Aktualisiert 22.05.2020 13:46

Corona-Krise

Victoria’s Secret macht Hunderte Läden dicht

Die kriselnde Dessous-Marke Victoria’s Secret will in den nächsten Monaten Hunderte Shops schliessen. In den nächsten Jahren könnten weitere Schliessungen folgen. Der Mutterkonzern glaubt nicht, dass sich die Besucherfrequenz nach der Corona-Krise normalisiert.

von
Fabian Pöschl
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Die Mutterfirma von Victoria’s Secret will wegen der Corona-Krise ein Viertel der Dessous-Läden in den USA und Kanada schliessen.

Die Mutterfirma von Victoria’s Secret will wegen der Corona-Krise ein Viertel der Dessous-Läden in den USA und Kanada schliessen.

Foto: Keystone
Auch bei der US-Kette Bath & Body Work plant der Mutterkonzern Ladenschliessungen.

Auch bei der US-Kette Bath & Body Work plant der Mutterkonzern Ladenschliessungen.

Foto: Keystone
Wegen der Corona-Krise scheiterte schon die geplante Mehrheitsübernahme von Victoria’s Secret wenige Wochen zuvor.

Wegen der Corona-Krise scheiterte schon die geplante Mehrheitsübernahme von Victoria’s Secret wenige Wochen zuvor.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Die kriselnde Unterwäschemarke Victoria’s Secret will wegen der Corona-Krise ein Viertel der Dessous-Shops in den USA und Kanada schliessen.
  • In den nächsten Jahren könnten weitere Stores schliessen.
  • Schon der geplante Verkauf von Victoria’s Secret platzte wegen der Pandemie.

Die kriselnde Unterwäschemarke Victoria’s Secret setzt wegen der Corona-Krise den Rotstift an. Der US-Mutterkonzern L Brands will in den nächsten Monaten ein Viertel der Dessous-Shops in den USA und Kanada schliessen. Pläne zu anderen Ländern gab das Unternehmen nicht bekannt, doch die Schliessungen könnten erst der Anfang sein. L Brands warnte vor weiteren Schliessungen in den nächsten Jahren, wie CNN berichtet. In Nordamerika gibt es etwa 1100 Shops von Victoria’s Secret und weltweit rund 500 weitere.

Gleichzeitig gab L Brands am Donnerstag auch bekannt, dass es 50 von rund 1700 Läden der US-Kette Bath & Body Works schliessen wolle. Das Unternehmen rechne nicht damit, dass die Besucherfrequenz nach der Krise wieder zur Normalität zurückkehren werde. Der Umsatz von L Brands ging im ersten Quartal um 37 Prozent zurück, weil die meisten Ladengeschäfte während der Pandemie geschlossen blieben. Nach Bekanntgabe der Schliessungspläne nahmen die Aktien von L Brands am Donnerstag um 18 Prozent zu.

Victoria’s Secret kämpft mit Imageproblemen

Wegen der Corona-Krise scheiterte schon die geplante Mehrheitsübernahme von Victoria’s Secret wenige Wochen zuvor. Die Vereinbarung sah vor, dass der Finanzinvestor Sycamore Partners 55 Prozent der Firma für eine halbe Milliarde US-Dollar übernimmt. Doch der Käufer beanstandete, dass L Brands gegen Übernahmebedingungen verstossen habe, indem es etwa im Zuge der Corona-Pandemie zahlreiche Filialen geschlossen und Mitarbeiter beurlaubt habe.

Victoria’s Secret hat sich bei L Brands vom Aushängeschild zum Sanierungsfall entwickelt. Das Reizwäsche-Label, das bei seinen Modenschauen jahrelang die Elite der Topmodels über den Laufsteg schickte, kämpft mit Imageproblemen und sinkenden Verkäufen. Die auf makellose, leicht bekleidete Frauenkörper setzende «Sex Sells»-Vermarktung wurde in Zeiten von «Body Shaming»-Debatten und der #MeToo-Bewegung zum Stein des Anstosses. Zudem brachten Berichte über Belästigungsvorwürfe gegen Manager die Marke unter Druck.

Kunden anlocken

Grosse Rabattschlacht

Seitdem die Läden wieder geöffnet haben, wollen sie die Nachfrage der Konsumenten wieder ankurbeln. Für Experten ist klar: Das dürfte mit einer Rabattschlacht geschehen, zumal die Lager übervoll sind.

«Kleider dürften günstiger werden, vor allem bei Fast-Fashion-Anbietern – sie sind auf einen hohen Warendurchsatz angewiesen und wechseln die Kollektion teils alle paar Wochen», sagt Ökonom Tilman Slembeck von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu 20 Minuten.

Dass Konsumenten während der Krise mehr online eingekauft haben, ist ein weiterer Grund für die stationären Geschäfte, jetzt Rabatte zu gewähren, sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee: «Es geht nicht nur darum, die Lager zu leeren, sondern auch darum, die Leute vom Computer wieder in die Läden zu locken.»

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32 Kommentare

Grundlos

22.05.2020, 18:44

Ein weiterer Konzern, der bereits vor Corona Schwierigkeiten hatte, weil die Kunden immer weniger in Läden einkaufen. Normalerweise gäbe es einen Aufschrei, aber jetzt mit Corona haben alle einen guten Grund.

Herr Bräutigam

22.05.2020, 18:37

wo kann meine Frau nun Posten!?

Hefi

22.05.2020, 18:48

Verstehe ich das richtig; einem Hersteller von Dessous wird „Sex-Sells“ vorgeworfen? Halleluja