Aktualisiert 20.11.2014 18:49

Ständig onlineViele Eltern verzweifeln wegen Smartphones

Weil Jugendliche ständig an ihrem Handy sind, wenden sich zahlreiche Eltern an Beratungsstellen. Sie fürchten, ihre Kinder werden süchtig. Und sie können keine Regeln durchsetzen.

von
ann
Weil Teenager praktisch zu jeder Uhrzeit über ihr Handy erreichbar sein wollen, kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit den Eltern. Diese wenden sich deswegen vermehrt an Beratungsstellen und Notrufe.

Weil Teenager praktisch zu jeder Uhrzeit über ihr Handy erreichbar sein wollen, kommt es oft zu Auseinandersetzungen mit den Eltern. Diese wenden sich deswegen vermehrt an Beratungsstellen und Notrufe.

Ein Foto vom Shoppen auf Instagram stellen, auf Whatsapp schnell die Hausaufgaben checken, im Gruppenchat mit den Kollegen das Wochenende planen oder mit der Freundin telefonieren: Das Smartphone ist für die Jugendlichen der Draht zur Welt. Manche werden so süchtig danach, dass sie zum Psychiater müssen. Doch auch Jugendliche ohne Suchtverhalten treiben Eltern damit oft an den Rand der Verzweiflung, wie Beratungsstellen berichten.

«Wir haben sehr viele Anrufe von Eltern, in denen das Smartphone ein Thema ist», sagt Diana Joss vom Elternnotruf. Oft gebe es Diskussionen oder Streit deswegen. Das Handy wegzunehmen sei eine beliebte Strafmassnahme. «Dann sind die Eltern unsicher, wie sie weiter verfahren sollen.» Denn meist reagierten die Jugendlichen heftig, da das Handy für sie der Zugang zu ihrem Freundeskreis sei.

«Der Teenager will auf Nachrichten sofort Antwort geben»

Dies kennt auch Daniel Niederberger, Leiter Contact Luzern. Dort dreht sich ein Viertel bis ein Drittel der Anrufe um Smartphone und Computer. Die Eltern beklagten, ihr Kind sei mehr am Chatten als am Hausaufgabenmachen. «Sie haben Angst, dass es sich zu einer Sucht entwickelt.» Entsprechend gross sei das Bedürfnis der Eltern nach Hilfe in diesem Thema.

Bei Pro Juventute ist der Smartphone-Gebrauch eines der Topthemen in der Elternberatung. Die Eltern riefen an, wenn es eskaliere. Meist gehe es darum, dass Teenager nicht gewillt seien, sich an Absprachen zu halten. Dann führten Eltern Regeln als Sanktionen ein. Brunner rät Eltern, Verständnis für die Bedeutung des Handys für den Teenager zu haben. «Er leidet, wenn er auf eine Message nicht sofort Antwort geben kann.» Ihm das Smartphone wegzunehmen löse bei ihm entsprechend einen Druck aus.

Alle drei Beratungsstellen raten den Eltern, gemeinsam mit den Jugendlichen Regeln auszuhandeln, die für alle sinnvoll sind. Dabei solle es sich um einen gangbaren Kompromiss handeln, der auch umsetzbar sei. Wer damit Mühe habe, solle sich an eine der Beratungsstellen wenden.

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