Wiedereröffnung am 11. Mai: Viele Restaurants bleiben auch am Montag dicht
Aktualisiert

Wiedereröffnung am 11. MaiViele Restaurants bleiben auch am Montag dicht

Am 11. Mai dürfen die Beizen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Doch nicht für alle Wirte lohnt es sich, den Betrieb wieder hochzufahren. Daher bleiben je nach Region bis zu ein Drittel der Beizen geschlossen.

von
Barbara Scherer
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Am 11. Mai dürfen die Restaurants endlich wieder öffnen.

Am 11. Mai dürfen die Restaurants endlich wieder öffnen.

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Im Lockdown war nur Take-Away erlaubt.

Im Lockdown war nur Take-Away erlaubt.

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Trotzdem werden einige Restaurants auch nach dem 11. Mai geschlossen bleiben.

Trotzdem werden einige Restaurants auch nach dem 11. Mai geschlossen bleiben.

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Jeden Tag Take-away oder selber kochen – damit ist ab Montag, 11. Mai, Schluss: Dann dürfen Restaurants unter strengen Auflagen wieder Gäste empfangen. Doch nicht alle Beizer fahren den Betrieb wieder hoch. Für einige lohne sich eine Wiedereröffnung finanziell nicht, wie die Branchenverbände Gastro Zürich und St. Gallen bestätigen.

Darum gehts

  • Am Montag, 11. Mai, dürfen Restaurants unter strengen Massnahmen wieder öffnen.
  • Wegen des Schutzkonzepts können dann viel weniger Gäste empfangen werden.
  • Für kleinere Beizen lohnt sich die Wiedereröffnung darum nicht.
  • An manchen Orten fehlen auch schlicht die Gäste, weil es keine Touristen hat.
  • Einige Beizer sorgen sich auch darum, dass die Kunden weger den strengen Massnahmen fernbleiben.

Strenge Auflagen könnten Kunden vertreiben

Dass gewisse Restaurants geschlossen bleiben, liege an den einschränkenden Vorgaben des Schutzkonzepts, erklärt Jean-Daniel Martz, Direktor des Branchenverbands Gastro Bern. So müssen die Tische zwei Meter von einander entfernt stehen, Stehplätze sind nicht erlaubt. Auch dürfen nicht mehr als vier Personen an einem Tisch sitzen (siehe Box).

«Viele Wirte werden zweifellos praktische Schwierigkeiten haben, die teils weltfremden Vorgaben des Schutzkonzepts seriös, speditiv und Konsumenten freundlich umzusetzen», so Martz. Es stelle sich daher für einige Gastronomen die Frage, ob die Kunden unter diesen strengen Auflagen überhaupt Lust auf einen Besuch im Restaurant haben. Martz geht deshalb davon aus, dass im Kanton Bern wohl rund ein Drittel der Betriebe geschlossen bleiben.

Entscheid vom Bund

Sicherheitskonzept in Restaurants

  • Maximal 4 Personen pro Tisch.
  • Alle Personen im Betrieb reinigen sich regelmässig die Hände.
  • Gästegruppen dürfen sich nicht vermischen.
  • Zwischen den Gästegruppen gelten 2 Meter Abstand, es sei denn, es gibt eine Trennwand.
  • Das Servicepersonal sollte 2 Meter Abstand halten.
  • Masken sind im Service empfohlen, wenn der Abstand auch nur kurz unterschritten wird.

Gewissen Restaurants fehlen auch schlicht die Gäste: «Betriebe, die auf die Schifffahrt oder Bergbahnen angewiesen sind, warten mit der Wiedereröffnung», sagt Thomas Tellenbach, Betriebsleiter von Gastro Luzern. Einige würden es mit einer Teileröffnung versuchen und Gäste nur am Mittag oder am Abend empfangen.

Touristen und Banker fehlen

Sorgen bereiten den Beizern auch die fehlenden Touristen: «Einige unserer Betriebe befinden sich im Zürcher Niederdorf, dieses Gebiet sehr stark von Touristen abhängig», sagt Daniel Wiesner, Geschäftsführer der Fredy Wiesner Gastronomie. Aufgrund der fehlenden Touristen gebe es dort nun keine Kundschaft. Man werde die Lage in der nächsten Woche beobachten: «Sobald wir das Gefühl haben, dass es genug mögliche Gäste hat, werden wir dort auch wieder öffnen.»

Doch nicht nur die Touristen fehlen – auch die Schweizer Gäste bleiben aus: «Wir gehen davon aus, dass auch im Mai noch sehr viele Leute im Homeoffice arbeiten», so Daniel Wiesner. Deshalb bleiben Restaurants in der Nähe von Banken zu. Gesamthaft sind ab dem 11. Mai 25 von 31 Betrieben der Fredy Wiesner Gastronomie wieder geöffnet.

Umsätze bleiben noch einige Zeit tief

Auch das vom Gastrounternehmen Bindella kann rund 40 Betriebe wieder öffnen. Nur wenige Restaurants müssen aufgrund der Platzverhältnisse geschlossen bleiben: «Unser Ristorante Ornellaia in Zürich beispielsweise ist genau eines dieser Lokale, bei denen die 2-Meter-Abstandsregel dazu führt, dass wir nur so wenige Tische besetzen könnten, dass sich der Betrieb nicht lohnen würde», erklärt ein Mediensprecher.

Obwohl die meisten Betriebe wiedereröffnen könnten, stelle die Krise das Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Denn die Umsätze würden noch für einige Zeit bedeutend tiefer ausfallen. «Ohne Kurzarbeit wäre unsere Existenz massiv bedroht.»

Die erste Phase nach der Wiedereröffnung werden viele Betriebe wohl Verluste schreiben. Trotzdem sei es wichtig, dass Restaurants jetzt wieder öffnen: «Schliesslich sind es soziale Orte, und wir wollen unseren Beitrag zur Wiederbelebung der Innenstädte leisten.»

Mensen bleiben vielerorts zu

Geschlossen bleiben vorerst auch viele Mensen und Cafeterias, wie das Gastro-Unternehmen ZFV bestätigt. Betriebe wieder zu öffnen, die zu nicht obligatorischen Schulen gehören, lohnt sich vor der dritten Lockerungsetappe am 8. Juni nicht, wie eine Mediensprecherin erklärt.

Weil die meisten Unternehmen ihre Mitarbeiter weiterhin von zu Hause aus arbeiten lassen, blieben auch viele Betriebsrestaurants der ZFV zu. Anders sieht es beim Gastro-Unternehmen SV Group aus. Rund ein Drittel der Betriebskantinen waren unter strengen Auflagen auch im Lockdown geöffnet, denn diese mussten die Verpflegung für Arbeitnehmer, die nicht im Homeoffice arbeiten können, sicherstellen. Von den zwanzig öffentlichen Restaurants öffnet die SV Group elf.

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