er diskutierte laut mit den Polizisten.

Keystone/Lukas Lehmann

Bewaffnete Polizisten rennen am Donnerstag gegen 13:30 Uhr zum Besuchereingang des Bundeshauses. Zivilpolizisten fahren mit ihrem Auto fast einen Fussgänger an, weil sie so schnell vor Ort sein wollen. Rund zehn Fahrzeuge von Feuerwehr und Ambulanz fahren auf und dutzende Polizisten sperren die Bundesterrasse.

Grund: Auf dem Geländer sass ein Mann und drohte, sich zu verletzen. Neben dem Mann stand ein grüner Kanister, in dem sich offenbar Benzin befand. Er übergoss sich damit und drohte, sich anzuzünden oder runterzuspringen. Feuerwehrleute hatten einen Schlauch Richtung Bundesterrasse ausgerollt.

Kurz vor 21 Uhr dann die Erleichterung: Der Mann hat sich der Polizei freiwillig ergeben. Er übergab seine Lederjacke den Beamten, kletterte vom Geländer hinunter und wurde von den heraneilenden Polizisten überwältigt. Danach wurde er von Rettungskräften in eine weisse Decke gewickelt und mit der Ambulanz wegtransportiert.

Laut einer Reporterin von 20 Minuten vor Ort sprach der Mann zuvor in einer ausländischen Sprache und gestikulieret wild. Unter anderem rief er mehrfach «Kurdistan».

Im Grossformat auf dem Videoportal

Syrer hat in Lausanne Asyl beantragt

Eine Polizistin sprach immer wieder mit ihm. Offenbar wurde eine Dolmetscherin aufgeboten. Auch SP-Ständeratspräsident Claude Hêche war beim Bundeshaus.

Ein Journalist, der der kurdischen Sprache mächtig ist, konnte einige Aussagen des Mannes übersetzen. So soll er gesagt haben, dass man als Kurde aufgrund des Krieges gezwungen werde, das Land zu verlassen und dass es keine Möglichkeit gebe, als Kurde in Syrien zu leben. «Ich bleibe hier hocken und zwar die ganze Nacht», sagte der Mann auf Kurdisch.

Er soll zudem gefordert haben, dass er vor den Medien eine Erklärung abgeben kann. Ein Reporter der Zeitung «Le Temps» durfte darauf kurz zu ihm. Der Mann habe sich als syrischstämmiger Kurde bezeichnet , der in Lausanne Asyl beantragt hatte. Er stellte die Forderung, nach Deutschland oder England ausreisen zu können. Er scheint Probleme mit Beamten des Staatssekretariats für Migration gehabt zu haben und forderte, dass er mit einem Verantwortlichen über ein erleichtertes Verfahren verhandeln kann.

Das Bundeshaus wurde nicht evakuiert. Gemäss einem Polizeisprecher bestand keine Gefahr für das Personal oder die Bevölkerung. Auch beim Marzili-Bähnli hatten sich vorsorglich Rettungskräfte positioniert. (smü/hal/aha/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.