Der Ferrari 456M GT ist schneller als er scheint
Der seitliche Luftauslass gab dem Ferrari 456 GT eine eigene Note.

Der seitliche Luftauslass gab dem Ferrari 456 GT eine eigene Note.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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Ferrari 456M GT Viel schneller als er scheint

Der Ferrari 456 war einst die teuerste und schnellste Möglichkeit, in einem Sportwagen aus Maranello Platz zu nehmen.

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Bruno von Rotz

Enzo Ferrari hatte schon früh einen 2+2-GT im Angebot, ab 1960 wurde der 250 GT 2+2 in Serie hergestellt. Auf ihn folgte der 330 GT, der 365 GT 2+2 und schliesslich der 365 GT/4 samt seinen Verwandten 400/400i/412. 1989 wurde die Produktion dann eingestellt, einen Nachfolger gabs (vorerst) nicht.

Im Oktober 1992 dann wurde der Ferrari 456 GT am Pariser Autosalon präsentiert. Das ganze Coupé war komplett neu, selbst der Motor mit 5474 cm3 Hubraum wurde frisch entwickelt. Zwischen dessen beiden Zylinderbänken lag nun nicht mehr ein 60-Grad-Winkel, sondern ein solcher von 65 Grad. Vier Ventile pro Zylinder, vier obenliegende Nockenwellen, Leichtmetall für Block, Zylinderkopf und Ölwanne, Trockensumpfschmierung und viele weitere edle Zutaten sorgten für ein mit 235 kg nicht nur relativ leichtes, sondern mit 442 PS bei 6750 Umdrehungen auch sehr leistungsstarkes Triebwerk. Tatsächlich übertraf der 456 GT bei der Lancierung sogar den 512 TR in der Leistung (und in den Rundenzeiten in Fiorano).

Schwer trotz Leichtmetall

Beim Fahrwerk setzte man auf zeitgemässe Einzelradaufhängungen an Parallelogrammen und Dreiecksquerlenkern. Die Dämpfer liessen sich von Hand für sportliche oder komfortable Kennungen einstellen.

Das Rückgrad bildete ein Stahlrohrrahmen, der mit der Leichtmetallkarosserie verschweisst wurde. Damit keine Kontaktkorrosion auftreten konnte, wurde mit dem Werkstoff «Feran» dazwischen gearbeitet. Haube und Scheinwerferklappen wurden aus Verbundmaterial produziert, die hinteren Seitenscheiben eingeklebt. Trotz hohem Leichtmetalleinsatz lag das Leergewicht gemäss Werk bei 1690 kg, fahrfertig wurden daraus rund 1820 kg.

Der Ferrari 456 M GT ist mit knapp über 4,7 Metern Länge durchaus kompakt.

Der Ferrari 456 M GT ist mit knapp über 4,7 Metern Länge durchaus kompakt.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Das Design verzichtete nicht auf historische Zitate, der seitliche Luftauslass gab dem Ferrari 456 GT aber eine eigene Note.

Das Design verzichtete nicht auf historische Zitate, der seitliche Luftauslass gab dem Ferrari 456 GT aber eine eigene Note.

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Mit 1,92 Metern Breite zeigte sich der 456 damals schmaler als sein Bruder Testarossa.

Mit 1,92 Metern Breite zeigte sich der 456 damals schmaler als sein Bruder Testarossa.

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Nostalgische Formgebung

Für das Design wandte man sich in Maranello wie gewohnt an Pininfarina. Pietro Camardella und Lorenzo Ramaciotti gestalteten ein formschönes, relativ kompaktes und mit cw 0,32 durchaus aerodynamisches Fliessheckcoupé, das nicht an historischen Zitaten sparte. So erinnerte sowohl die Gestaltung der hinteren Seitenscheiben als auch die angedeuteten zweiteiligen Heckleuchten an den Ferrari 365 GTB/4 Daytona.

Ein echter Gran Turismo

Satte 301 km/h lief der Ferrari 456 GT, den Spurt von 0 auf 100 km/h legte er in nur 5,2 Sekunden zurück. Sachlich zu bemängeln gab es wenig, einzig der Preis gab zu diskutieren. 285’000 Franken waren eine gewaltige Ansage! Ein Porsche 928 GTS oder ein BMW 850i kosteten gerade einmal die Hälfte, auch der Vorgänger Ferrari 412 war deutlich günstiger gewesen. Kein Wunder, liessen sich pro Jahr kaum mehr als 400 Exemplare verkaufen.

Von A bis M

Am Genfer Autosalon wurde die Automatik-Version des Ferrari 456 GT vorgestellt, wiederum in Genf erschien im März 1998 ein modifizierter 456M GT, der sich aber nicht wesentlich vom Vormodell unterschied, wenn man einmal von optischen Retuschen und einer neuen Zündreihenfolge beim V12 absah.

Der Ferrari 456M GT fühlt sich im Fahrbetrieb überraschend handzahm an. Wenn man über die Hürden der Wegfahrsperre hinausgekommen ist, startet der V12 sofort und verfällt in ein wohltönendes Brummen. Die Übersichtlichkeit ist deutlich besser als bei Supersportwagen jener Zeit, die Sitze sind bequem. Die sechs Gänge lassen sich mit dem typischen Klick-Klack wechseln, die Aluminiumkugel auf dem Schaltknauf sieht hinreissend aus. Unterwegs wirkt das Coupé weniger schnell, als es eigentlich ist. Das doch recht hohe Gewicht fordert seinen Tribut. Man sollte sich davon allerdings nicht täuschen lassen, wenn man seinen Ausweis behalten möchte.

Weitere Informationen zum Ferrari 456 GT und viele Bilder sowie ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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