08.09.2015 03:51

Luzern

Videoüberwachtes WC erstaunt Passanten

Auf vier Bildschirmen flimmern Bilder aus dem Innern der gut frequentierten öffentlichen Toilette beim Mühlenplatz: Das sorgt für Aufsehen und Verunsicherung.

von
mme
Riccarda Naef vor ihrer Installation am Mühlenplatz in Luzern.

Riccarda Naef vor ihrer Installation am Mühlenplatz in Luzern.

Videoüberwachung im öffentlichen Raum und öffentliche Toiletten in der Stadt: Dies sind zwei Themen, die in der jüngsten Vergangenheit in Luzern polarisierten. Kameras wurden installiert, Toiletten wegrationalisiert.

Jetzt geben in Luzern öffentliche Kameras und Toiletten wieder zu reden. Denn in der nicht mehr gebrauchten Telefonkabine neben dem WC am Mühlenplatz in Luzern hängen vier Bildschirme, die das Innere der Kabinen zeigen. Zudem erzeugen ein Telefon samt Kopfhörer, eine Tasse Kaffee und ein Notizblock den Eindruck, das WC werde permanent videoüberwacht und die Bilder in Echtzeit öffentlich übertragen.

Touristen sind irritiert

Eine Gruppe Touristen bleibt vor diesem Anblick zunächst erstaunt stehen, dann bricht Gelächter aus. Zwei andere Touristen fragen sich ungläubig, «ob das in der Schweiz wirklich so ist». Eine jüngere Frau sagt zur Installation: «Das ist wirklich eine gute Idee, so können die Leute ihr Sicherheitsgefühl hinterfragen.»

Nicht alle finden die Installation indes gut: «Es ist schon bedenklich, was man heutzutage alles aufstellen darf. Dann meinen die Touristen wohl, sie werden auf dem WC überwacht.» Andere Passanten suchten gar mit einer Polizeipatrouille vor dem WC das Gespräch.

Genau auf solche Reaktionen hat es Künstlerin Riccarda Naef (25) abgesehen, die die Installation veranlasste. «Die Überwachung hat sich schon so stark ins tägliche Leben integriert, dass sie oft nicht mehr bewusst als solche wahrgenommen wird», schreibt die Studentin der Hochschule Luzern Design & Kunst auf einem Aushang neben der Installation.

Mit ihrer Überhöhung einer Videoüberwachung im öffentlichen Raum zwingt sie die Betrachter geradezu, sich Gedanken darüber zu machen. Rhetorisch ihre Frage: «Was wäre zum Beispiel, wenn uns das letzte bisschen Privatsphäre genommen wird?» Eben zum Beispiel auch noch beim Toilettengang von Kameras erfasst zu werden.

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