Müllheim TG: Video zeigt Zustände im Tiermessie-Haus
Aktualisiert

Müllheim TGVideo zeigt Zustände im Tiermessie-Haus

21 tote Katzen fanden die Behörden im Gefrierschrank einer Tierhalterin in Müllheim TG. Zudem verwahrloste Tiere. Ein Video von 2009 zeigt, dass früher schon prekäre Verhältnisse geherrscht hatten.

von
jeb

Video: Yvonne Escher

Katzen mit Augen voller Eiter, verschimmelte Näpfe, Katzenklos mit mehr Kotkegeln als Spreu drin. Im Video, aufgenommen 2009 von Tierschützerin Yvonne Escher für eine TV-Sendung im Lokalfernsehen, ist ein verwahrloster Zustand rund um das Haus und die Tiere von J. L.* in Müllheim zu sehen. Das war vor zehn Jahren.

Als Escher am Donnerstag erfuhr, dass bei der Halterin L. 18 Katzen, zwei Hunde, vier Kaninchen, sieben Hühner und vier Wüstenrennmäuse vorsorglich beschlagnahmt sowie 21 tote Katzen in einem Gefrierschrank gefunden worden waren, war sie perplex. «Ich bin schockiert, dass die Halterin nach dem auferlegten Teilhalteverbot anscheinend einfach weitergemacht hat wie zuvor.» Da habe wohl kein Lernprozess stattgefunden.

Hefenhofen der Katzen

Schlimm sei auch, dass L. kein Riegel geschoben worden sei. «Ich kann nicht verstehen, dass das Veterinäramt offenbar nicht regelmässig Kontrollen durchführte», so die Renterin. Für die Tierschützerin ist klar: «Das ist das Hefenhofen der Katzen», angelehnt an den Fall eines Pferdezüchters in Hefenhofen TG, der wegen Tierquälerei verurteilt wurde und bei dem Tierhalteverbote nicht durchgesetzt worden waren.

Gegen die Halterin in Müllheim bestand ein Teiltierhalteverbot. Nach der Beschlagnahmung vom Donnerstag wurde ein Verfahren wegen Verstoss gegen die Tierschutzgesetzgebung eröffnet. Ihr droht nun ein Totaltierhalteverbot.

«Der Gesundheitszustand der beschlagnahmten Tiere wird derzeit überprüft», sagt Kantonsveterinär Paul Witzig. Im Anschluss könne bei gesunden Tieren eine Vermittlung an einen anderen Tierhalter abgeklärt werden. Zum Zustand der Tiere kann Witzig wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben. Aus demselben Grund kann er nicht im Detail zum Vorwurf Stellung nehmen, das Amt habe zu wenig Kontrollen bei der betroffenen Tierhalterin gemacht.

Umfangreiche Aufgaben

Nur so viel: «Grundsätzlich kann man sagen, dass wir nicht die Kapazitäten haben, um ausgesprochene Auflagen permanent zu überprüfen.» Dem Veterinäramt Thurgau stehen personell rund tausend Stellenprozente zur Verfügung, um umfangreiche Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören nicht nur Tierschutzaufgaben, sondern auch Fleischkontrollen, Bekämpfung von Tierseuchen oder die Entsorgung von tierischen Abfällen.

«Je nach Problemstellung müssen wir die Prioritäten setzen», sagt Witzig. Die knappen personellen Mittel müssten zielgerichtet eingesetzt werden. Wenn jemand vom Amt Auflagen erhalten habe, gehe man grundsätzlich davon aus, dass sich die Leute daran hielten. So wie die Polizei davon ausgehe, dass sich Autolenker an einen Fahrausweisentzug halten. Ab und zu kontrolliere man, aber man könne sicher nicht zahlreiche Kleintierhalter regelmässig bemuttern.

* Name der Redaktion bekannt

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