VfB-Stürmer Silas Wamangituka spielte bislang unter falschem Namen
Aktualisiert

Falsche Identität in der BundesligaVfB-Sportdirektor sieht Wamangituka als Opfer von «Menschenhandel»

Nach zwei Jahren kam es ans Licht. Silas Wamangituka hat eine andere Identität. Sein Name als auch sein Alter entsprechen nicht dem, wovon der Bundesligist VfB-Stuttgart bislang ausging.

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Seit zwei Jahren stand er mit falscher Identität mit seinem Teamkollegen für den VfB Stuttgart auf dem Platz: Silas Katompa Mvumpa.

Seit zwei Jahren stand er mit falscher Identität mit seinem Teamkollegen für den VfB Stuttgart auf dem Platz: Silas Katompa Mvumpa.

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Er war zuvor vom Pariser FC nach Stuttgart gewechselt. 

Er war zuvor vom Pariser FC nach Stuttgart gewechselt.

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Der Stürmer gibt im Spiel für seinen Club alles.

Der Stürmer gibt im Spiel für seinen Club alles.

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Darum gehts

  • VfB-Stürmer Silas Wamangituka spielte jahrelang unter falscher Identität.

  • Der Kongolese hatte «Angst» darüber zu sprechen.

  • Korrekt heisst er: Silas Katompa Mvumpa.

  • Sein richtiges Alter ist 22 Jahre.

  • Harte Konsequenzen seien nicht zu befürchten.

Seit zwei Jahren spielt Fussballprofi Silas Wamangituka für den VfB Stuttgart. Nun gab der Kongolese an, bislang unter falscher Identität für den Verein auf dem Platz gestanden zu haben. Für den 22-Jährigen war es ein grosser Schritt, mit der Wahrheit an den Verein zu gelangen. Er wollte nicht länger mit der Wahrheit zurückhalten und habe sich nun seinem Club, dem VfB, kürzlich offenbart. Er gab an, dass er «Opfer von Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers» geworden und Wamangituka nicht sein richtiger Name sei. Sein korrekter Name ist demnach Silas Katompa Mvumpa. Doch damit nicht genug. Auch das Geburtsdatum des Flügelstürmers war wohl falsch. Laut VfB-Angaben wurde Silas am 6. Oktober 1998 in Kinshasa geboren und ist somit heute 22 und damit genau ein Jahr älter als ursprünglich angenommen.


DFL und DFB sind bereits informiert

Der VfB steht diesbezüglich mit der Deutschen Fussball Liga (DFL) und dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) bereits in Kontakt. Konsequenzen für den Profi fürchten die Schwaben nicht. Nach juristischer Bewertung des Sachverhalts gehe man davon aus, «dass Silas im Besitz einer gültigen Spielberechtigung war und weiter ist». Ausserdem rechnet der VfB damit, dass Silas zu gegebener Zeit eine neue, auf seinen richtigen Namen lautende Spielberechtigung bekommen werde.

«Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo grosse Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren», sagte Silas.

Spielervermittler im Fokus

Die Geschichte um Silas beginnt laut VfB im Jahr 2017, als der damals 18-Jährige vom belgischen Topclub RSC Anderlecht zu einem Probetraining eingeladen wird. Um von der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien reisen zu können, erhält er ein zeitlich befristetes Visum. Nach einigen Trainingseinheiten will der RSC ihn wohl verpflichten, da sein Visum jedoch vor dem Ablauf steht, muss Silas zunächst zurück in die Demokratische Republik Kongo, um ein neues zu bekommen. Hier schaltet sich der ehemalige Spielervermittler ein. Unter massivem Druck solle dieser Silas davon überzeugt haben, dass er nicht mehr nach Europa zurückkehren dürfe, wenn er Belgien einmal verlasse und in die Demokratische Republik Kongo reise.

«In Bezug auf die Namensänderung ist er vor allem Opfer. Entsprechend werden wir ihn auch schützen», sagt Sportdirektor Sven Mislintat . Silas soll Vertrauen zum Vermittler gefasst und in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten sein. Er habe in dieser Zeit «augenscheinlich» weder auf sein Konto noch auf seine Papiere Zugriff gehabt. Schliesslich habe der Vermittler auch seine Identität geändert und neue Papiere verschafft. Der VfB vermutet, dass dies zum einen passierte, um die Verbindung des Stürmers zu seinem Ausbildungsverein im Kongo zu unterbrechen, zum anderen habe sich dadurch Silas Abhängigkeit vom Vermittler erhöht – da er von nun an erpressbar gewesen sei.

«Kein Einzelfall in Europa»

«Wenn man es mit der Überschrift Menschenhandel beschreibt, dann kommen wir dem Thema schon sehr nah», sagte Mislintat. «Wenn er nichts gesagt hätte, hätte er seine Karriere, ohne dass irgendetwas passiert wäre, sehr einfach fortsetzen können, völlig problemlos.» Trotzdem habe Silas sich dazu entschlossen, «die Wahrheit zu erzählen».

«Wir glauben, dass Silas kein Einzelfall ist in Europa. Er übernimmt damit auch gewissermassen ein Stück Verantwortung für das, was im weltweiten Fussball so stattfindet», sagte Mislintat. Der 48-Jährige sprach von «erschreckenden Dimensionen». Ob Silas nun eine Sperre durch den Deutschen Fussball-Bund (DFB) droht, weiss der VfB nicht. «Ich kann nicht sagen, ob es eine Strafe geben wird», sagte VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger.

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(dpa/skl)

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