Familie statt Joint: Viele 30-jährige Kiffer suchen Hilfe beim Ausstieg
Aktualisiert

Familie statt JointViele 30-jährige Kiffer suchen Hilfe beim Ausstieg

Wenn der Joint nicht mehr zum Lebensstil passt: Kiffer um die 30 wenden sich vermehrt an Beratungsstellen, weil sie den Ausstieg nicht schaffen. Oftmals hilft nur ein stationärer Aufenthalt.

von
R. Moresi
Wenn Kiffer älter werden, versuchen sie oft vergeblich, von ihrer langjährigen Sucht loszukommen.

Wenn Kiffer älter werden, versuchen sie oft vergeblich, von ihrer langjährigen Sucht loszukommen.

«Tagsüber sage ich mir stets, jetzt hörst du endlich auf mit der Teenie-Droge. Aber abends wenn der Feierabend-Joint ruft, klappt es dann wieder nicht», sagt Langzeitkiffer Remo (32) aus Bern.

Um doch noch den Ausstieg zu schaffen, will er sich nun professionelle Hilfe holen. Bei weitem kein Einzelfall: Mittlerweile suchen immer mehr «ältere» Cannabis-Konsumenten Beratungsstellen auf, weil sie weg vom Joint möchten.

«Die Betroffenen stören sich selbst am Konsum»

So ist bei der Suchthilfe Region Basel der grösste Teil der Leute, die sich wegen ihres Cannabis-Konsums melden, zwischen 25- und 35-jährig. «Diese Leute fühlen sich eigentlich zu alt zum Kiffen», sagt Leiter Oliver Bolliger. Vielfach habe sich auch der Kollegenkreis über die Jahre weiterentwickelt. «Die Betroffenen nehmen das wahr und stören sich selbst am Konsum.» Trotzdem kämen sie nicht davon los. «Über die Jahrzehnte hat sich ein grosses psychisches Verlangen entwickelt.»

Wollen die Langzeit-Kiffer dann aufhören, kann es zu Traurigkeit, Unruhe oder Schlafstörungen kommen. Denn: «Wer jahrelang vor dem Einschlafen einen Joint geraucht hat, ist darauf völlig konditioniert», sagt Bolliger.

«Alle drei bis vier Monate müssen wir jemanden stationär behandeln»

Für Langzeit-Kiffer kann der Entzug regelrecht zur Qual werden, wie Barbara Hausherr erklärt, Leiterin der Suchtfachstelle St. Gallen: «Sie wälzen sich stundenlang im Bett oder schlafen zwar ein, träumen aber nicht mehr und sind dementsprechend gerädert am Morgen.» In einigen Fällen seien die Beschwerden so gravierend, dass ein Klinikaufenthalt nötig werde. «Wir haben alle drei bis vier Monate jemanden, der eine Auszeit braucht und stationär behandelt werden muss», so Hausherr. Vor einigen Jahren wäre dies noch unmöglich gewesen. «Da hatte man Skrupel, jemanden wegen seiner Cannabis-Sucht stationär zu schicken.»

Bei den betroffenen Kiffern handelt es sich laut Hausherr fast ausschliesslich um Männer. Oftmals würden sie von ihrer Partnerin zu einer Therapie gedrängt, zum Beispiel wenn die Kinderfrage aktuell werde. «Sie können sich nicht vorstellen, mit ihren kiffenden Freunden eine Familie zu gründen und setzen sie deshalb unter Druck.»

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