Aktualisiert 08.02.2010 12:46

Familienfreundliche FirmenViel Teilzeit, viele Frauen, viel Familienbudget

Zürcher und Basler Unternehmen halten sich in Sachen Familienfreundlichkeit in etwa die Waage. Eine schweizweit erstmals durchgeführte Erhebung zeigt, dass zwar schon viel erreicht wurde, einiges aber noch verbessert werden kann.

Auf einer Familienfreundlichkeits-Skala von 0 bis 100 liegt der Kanton Basel-Stadt mit durchschnittlich 64,8 knapp vor dem Kanton Zürich mit 64,5 Punkten. Das sagte David Juncke vom deutschen Forschungszentrum für Familienbewusste Personalpolitik am Montag vor den Medien in Zürich.

Mit rund siebzig Prozent seien die meisten Unternehmen im Mittelfeld angesiedelt und somit «gut aufgestellt». Laut Juncke gibt es aber «durchaus noch Entwicklungspotenzial». In Zürich existieren knapp zwei Prozent mehr «Spitzenreiter» (14,7%), aber auch knapp ein Prozent mehr «Schlusslichter» (15,2%) als in Basel.

Familienfreundliche Unternehmen charakterisierten sich durch einen hohen Anteil an Teilzeit arbeitenden Führungskräften, viele weibliche Führungskräften sowie ein Budget für familienfreundliche Personalmassnahmen. Wenig familienfreundlich sind Unternehmen in schlechter Wirtschaftslage.

Juncke verglich die familienfreundlichen Massnahmen mit einem «Eisberg». Nur der kleinste Teil davon sei an der Oberfläche sichtbar. Zur Familienfreundlichkeit eines Unternehmens zählten aber nicht nur die Massnahmen (Leistungen), sondern auch die Firmenkultur und die Art der Kommunikation (Dialog).

Sicht aus der Praxis

Sein Unternehmen verstehe Familienfreundlichkeit nicht als PR- Gag, sondern als «absolute Notwendigkeit», betonte Christoph Müller, Personalchef bei der AXA Winterthur. Dort arbeiten zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. Auf der zweithöchsten Führungsstufe sind laut Müller bis zu 15 Prozent der Mitarbeitenden weiblich.

Auch kleine Unternehmen müssten sich um Familienfreundlichkeit bemühen, ergänzte Monika Gähler, Geschäftsleitungsmitglied eines KMU aus der Zürcher Baubranche. Wer daheim weniger Konflikte habe, sei auch am Arbeitsplatz zufriedener. «Glückliche Mitarbeiter sind leistungsfähiger», resümierte Gähler.

750 Unternehmen befragt

Familienfreundlichkeit müsse nicht auf Papier, sondern im realen Leben umgesetzt werden, betonte auch der Zürcher Regierungsrat Markus Notter. Deshalb wolle sich der Kanton in rund zwei Jahren nochmals mit dem Thema befassen, um die Entwicklungen festzuhalten.

Wie in Zürich ist auch im Kanton Basel-Stadt ein familienfreundliches Programm im Legislaturplan verankert. Das Ziel von Basel sei, in wenigen Jahren einen Wert von mindestens 80 Punkten zu erreichen, wird Regierungsrat Christoph Brutschin in einer Mitteilung des Präsidialdepartementes zitiert.

Während in Basel schon seit Mai 2008 eine Internetplattform zur Familienfreundlichkeit existiert, lanciert nun auch Zürich eine solche. Diese soll Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterstützen. Personalverantwortliche finden dort Hilfsmittel, zudem ist ein Blog aufgeschaltet, der von zwei kantonalen Promotoren gefüttert wird.

Für die repräsentative Umfrage wurden über 750 Unternehmen ab einer Grösse von mindestens sechs Mitarbeitenden befragt. Die Firmen stammen unter anderem aus den Branchen Bau, Gastgewerbe sowie Versicherungen. Die Befragung wurde 2009 im Auftrag der beiden Fachstellen für Gleichstellung durchgeführt. (sda)

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