Cannabidiol-Boom: Viele CBD-Hanf-Produkte sind gar nicht zugelassen
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Cannabidiol-BoomViele CBD-Hanf-Produkte sind gar nicht zugelassen

Blüten, Tinktur oder Öl: Produkte mit Cannabidiol müssen in der Schweiz meist noch zugelassen oder angemeldet werden, obwohl sie schon im Verkauf sind.

von
ann
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Getrocknete CBD-Blüten sind in der Schweiz zugelassen. Sie müssen aber als Tabakersatzprodukt deklariert sein und eine Warnung aufgeklebt haben.

Getrocknete CBD-Blüten sind in der Schweiz zugelassen. Sie müssen aber als Tabakersatzprodukt deklariert sein und eine Warnung aufgeklebt haben.

Viele Händler tun dies noch nicht, haben aber erkannt, dass dies den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Die Nachmeldungen laufen derzeit.

Viele Händler tun dies noch nicht, haben aber erkannt, dass dies den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Die Nachmeldungen laufen derzeit.

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Sie bestehen aus sogenanntem CBD-Hanf, der sehr viel Cannabidiol enthält, dafür kaum berauschendes THC. Cannabis mit einem THC-Gehalt unter 1 Prozent ist in der Schweiz legal und gilt nicht als Droge.

Sie bestehen aus sogenanntem CBD-Hanf, der sehr viel Cannabidiol enthält, dafür kaum berauschendes THC. Cannabis mit einem THC-Gehalt unter 1 Prozent ist in der Schweiz legal und gilt nicht als Droge.

AP/Eric Risberg

Shops, die Produkte mit Cannabidiol (CBD) verkaufen, schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Besonders beliebt sind die Blüten der legalen Cannabispflanzen mit hohem CBD-Anteil, aber praktisch ohne berauschendes THC. Die meisten Käufer mischen die Blüten mit Tabak und rauchen sie. Deshalb verkaufen einzelne Shops ihre Blüten auch schon als Tabakersatzprodukt und zahlen die entsprechenden Steuern.

Legales Gras erobert Hanfmesse

Die älteste Hanfmesse Europas Cannatrade zog dieses Wochenende rund 7000 Besucher in die Stadthalle Dietikon. Dabei hat vor allem ein Thema interessiert: Das legale Gras CBD.

Bei vielen Händlern und Online-Shops fehlt diese Deklaration noch. Sie verkaufen die Blüten als Rohstoff und halten in der Beschreibung fest, dass diese weder eingenommen noch geraucht werden dürfen. Den konkreten Verwendungszweck lassen sie jedoch offen.

Hanfblüten oder -harze sind tabaksteuerpflichtig

Laut Gesetzgebung ist dies aber nicht zulässig. «Sind die gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf einen konkreten Verwendungszweck nicht erfüllt, ist ein Produkt in der Schweiz nicht verkehrsfähig», sagt Sprecher Lukas Jaggi von Swissmedic. In der Regel werde ein Produkt unter Berücksichtigung sämtlicher Merkmale wie der Zusammensetzung, der Zweckbestimmung und der Dosierung eingestuft. «Im Zweifelsfall ordnet die Vollzugsbehörde ein Produkt einer bestimmten Gesetzgebung zu.»

Entsprechend hat die eidgenössische Zollverwaltung alle legalen Cannabisprodukte, die zum Rauchen oder Vaporisieren verwendet werden können, als tabaksteuerpflichtig definiert. «Darunter fallen auch Hanfblüten oder Hanfharze, auch wenn diese als Rohstoffe in den Verkauf gelangen», sagt Sprecher David Marquis.

Händler reagieren und melden Produkte an

Dass zahlreiche Händler ihre Produkte noch nicht entsprechend deklarieren, ist der Zollverwaltung bekannt. Marquis: «Wir sind mit einzelnen Herstellern bereits in Kontakt und erarbeiten auch Massnahmen, um sie zu sensibilisieren.»

Andere sind bereits dabei, ihre Produkte tabaksteuerpflichtig zu machen. So etwa Kannaswiss in Zufikon oder der Shop Green Passion in Zürich.

«Hanf tötet nicht, er ist etwas Gutes»

Nicht bei allen kommt dies aber gut an. Im CBD-Shop in Fisibach etwa will man die Blüten nicht als Tabakersatzprodukte deklarieren. «Die Blüten werden nicht nur geraucht und auf Raucherwaren steht, dass diese töten», so eine Verkäuferin.

CBD habe aber eine positive Wirkung und sei ein gutes Produkt. Das wolle man betonen. «Die Blüten sind nur eines von vielen Produkten und andere verkaufen wir mehr.»

CBD-Extrakte noch nicht bewilligt

Doch nicht nur die Hanfblüten geben Anlass zu Diskussionen. Auch CBD-Extrakte wie Öle oder Pasten und verwendungsfertige Produkte wie Kapseln sind in der Schweiz noch nicht erlaubt, wenn sie eingenommen werden sollen. Jaggi von Swissmedic: «CBD wurde in der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel bisher noch nicht bewilligt und ist darum nicht verkehrsfähig.»

Beim Bundesamt für Gesundheit, dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic ist die Zunahme von Produkten mit CBD darum bereits seit längerem ein Thema. Zusammen mit den Kantonsapothekern und Kantonschemikern haben die Behörden nun ein Merkblatt erarbeitet, das bis Ende Februar publiziert wird.

Einheitliche Kontrollen

Das Merkblatt soll einen Überblick über die verschiedenen Angebote an Rohstoffen und Produkten mit CBD geben, damit die jeweils zuständigen Behörden die Kontrollen einheitlich vollziehen können. Swissmedic-Sprecher Jaggi sagt: «Gleichzeitig sollen mögliche Anbieter für die zu beachtenden rechtlichen Vorgaben sensibilisiert werden.»

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