Zu grosszügige Eltern: Viele Lehrlinge verjubeln ihr Geld
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Zu grosszügige ElternViele Lehrlinge verjubeln ihr Geld

Jeder zweite Lehrling muss heute nichts mehr oder nur wenig zu Hause abgeben. Deswegen könnten immer weniger Jugendliche mit Geld umgehen, so Experten.

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hal

Gegen 80 000 Jugendliche beginnen in diesen Wochen mit der Lehre. Die meisten haben Ende Monat plötzlich viel mehr auf dem Konto als je zuvor. Viele von ihnen müssen ihren Eltern keinen Rappen vom Lohn abgeben. «Mehr als die Hälfte der Eltern verlangt heute von ihren Kindern nichts oder viel zu wenig», sagt Anita Keller von der Zentralstelle für Ehe- und Familienplanung Zürich. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass man zu Hause etwas abgab. «Mittlerweile können viele Lehrlinge ihr Geld verjubeln.» Budgetberaterin Monika Göldi von der Frauenzentrale Schaffhausen bestätigt: «Tendenziell sind Eltern heute zu grosszügig.»

Damit erweisen sie ihren Kindern einen Bärendienst – obwohl sie es eigentlich gut meinen. «Wenn die Jugend­lichen den Umgang mit Geld nicht schon in der Lehre lernen, lernen sie ihn nie mehr», so Keller. Die Gefahr, dass sie später in die Schulden abrutschten, sei hoch. Das Problem sei, dass die Jugendlichen immer mehr Geld für Ausgang, Handy oder Shopping beanspruchten. «Die Eltern geben lieber nach, statt sich auf anstrengende Diskussionen einzulassen», so Keller.

Für Andrea Ruckstuhl von KV Schweiz ist diese Erklärung zu simpel: «Es ist nicht so, dass Junge einfach immer gieriger werden. Viele Familien haben den Beitrag der Lehrlinge schlicht nicht mehr nötig, weil sich die Lebensumstände geändert haben.» Göldi rät solchen Eltern, das Geld auf ein Konto zu legen – und den Kindern damit später etwa eine Weiterbildung zu finanzieren.

www.budgetberatung.ch

Beispielbudget eines Lehrlings

Lohn 950 Fr

Ausgaben

Krankenkasse 80 Fr

Fahrkosten 95 Fr

Handy 45 Fr

Kleider/Schuhe 80 Fr

Coiffeur/Hygiene 40 Fr

Schulmaterial 20 Fr

Steuern/Ferien/Sparen 150 Fr

Gesundheitskosten 50 Fr

Auswärtige Verpflegung 90 Fr

Taschengeld 200 Fr

Ausgaben total 850 Fr

Die Differenz von 100 Franken = Beitrag an die Eltern

(Quelle: Beobachter)

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