Videoüberwachung der Briten ist ein «Fiasko»
Aktualisiert

Videoüberwachung der Briten ist ein «Fiasko»

Ein ranghoher Vertreter der britischen Polizei hat das umfangreiche System der Videoüberwachung in seinem Land als «Fiasko» bezeichnet.

Weder die Prävention, noch die Aufklärung von Verbrechen habe sich durch die Überwachungskameras verbessert.

«Milliarden Pfund wurden in die Technik investiert, aber niemand hat darüber nachgedacht, wie die Polizei die Bilder verwerten soll und wie die Bilder vor Gericht präsentiert werden sollen», sagte der Leiter des Bereichs Videoüberwachung bei Scotland Yard, Mike Neville, am Dienstag an einer Sicherheitskonferenz in London.

«Das ist ein wahres Fiasko». Nur drei Prozent der Diebstähle auf offener Strasse in London seien dank der zahlreichen in der Hauptstadt installierten Überwachungskameras aufgeklärt worden, sagte Neville.

Viele Polizisten schreckten vor der Sichtung der Bilder aus Überwachungskameras zurück, «denn es ist viel Arbeit», erläuterte der Beamte. Auch zur Abschreckung taugten die Kameras nicht, denn viele Kriminelle gingen von vornherein davon aus, dass die Geräte nicht funktionierten.

Nach den aus dem Jahr 2003 stammenden, jüngsten zur Verfügung stehenden Zahlen gibt es 4,2 Millionen Überwachungskameras in Grossbritannien - das entspricht etwa einer Kamera für 14 Einwohner. Jeder Einwohner wird durchschnittlich 300 Mal am Tag aufgenommen.

Das Videoüberwachungssystem CCTV (closed-circuit television) hatte in Grossbritannien Anfang der 90er Jahre einen ersten Boom. Die Kameras sollten vor allem für Sicherheit in Einkaufszentren sorgen. Später machte die Labour-Regierung die Überwachungskameras zu einem wichtigen Instrument der Kriminalitätsprävention.

(sda)

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