Aktualisiert 05.05.2015 09:38

Aufmarsch in ZürichViele Gang-Mitglieder reisten aus Deutschland an

Die kurdische Strassengang Sondame zog am Samstag durch die Zürcher Langstrasse. Bei der Polizeikontrolle zeigte sich: Die meisten Bandenmitglieder wohnen in Deutschland.

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lüs/dag
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Provokation: Dieses Bild postet Sondame Schweiz auf Social Media. Die Polizei setzte nach der Blockierung der Langstrasse Gummischrot ein.

Provokation: Dieses Bild postet Sondame Schweiz auf Social Media. Die Polizei setzte nach der Blockierung der Langstrasse Gummischrot ein.

Sondame gilt als gewaltbereite Gruppierung.

Sondame gilt als gewaltbereite Gruppierung.

Mehrere Dutzend Mitglieder der Strassenbande Sondame (kurdisch für «unser Schwur») marschierten am Samstag durch die Zürcher Langstrasse. 37 Personen aus der Gruppe hat die Polizei kontrolliert. Dabei zeigte sich: Die Mehrheit von ihnen war aus Deutschland angereist. 20 der Überprüften haben laut der Stadtpolizei Zürich einen Wohnsitz in Deutschland, 8 stammen aus dem Kanton Bern, 4 aus dem Kanton Zürich, 4 aus der Stadt Zürich, bei einem ist der Wohnsitz unbekannt. Einen Schweizer Pass haben 10 der Kontrollierten, 8 verfügen über einen türkischen Pass, 17 sind Deutsche.

Laut Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, ist Sondame am Samstag zum ersten Mal in Zürich in Erscheinung getreten. Man werde die Gruppierung im Auge behalten – genauso, wie man die dies auch bei den United Tribuns tue. Strafrechtliche Konsequenzen hat der Vorfall vom Samstag nicht. Interveniert hat die Polizei laut Cortesi, weil der Verkehr gestört worden war.

In Deutschland gab es schon ein Todesopfer

Beim Bundesamt für Polizei Fedpol heisst es auf Anfrage, Sondame sei «seit ein paar Monaten» auch in der Schweiz vertreten. Die Präsenz von neuen Gruppierungen trage «das Potenzial von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppierungen in sich».

In Süddeutschland, wo Sondame seit Anfang Jahr immer wieder mit Aufmärschen Aufsehen erregt, steht die Gang mit den United Tribuns auf Kriegsfuss, denen vor allem Personen aus dem Balkan angehören. Die Tribuns sind auch in Zürich aktiv. Der Schluss liegt daher nahe, dass der Aufmarsch in Zürich eine Machtdemonstration gegenüber deren Zürcher Ableger sein sollte.

Sondame ist laut dem Fedpol in Deutschland aus der stark von kurdischen Mitgliedern geprägten Red Legion hervorgegangen – eine Bande, die im Mai 2013 vom Innenministerium des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg verboten worden ist. Vorher hatten Mitglieder der Red Legion ein Mitglied der Black Jackets getötet. Auch die Black Jackets waren in der Schweiz aktiv – viele Mitglieder sollen sich nach der Auflösung ihres Zürcher Chapters den United Tribuns angeschlossen haben.

Verbrannte Kutte war ein Plagiat

Fritz L.*, der deutsche Sprecher der United Tribuns, sagt zu 20 Minuten: «Wir lassen uns von Sondame nicht provozieren. Wir werden lediglich unser Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen, wenn wir dazu gezwungen werden.» Schon zweimal hat Sondame Videos veröffentlicht, in denen eines ihrer Mitglieder United-Tribuns-Kutten verbrennt. Auch das nimmt L. gelassen: «Die letzten Kutte, die sie angezündet haben, wurde keinem unserer Brüder abgenommen, es handelte es sich um ein Plagiat.»

Was Sondame gegen die United Tribuns habe, sei ihm nicht ganz klar, so L. weiter. Die Tribuns hätten jedenfalls nichts gegen Kurden und nichts mit Religion und Politik am Hut. Tatsache sei, so L., dass der Anführer von Sondame, ein ehemaliger Hells Angel, einst erfolglos versucht habe, sich den United Tribuns anzuschliessen. Zudem gebe es Einträge im Internet, in denen Sondame den United Tribuns Frauenhandel vorwerfe. «Doch nur etwa fünf Prozent unserer Mitglieder sind im Rotlichtmilieu tätig, und sie bemühen sich, die Frauen korrekt zu behandeln», so L. Um illegale Geschäfte gehe es den United Tribuns nicht. «Wir sind einfach eine Bruderschaft.»

Hells Angels distanzieren sich

Ähnlich harmlos lautet die Selbstbeschreibung von Sondame. Auf einem am Montag veröffentlichten Eintrag auf der Facebook-Seite des Schweizer Ablegers heisst es: «Sondame ist keine Gang ... Sondame ist eine grosse Familie (...) Wir sorgen für einander und versuchen, euch von negativen Einflüssen fernzuhalten.»

Dass mit Sondame eine weitere Gruppe aus dem Ausland in die Schweiz drängt, dürfte auch den Hells Angels keine Freude bereiten. Hemi, Präsident der Hells Angels Zürich, sagt zum aktuellen Konflikt, man kenne zwar einzelne Mitglieder von Sondame und United Tribuns: «Wir haben aber mit beiden Gruppen nichts gemeinsam oder irgendwelche Probleme.» Mit der Motorclub-Szene hätten diese Strassengangs nichts zu tun.

*Name der Redaktion bekannt.

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