Autoprüfung: Viele Fahrschüler können privat gar nicht üben

Aktualisiert

AutoprüfungViele Fahrschüler können privat gar nicht üben

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung will, dass Fahrschüler vor der Prüfung 3000 Kilometer fahren. Doch für viele sind private Lernfahrten gar nicht möglich.

von
V. Fehlmann
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Die Beratungsstelle für Unfallverhütung empfiehlt, dass Fahrschüler vor ihrer Prüfung 3000 Kilometer fahren. Das entspricht rund 100 Übungsstunden.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung empfiehlt, dass Fahrschüler vor ihrer Prüfung 3000 Kilometer fahren. Das entspricht rund 100 Übungsstunden.

Dominik Baur
So sollen die Neulenker mehr Erfahrung im Strassenverkehr bekommen. Schweizer Fahrlehrer begrüssen die Kampagne, allerdings wollen sie die Routine nicht an eine fixe Anzahl Kilometer binden.

So sollen die Neulenker mehr Erfahrung im Strassenverkehr bekommen. Schweizer Fahrlehrer begrüssen die Kampagne, allerdings wollen sie die Routine nicht an eine fixe Anzahl Kilometer binden.

Dominik Baur
Zudem hätten viele Schweizer Fahrschüler nicht die Möglichkeit, privat zu üben.

Zudem hätten viele Schweizer Fahrschüler nicht die Möglichkeit, privat zu üben.

Dominik Baur

Mit einer neuen Kampagne will die Beratungsstelle für Unfallverhütung(BFU) gegen die hohe Zahl an Unfällen bei Neulenkern vorgehen. Sie empfiehlt, dass Fahrschüler 3000 Kilometer an Übungsfahrten zurücklegen. Das entspricht rund 100 Übungsstunden. So sollen angehende Autolenker mehr Erfahrung sammeln, bevor sie alleine auf die Strasse dürfen.

Ravaldo Guerrini, Präsident des Ostschweizer Fahrlehrerverbands, kennt das Problem von fehlender Routine nur zu gut. «Fahrschüler wollen so schnell wie möglich die Prüfung machen.» Doch wer es so eilig habe, dem fehle die Erfahrung. Das beginne bereits bei der Theorieprüfung. «Es gibt viele, die diese zwar bestehen, aber nicht verstehen.» Da sich die Antworten auswendig lernen lassen, setzten sich manche nicht genug mit der Thematik auseinander.

Keine privaten Übungsstunden

Laut Guerrini kommt hinzu, dass eine beachtliche Anzahl von Fahrschülern privat überhaupt nicht übe. Der Einstieg sollte zwar über den Fahrlehrer erfolgen, private Fahrten seien aber begrüssenswert, da dies die Fahrroutine fördere. Allerdings mahnt er zur Vorsicht: «Die Qualität des Begleiters ist sehr wichtig.» Generationsunterschiede und gut gemeinte Tipps von Beifahrern könnten für Lernfahrer unter Umständen wenig hilfreich sein, da diese nicht zeitgemäss seien.

Auch Marco D'Amico, Präsident des Basler Fahrlehrerverbands, hat viele Fahrschüler, die nicht privat üben können. Das sei je länger je mehr der Fall. «Die Eltern haben keine Zeit oder wollen ihr Auto nicht zur Verfügung stellen.» Immerhin: «Die, die nur mit dem Fahrlehrer üben, profitieren mehr. Sie sind besser vorbereitet und im Kopf reifer, wenn sie an die Prüfung gehen.»

Allerdings benötigen diese Fahrschüler auch mehr bezahlte Fahrstunden, wie Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbands, erklärt. Ihnen fehlt zugleich die Routine, die sich andere beim privaten Üben aneignen. Und gerade die sei wichtig, wie sich in Übungsprüfungen zeige.

Neulenker müssen Verantwortung übernehmen können

Die Experten sind sich einig: Die BFU-Kampagne ist ein guter Ansatz. Man könne die Erfahrung eines Fahrschülers jedoch nicht einfach auf eine bestimmte Anzahl Übungsstunden zurückführen. Jeder Mensch sei anders. D'Amico: «3000 Kilometer kann ich schaffen, wenn ich ein paar Mal von Basel ins Tessin fahre. Dann habe ich ausser der Autobahn aber nicht viel gesehen.»

Laut D'Amico ist es wichtig, dass angehende Lenker Verantwortung übernehmen können. Oft hätten sie zu wenig Bewusstsein für die Folgen im Strassenverkehr. «Es gibt Schüler, die ihre 30 Stunden in einer Woche machen wollen. Ich frage dann, ob sie sich bei einem Coiffeurlehrling, der seit einer Woche arbeitet, die Haare schneiden lassen würden. Das ist etwa das Gleiche.»

«Niemand will dafür bezahlen»

Trotzdem halten viele 20-Minuten-Leser wenig von der BFU-Empfehlung. «Ist doch nur Geldmacherei», heisst es etwa. Oder: «Dann sollen aber die Fahrstunden halb so teuer sein.» Tatsächlich scheint der Kostenfaktor eine wichtige Rolle zu spielen. «Jeder möchte möglichst günstig und schnell die Prüfung machen», sagt etwa Wismer. Auch D'Amico kennt das: «Bei den Fahrstunden wird gespart. Autofahren ist ein Grundrecht und dafür will niemand bezahlen.» Problematisch sei auch die fehlende Unterstützung der Eltern. «Sie zahlen ihren Kindern im Leben ständig alles, aber wenn es ums Autofahren geht, gibt es nichts.» Immerhin könne man mit einem Führerschein auch Geld verdienen, da er bei vielen Berufen vorausgesetzt wird.

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