Stadt Zürich: Viele Gaffer auf dem Strichplatz
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Stadt ZürichViele Gaffer auf dem Strichplatz

Die Stadt Zürich präsentierte erst im August eine positive Bilanz des Strichplatzes. Insider berichten aber, dass die Regeln des Platzes oft gebrochen werden.

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zed
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Am 26. August 2013 nahm der Strichplatz mit seinen Sexboxen in Zürich-Altstetten offiziell seinen Betrieb auf.

Am 26. August 2013 nahm der Strichplatz mit seinen Sexboxen in Zürich-Altstetten offiziell seinen Betrieb auf.

Keystone/Steffen Schmidt
In solchen Boxen können Freier die Dienste der Arbeiterinnen beanspruchen.

In solchen Boxen können Freier die Dienste der Arbeiterinnen beanspruchen.

Keystone/Steffen Schmidt
Der Strichplatz am Depotweg in Zürich-Altstetten ist täglich von 19 bis 5 Uhr geöffnet. Er ist lediglich mit dem Auto erreichbar. Andere Fahrzeuge sowie Fussgänger sollten keinen Zutritt haben.

Der Strichplatz am Depotweg in Zürich-Altstetten ist täglich von 19 bis 5 Uhr geöffnet. Er ist lediglich mit dem Auto erreichbar. Andere Fahrzeuge sowie Fussgänger sollten keinen Zutritt haben.

Keystone/Steffen Schmidt

Die Regeln auf dem Strichplatz in Zürich sind eigentlich klar: Fahrradfahrer und Spaziergänger sind nicht erlaubt, in den Autos, die auf den Platz fahren, darf sich nur eine Person befinden und die Frauen, die dort ihrem Geschäft nachgehen, müssen eine Bewilligung haben. Ganz so reibungslos funktioniert der Betrieb laut der «Neuen Zürcher Zeitung» aber nicht. Und das, trotz der durchgehenden Betreuung der SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) und der Frauenberatung Flora Dora.

Als die NZZ vor Ort war, sassen in der Hälfte der Autos mehr als eine Person. Viele von ihnen waren zudem Gaffer. Dies scheint die Sozialen Dienste der Stadt Zürich allerdings nicht zu beunruhigen. «Befinden sich mehrere Freier in einem Auto, die sich aber angemessen und nicht störend verhalten, so wird dies toleriert», sagt Bettina Hamilton-Irvine, Sprecherin der Sozialen Dienste, zur NZZ. Dass der Platz wirtschaftlich funktioniere, sei auch im Interesse der Stadt. Allerdings würden weder Drogen noch Gewalt toleriert, egal ob eine oder mehrere Autoinsassen involviert sind.

Viele arbeiten ohne Bewilligungen

Wie die Stadt in einer Medienkonferenz im August mitteilte, zieht sie eine positive Bilanz der ersten zwei Jahre. Dabei lobte sie das hohe Niveau und die Sicherheit auf dem Platz. Ausserdem berichtet die Stadt, dass mittlerweile 25 bis 30 Frauen pro Abend im Einsatz seien.

Laut einem Informant der NZZ ist die tatsächliche Zahl aber massiv tiefer. Kürzlich seien an einem milden Abend nur 18 Frauen auf dem Platz gestanden, mehrere hätten von ihnen ohne Bewilligung gearbeitet. «Es ist ein Politikum, die Stadt will nicht eingestehen, dass der Platz nicht funktioniert», sagt er. Auch die Preise lägen im Keller. Dass auch Gaffer auf den Platz gelassen werden, bezeichnet die Auskunftsperson als Sicherheitsrisiko für die Frauen. Zudem sei damit nicht mehr gewährleistet, dass nur über 18-Jährige aufs Areal kämen.

Viele Frauen ohne Bewilligung

Probleme bereiteten gemäss der Auskunfsperson auch die Prostituierten. Bei Polizeikontrollen komme es regelmässig zu Verzeigungen. So hätten viele von ihnen gar keine Bewilligung oder kein Ticket beim Automaten des Platzes gelöst. Für die vielen Arbeiterinnen ohne Bewilligung hat Hamilton-Irvine von den Sozialen Dienste eine Erklärung: Die Frauen auf dem Platz hielten sich meist nur kurze Zeit in der Schweiz auf und seien mit den Regeln deshalb nicht vertraut. Daher würden auch viele Verzeigungen ausgesprochen.

Ausserdem kommt es laut Stadtpolizei-Sprecher Marco Bisa auf dem Strichplatz zu weniger Gewalt gegenüber den Frauen als früher. Dies sei vor allem den Stichproben der Polizei zu verdanken.

Strichzone auf der Langstrasse gefordert

Der Strichplatz öffnete im August 2013, nachdem der Sihlquai-Strich geschlossen worden war. Seither ist die Strassenprostitution nur noch im Niederdorf und in der Allmend Brunau erlaubt. Nun fordern aber SP-Gemeinderätinnen Marianne Aubert und Simone Brander in einem Postulat an den Stadtrat, dass auf einzelnen Abschnitten der Langstrasse und allenfalls in einigen Seitenstrassen eine zusätzliche Strassenstrich-Zone eingeführt werden solle. Das Prostitutionsverbot habe dort zu mehr Kontrollen und häufigeren Bussen geführt. Es sei den Frauen, die ihre Kundschaft in Kontaktbars finden, nicht erlaubt, mit den Freiern zu ihren Zimmern zu laufen, da sie dabei verwarnt oder gebüsst werden könnten. Daher fordern die beiden Gemeinderätinnen nun, dass die Prostitution mit der Einrichtung einer Strichzone dort aus der Illergalität geholt werde.

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