Managerlöhne: Viel Lohn fördert Kurzschlüsse
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ManagerlöhneViel Lohn fördert Kurzschlüsse

Die Chefs der 20 führenden börsenkotierten Schweizer Firmen sind 2007 im Schnitt mit 9,4 Millionen Franken entschädigt worden. Wer exorbitant viel verdient, trägt nicht immer zu nachhaltigen Geschäftserfolgen bei - die Finanzkrise zeigts deutlich.

Die eingesetzten Anreizsysteme können laut einer PricewaterhouseCoopers-Studie eher risikoreiches kurzfristiges Verhalten fördern als nachhaltigen Geschäftserfolg sicherstellen.

Die durchschnittliche Entschädigung der Konzernchefs (CEO) der im Swiss Market Index (SMI) aufgeführten Unternehmen lag bei 9,4 Millionen Franken, wie die am Dienstag veröffentlichte Auswertung der Geschäftsberichte durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt. Dabei waren die Unterschiede zwischen dem höchsten und dem tiefsten Einkommen hoch. Das Spitzeneinkommen eines Geschäftsleitungsmitglieds lag letztes Jahr bei 22,2 Millionen Franken und ist damit im Vorjahresvergleich um 17 Prozent zurückgegangen. Die tiefste Vergütung stieg dagegen um 14 Prozent auf 1,7 Millionen Franken. Der Mittelwert (Median) erhöhte sich um 39 Prozent auf 7,9 Millionen Franken.

Das Gehalt eines CEO setzte sich im Durchschnitt zu 21 Prozent aus einem Fixlohn, zu weiteren 21 Prozent aus einem Bonus in Form einer Barvergütung, zu 52 Prozent aus langfristigen, meist aktienbasierten Elementen und zu sechs Prozent auf anderen Vergütungskomponenten zusammen. Im Gegensatz dazu erhielten nicht exekutive Verwaltungsratspräsidenten rund 80 Prozent ihrer Entlöhnung in Form eines fixen Honorars. Die Spanne der Honorare für nicht exekutive Verwaltungsratspräsidenten von SMI-Unternehmen reichte 2007 von 162 000 Franken bis 14,6 Millionen Franken. Der Mittelwert lag bei 1,4 Millionen Franken. Die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats verdienten im Mittel 295 000 Franken.

Für Geschäftsleitungsmitglieder sind die Vergütungsmodelle in allen untersuchten SMI-Unternehmen leistungsabhängig. Als Messgrössen werden meist finanzielle Kennzahlen herangezogen, qualitative Ziele aber ebenfalls mitberücksichtigt. Zu den beliebtesten langfristigen Lohnanreizen in der Schweiz gehören neben Aktienbeteiligungsplänen auch immer noch Optionsprogramme, wie PwC weiter feststellt.

Zu den im Zuge der Finanzkrise weiter ins Zweilicht geratenen Vergütungssystemen hält PwC fest, dass gewisse Anreizprogramme risikoreiches kurzfristiges Verhalten eher fördern, als nachhaltiges Firmenwachstum sicherzustellen. Um diesem unerwünschten Effekt vorzubeugen, seien die Vergütungsausschüsse gefordert. Nebst Unabhängigkeit und Integrität sei vor allem eine grössere Professionalität der Vergütungsausschüsse gefragt, um neue Vergütungsstrategien entwickeln zu können, die den Geschäftserfolg nachhaltig gewährleisten. (dapd)

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