Sexismus-Debatte: «Viele Frauen machen aus falschem Mitgefühl mit»
Aktualisiert

Sexismus-Debatte«Viele Frauen machen aus falschem Mitgefühl mit»

Im Alltag treffen Frauen manchmal auf lustige Typen, die alles locker-flockig nehmen – auch ihre eigenen sexuellen Avancen. Eine Expertin sagt, wie man reagieren soll.

von
ct
Ein Geschäftsmann legt seine Hand auf die Schulter einer Arbeitskollegin, während die beiden eine Tabelle betrachten.

Ein Geschäftsmann legt seine Hand auf die Schulter einer Arbeitskollegin, während die beiden eine Tabelle betrachten.

Keystone/Gaetan Bally

Frau Allemann, was soll man tun, wenn man im Alltag mit Personen zu tun hat, die gerne Sprüche klopfen und vielleicht ein wenig flirten?

Nein sagen. Es gibt solche, die können das gut akzeptieren, aber es gibt auch solche, die einem dann gleich in eine Ecke stellen. Das ist dann sehr unangenehm, wenn man gleich als Meckerzicke dargestellt wird.

Man will ja diese Person auch nicht vor den Kopf stossen.

Davor fürchten sich viele, ja.

Dann soll man bei den Spässchen einfach mitmachen?

Nein, überhaupt nicht. Aber leider tun das viele Frauen. Wahrscheinlich aus falsch interpretiertem Mitgefühl werden die Grenzen des Akzeptierten dann dehnbar. Das ist falsch. Es braucht klare Ansagen.

Aber manche Komplimente sind ja wirklich kein Flirt, sondern nette Worte.

Wenn eine Frau etwas als Kompliment auffasst, ist ja alles okay.

Wie sagt man es dann, wenn etwas nicht mehr bloss als nettes Kompliment verstanden wird?

Nicht vor anderen, sondern lieber mit etwas Distanz. Angenommen, ein Kollege ist immer nett, aber in einem angetrunkenen Zustand in einer Gesellschaft bedrängt er einen plötzlich: Dann wartet man lieber, bis alle wieder nüchtern sind und sagt ihm im Vertrauen, dass einem seine Handlung unangenehm war. Das muss nicht einmal sofort passieren, sondern darf auch noch ein Jahr später sein.

Wie weicht man einem Nähe-Typ am besten aus, wenn man dies nicht so schätzt?

Betroffene merken ganz genau, ob eine Berührung eine normale war oder eine aufdringliche. Ist Letzteres der Fall, soll man sagen, was man nicht mag. Aber man darf niemandem eine Mitschuld an Übergriffen geben , wenn die Person nicht Nein sagen konnte. Manche sind dazu einfach nicht imstande.

*Jeanne Allemann gibt in Bern Wen-Do-Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse für Frauen und Mädchen.

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