Aktualisiert 01.03.2020 11:48

Apothekerverband

«Viel Desinfektionsmittel führt zu Handekzemen»

Der Präsident des Zürcher Apothekerverbands erklärt, was er von Hamsterkäufen hält und wie es um die Engpässe bei Desinfektionsmittel steht.

von
wed

Herr Schmid, haben Sie in Ihrer Apotheke noch Desinfektionsmittel?

Die Fertigprodukte sind ausverkauft und auch die Ausgangssubstanzen wie Alkohol oder Glycerin sind knapp oder komplett ausgeschossen.

Wie lange wird dieser Zustand andauern?

Bei den Fertigprodukten wird es wohl länger gehen, bis Nachschub kommt. Bei den Ausgangssubstanzen gehe ich aber von einer kurzen Frist aus. Wir werden in den nächsten Tagen wieder mit der Eigenproduktion beginnen können.

Brauchen wir überhaupt so viel Desinfektionsmittel zu Hause?

Nein. Eigentlich brauchen nur Personen, die unterwegs sind und keinen Zugang zu Wasser und Seife haben, ein Desinfektionsmittel. Und wenn man sich unterwegs nicht ins Gesicht fasst, bräuchte es dies nicht mal für unterwegs. Bei übermässigem Gebrauch von Desinfektionsmitteln bekommt man sowieso nur Handekzeme, weil es die Haut austrocknet.

Erleben Sie in Ihrer Apotheke auch Hamsterkäufe?

Alle Apotheken waren oder sind davon betroffen. Ich sage allen Kunden, dass das nichts bringt. Wir können diese Herausforderung nicht individuell meistern, sondern nur zusammen als Gesellschaft. Es bringt daher den einzelnen Personen nichts, zu hamstern, wenn andere sich dadurch nicht schützen können.

Haben Sie mehr Kunden aufgrund der Virussituation?

Definitiv. Die Apotheken im Kanton Zürich beraten und informieren aktuell täglich zwischen 40'000 und 50'000 Kunden zu Coronavirus-Fragen und Unsicherheiten. Es ist sehr gut, wenn Kunden vorbeikommen, um zu fragen. Wir sind dafür ausgebildet und sehr kompetent aufgestellt.

*Lorenz Schmid ist Präsident des Kantonalen Apothekerverbands Zürich und Inhaber der Toppharm Apotheke Paradeplatz.

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