Aktualisiert 24.02.2014 10:23

Weniger Hausmänner«Viele Männer haben Angst vor Teilzeitarbeit»

Die Zahl der Hausmänner in der Schweiz hat im vergangenen Jahr deutlich abgenommen. Das liegt vor allem an den Vorurteilen gegenüber Teilzeit- und Hausarbeit.

von
Vroni Fehlmann
Die Zahl der Vollzeit-Hausmänner hat 2013 abgenommen.

Die Zahl der Vollzeit-Hausmänner hat 2013 abgenommen.

Trotz der intensiven Gleichstellungsarbeit in den vergangenen Jahren tun sich viele Männer schwer, als Vollzeit-Hausmann zu arbeiten. Ihre Anzahl ist im vergangenen Jahr sogar gesunken, wie eine Auswertung des Bundesamtes für Statistik zeigt. Über Jahre hinweg blieb die Zahl der Vollzeit-Hausmänner konstant bei rund 0,4 Prozent aller in der Schweiz lebenden Männer – 2013 hat sie sich fast halbiert. Aktuell gibt es in der Schweiz rund 9000 Vollzeit-Hausmänner.

Laut Marlies Zumbühl von der Hausfrauen- und Hausmänner-Gewerkschaft liegt das einerseits an den Bedingungen in der Arbeitswelt, andererseits aber auch am Image-Problem der Hausarbeit. «Der Hausmann ist in der Schweiz aber ohnehin sehr selten.» Das erstaunt Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, nicht: «Vollzeit-Hausmann zu sein, ist so einseitig wie das Vollzeit-Hausfrau-Sein.» Theunert betont, dass er nicht nur Frauen, sondern auch Männern davon abrät, ganz aus der Erwerbstätigkeit auszusteigen. «Das Modell ist heute ökonomisch nicht mehr tragbar. Oft reicht ein Einkommen allein nicht mehr aus und der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt gestaltet sich schwierig.» Seine Organisation plädiert deshalb für eine egalitäre Beteiligung von Mann und Frau.

Teilzeitkräfte haben Angst

Auch das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Mann und Frau ist dieser Ansicht. «Wir streben eine echte Wahlfreiheit für Frauen wie Männer und eine uneingeschränkte Wahlmöglichkeit bei der Arbeitsteilung an», erklärt Sabine Baumgartner, Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie stellt fest, dass die Vollzeit-Hausarbeit bei beiden Geschlechtern im Begriff ist, zu verschwinden. «Dieser Trend wird sich wahrscheinlich in den kommenden Jahren fortsetzen.»

Doch einen Mann davon zu überzeugen, wenigstens Teilzeit im Haushalt mitzuarbeiten, sei laut Theunert auch nicht unbedingt einfach. «Viele Männer getrauen sich nicht, Teilzeit zu arbeiten. Sie haben Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden.» Dabei seien Teilzeitkräfte viel produktiver, da sie weniger oft krank seien und mehr leisten würden. «Deshalb ist es wichtig, dass das nähere Arbeitsumfeld Teilzeitbeschäftigungen als gleichwertig akzeptiert», so Theunert.

Männer werden diskriminiert

Einen Haken habe dieses Arbeitsmodell jedoch: «Die Lohndiskriminierung der Teilzeitarbeitenden ist bei Männern noch grösser als bei Frauen.» Eine Studie habe gezeigt, dass die statistisch bereinigte Benachteiligung bei Männern mit Teilzeitarbeit bei rund 16 Prozent liege, bei Frauen jedoch nur bei 6 Prozent. Dies zu ändern, sei zwar schwierig, man setze aber alles daran. «Teilzeitbeschäftigung bringt Vorteile und man muss ja nicht das ganze Leben lang bei reduziertem Pensum arbeiten», sagt Theunert. Der Dachverband will deshalb mit einer Kampagne «Der Teilzeitmann» die Quote der Männer ohne Vollzeitpensum bis 2020 von aktuell rund 14 Prozent auf 20 Prozent erhöhen.

Sind Sie ein Vollzeit-Hausmann? Schreiben Sie uns mit Angabe Ihrer Telefonnummer an feedback@20minuten.ch und erzählen Sie uns, wie es Ihnen dabei ergeht!

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