Aktualisiert 15.01.2019 21:23

Kiffende Jugendliche«Viele beziehen ihren Stoff in Bönigen»

In der kleinen Gemeinde Bönigen am Brienzersee sollen kiffende Jugendliche den Unterricht stören. Auch in den Nachbargemeinden floriert offenbar der Drogenkonsum.

von
bho
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Es sind Worte, die aufhorchen lassen: «Lehrer haben über aggressive, unkonzentrierte und maulende Schüler geklagt, die den Unterricht stören», erklärte der Böniger Gemeinderat Roland Oppliger gegenüber 20 Minuten.

Es sind Worte, die aufhorchen lassen: «Lehrer haben über aggressive, unkonzentrierte und maulende Schüler geklagt, die den Unterricht stören», erklärte der Böniger Gemeinderat Roland Oppliger gegenüber 20 Minuten.

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Via Pressemitteilung hatte die kleine Gemeinde bei Interlaken informiert, dass man Massnahmen ergreifen werde aufgrund des hohen Cannabiskonsums der Jugendlichen auf dem Bödeli, sprich in Interlaken und den umliegenden Gemeinden Unterseen, Bönigen und Matten.

Via Pressemitteilung hatte die kleine Gemeinde bei Interlaken informiert, dass man Massnahmen ergreifen werde aufgrund des hohen Cannabiskonsums der Jugendlichen auf dem Bödeli, sprich in Interlaken und den umliegenden Gemeinden Unterseen, Bönigen und Matten.

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Hat die Region rund um Interlaken ein Drogenproblem? Wie denken die Jugendlichen über die Massnahmen? Um dies herauszufinden, machte sich 20 Minuten auf Spurensuche in Bönigen und Interlaken.

Hat die Region rund um Interlaken ein Drogenproblem? Wie denken die Jugendlichen über die Massnahmen? Um dies herauszufinden, machte sich 20 Minuten auf Spurensuche in Bönigen und Interlaken.

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«Lehrer haben über aggressive, unkonzentrierte und maulende Schüler geklagt, die den Unterricht stören», erklärt der Böniger Gemeinderat Roland Oppliger gegenüber 20 Minuten. Via Pressemitteilung hatte die kleine Gemeinde bei Interlaken im Dezember informiert, dass man Massnahmen ergreifen werde aufgrund des hohen Cannabiskonsums der Jugendlichen auf dem Bödeli, sprich in Interlaken und den umliegenden Gemeinden Unterseen, Bönigen und Matten.

Hat die Region rund um Interlaken ein Drogenproblem? Wie denken die Jugendlichen über die Massnahmen? 20 Minuten hörte sich vor Ort auf dem Bödeli um. Schnell wird klar, dass Cannabis hier sehr wohl ein Thema ist. Schülerin V.Z.*: «Interlaken ist berüchtigt für das Kiffen.»

Süsslicher Duft überall

Auf das «Drogenproblem» in Bönigen angesprochen, reagieren viele der befragten Oberstufenschüler mit einem Lächeln: «Das kann ich mir gut vorstellen», heisst es unisono. Ein 15-jähriger Gymnasiast ergänzt: «Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Jugendliche ihren Stoff in Bönigen beziehen.» Bönigen als unscheinbares und wenig bekanntes Dorf scheine für einen solchen Handel geeignet, meint ein weiterer Schüler. Im Sommer werde das gekaufte Gras dann vor allem an den Ufern des Thuner- oder Brienzersees geraucht.

Der Graskonsum in Interlaken und Umgebung sei vor allem bei Grossevents zu beobachten. «An Anlässen wie dem Touch the Mountains Openair riecht man diesen typischen süsslichen Duft überall.» In gewissen Kreisen ist die Kifferquote extrem hoch, wie A.A.* berichtet: «80 Prozent meiner Kollegen kiffen.»

Laut Studie mehr Gewalttaten durch Cannabis

Dass die kiffenden Mitschüler aggressiv seien, können die befragten Jugendlichen nicht bestätigen. Es gebe viele Jugendliche, die den Unterrricht stören würden, weil sie high seien. Aber: «Aggressiv sind diese nicht.» Kiffen ja, Aggressionen nein. Wie passen diese Aussagen mit denjenigen der Gemeinde zusammen?

«Bei manchen Menschen kann ein aggressives Verhalten ausgelöst werden», sagt Melody di Antonio von der Suchthilfe-Stiftung Contact. Neben dem eher beruhigenden und entspannenden Cannabis Indica gebe es auch die Cannabis Sativa, die als Stimulans bezeichnet werden könne. Jeder Mensch würde sich der Konsum von Cannabis anders auswirken, und: «Eine Studie in Kanada zeigte, dass die Teilnehmer mit regelmässigem Cannabiskonsum zu 71 Prozent häufiger zu Gewalttaten neigten.»

*Namen der Redaktion bekannt

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