Baustellen-Unfall: «Viele Lehrlinge müssen Schwerstarbeit leisten»
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Baustellen-Unfall«Viele Lehrlinge müssen Schwerstarbeit leisten»

Gestern wurde ein Lehrling (15) von einer Betonplatte erdrückt. Jetzt fordert die Unia Verbesserungen beim Schutz der Lehrlinge.

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«Es braucht mehr Schutz für die Bauarbeiter», sagt Unia-Gewerkschafter Chris Kelley.

«Es braucht mehr Schutz für die Bauarbeiter», sagt Unia-Gewerkschafter Chris Kelley.

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Auf einer Baustelle in Dietikon kam am Freitag ein Lehrling ums Leben.

Auf einer Baustelle in Dietikon kam am Freitag ein Lehrling ums Leben.

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Wie die Kantonspolizei mitteilte, wurde der 15-Jährige von einem rund zwei Tonnen schweren Betonelement getroffen.

Wie die Kantonspolizei mitteilte, wurde der 15-Jährige von einem rund zwei Tonnen schweren Betonelement getroffen.

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Der tragische Unfall geschah am Donnerstag kurz nach 10.30 Uhr: Ein rund zwei Tonnen schweres Betonelement stürzte auf einen 15-jährigen Lehrling. Die Arbeiter auf der Baustelle in Dietikon ZH versuchten noch, die Platte mit einem Kran anzuheben. Doch für den 15-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Der ausgerückte Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

«Tödliche Unfälle passieren auf dem Bau leider immer wieder», sagt der Co-Leiter für den Bausektor bei der Gewerkschaft Unia, Chris Kelley. Dass hingegen Lehrlinge ums Leben kommen, gebe es glücklicherweise nur selten.

«Damit das nie mehr passieren kann»

Die Details des tödlichen Unfalls sind noch unbekannt. Für Kelley ist aber klar: «Grundsätzlich sollte ein Betonelement nicht einfach so auf einen Bauarbeiter stürzen können.» Über den Unfallhergang will er nicht mutmassen. Der Gewerkschafter fordert aber, dass der Fall genau aufgearbeitet wird: «Damit das nie mehr passieren kann.»

Das sei nötig, umso mehr, weil die Gewerkschaft gemäss Kelley eine besorgniserregende Entwicklung beobachtet. So gebe es eine klare Tendenz, dass die Sicherheitsbestimmungen auf dem Bau wegen des wachsenden Termindrucks immer öfter missachtet werden: «Zum Beispiel indem man Material oder Bauelemente nicht sicherheitskonform lagert, um Zeit zu sparen.»

Termindruck erhöht Unfallgefahr

Der Termindruck komme daher, dass die Bauherren immer knappere Fristen verlangten. «Ausbaden müssen das die Bauarbeiter», sagt Kelley. Um den Bauplan einhalten zu können, müssten sie Extraschichten einlegen: Die Arbeiter liefen zunehmend am Anschlag. «Das erhöht die Unfallgefahr.»

Ein Risiko bestehe aber ohnehin. Auf dem Bau zu arbeiten, sei trotz Fortschritten in der Arbeitssicherheit gefährlich, sagt der Gewerkschafter. Umso wichtiger sei deshalb, dass Lehrlinge anständig eingeführt und einen besonderen Schutz geniessen würden.

Es braucht mehr Schutz für Bauarbeiter

Doch: «Das wird immer öfter vernachlässigt und die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte missbraucht.» So müssten viele schon früh für sie ungeeignete Schwerstarbeit leisten.

Die Unia fordert Verbesserungen. Kelley: «Es braucht mehr Schutz für die Bauarbeiter, der Termindruck muss gebremst werden.» Gerade um die Sicherheit der Lehrlinge zu gewährleisten, brauche es auf der Baustelle wirksame Vorkehrungen. Und: «Die Lehre muss eine Ausbildung bleiben.»

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