Aarau: Viele Jugendliche sind beruflich im falschen Film
Aktualisiert

AarauViele Jugendliche sind beruflich im falschen Film

Laut der Stiftung Speranza wählen zu viele Jugendliche den falschen Beruf. Die Folgen können verheerend sein.

von
Valeska Beck

Jugendliche nehmen ihre Berufswahl allzu oft auf die leichte Schulter. Das sagt Vera Ziswiler von der Stiftung Speranza. Sie betreut das Projekt Berufliche Neuorientierung, das gegen Jugendarbeitslosigkeit nach der Erstausbildung vorgehen will. Einen Hauptgrund für die Jugendarbeitslosenquote von derzeit 3 Prozent ortet Ziswiler in der falschen Berufswahl. «Junge Leute treffen die Auswahl oft nach dem Zufallsprinzip und nehmen die erstbeste Stelle an», so Ziswiler, «oder sie machen einfach eine KV-Lehre, weil sie nicht genügend über andere Optionen informiert sind.»

Die Folge: Viele 18- bis 25-Jährige sind während der Ausbildungszeit demotiviert, woraus eine schlechtere Leistung resultieren kann. Dadurch sinken die Chancen auf eine spätere Festanstellung. Ziswiler nennt ein Beispiel aus der Praxis: «Einem hochintelligenten Schulabgänger wurde während einer oberflächlichen Beratung zu einer Detailhandelslehre geraten, wo er völlig unterfordert war.» Nach seinem Abschluss sei dieser junge Mann ohne Perspektiven dagestanden – und arbeitslos geworden.

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall: Pro Woche gehen bei der Stiftung Speranza 40 Anmeldungen für eine Beratung ein. Doch eine solche löse das Grundproblem nicht, sagt Ziswiler. Sie fordert darum, die Berufswelt jungen Menschen auf jeder Schulstufe näher zu bringen, zum Beispiel mit Projekten wie «Wirtschaft trifft Schule». «Denn viele haben keine Ahnung, worauf sie sich eigentlich einlassen.»

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