18.04.2020 06:57

Schwanger während Lockdown

«Viele sagen einen Covid-Babyboom voraus»

Folgen wegen des Lockdown die Coronials? Und wie gefährlich ist eine Schwangerschaft derzeit? Gynäkologen nehmen Stellung.

von
Qendresa Llugiqi
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Zahlreiche Memes im Internet prophezeien es: Nach der Corona-Krise soll ein Babyboom folgen.

Zahlreiche Memes im Internet prophezeien es: Nach der Corona-Krise soll ein Babyboom folgen.

Screenshot/Instagram Torten Boss
Drei Leserinnen haben uns erzählt, wie die Pandemie ihre Familienplanung beeinflusst.

Drei Leserinnen haben uns erzählt, wie die Pandemie ihre Familienplanung beeinflusst.

iStock
Rafaela (34) aus Lenzburg AG lachte mit ihrem Partner noch über ein Corona-Baby. «Und siehe da: Wir sind nun Ende der sechsten Schwangerschaftswoche. Wir bekommen unser Corona-Baby voraussichtlich am 12. Dezember 2020.»

Rafaela (34) aus Lenzburg AG lachte mit ihrem Partner noch über ein Corona-Baby. «Und siehe da: Wir sind nun Ende der sechsten Schwangerschaftswoche. Wir bekommen unser Corona-Baby voraussichtlich am 12. Dezember 2020.»

Leser-Reporter/zvg

Zahlreiche Memes im Internet prophezeien einen Babyboom. Wird dieser eintreffen?

«Viele haben einen Covid-Babyboom vorausgesagt», sagt Thomas Eggimann, Generalsekretär bei der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Es seien jetzt gut vier Wochen Lockdown und deshalb sei es noch zu früh für Aussagen: «Ob der Boom eintreffen wird, werden wir anhand der Geburtenstatistik des Bundes in rund neun Monaten sehen.» Eine erste Aussage könne aber bereits im Juni gemacht werden, so Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern.

Als mögliche Erklärungen für einen Babyboom nennt Surbek mehr Zeit und einen niedrigeren Stresslevel während des Lockdown: «Beides ist fördernd für die Entstehung von Schwangerschaften.» Jedoch könne auch das Gegenteil während der Corona-Krise eintreffen: «Von Mitte März bis Ende April sind in der Schweiz Kinderwunschbehandlungen wie beispielsweise In-Vitro-Fertilisationen nicht erlaubt. Das könnte dazu führen, dass weniger Babys gezeugt werden.»

Wie gefährlich ist das Coronavirus für eine Schwangere beziehungsweise für das Ungeborene?

Gemäss den Experten gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass die Ansteckungsrate bei Schwangeren höher als bei der Allgemeinbevölkerung sei. Jedoch weist Eggimann darauf hin, dass Schwangere ein leicht abgeschwächtes Immunsystem haben und deshalb etwas leichter angesteckt werden könnten. «Die Einhaltung der BAG-Richtlinien ist deshalb wichtig.» Laut den beiden Experten gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Corona-Infektion bei Schwangeren häufiger zu Erkrankungssymptomen oder zu schwereren Verläufen führe.

Derzeit bietet nur das Unispital Basel Geburten für Covid-19-positive Mütter an. «Wir hatten bereits positiv getestete Mütter, Neugeborene aber nicht», sagt Sprecher Nicolas Drechsler. «Weder im Fruchtwasser noch im Nabelschnurblut noch in der Muttermilch konnte bisher Sars-CoV-2 nachgewiesen werden. Es kann nach bisherigem Erkenntnisstand die Plazentasperre nicht durchdringen.» Jedoch gebe es Einzelfälle, in denen beim Kind in der Nabelschnur Covid-Antikörper gefunden wurden, ergänzt Eggimann. «Die Kinder waren aber nicht krank.»

Studien der Sars-Epidemie würden allerdings zeigen, dass bei einer Infektion während der Schwangerschaft das Risiko deutlich erhöht ist, dass das Kind in der Gebärmutter weniger wächst, so Surbek: «Wenn eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft eintritt, muss diese deshalb engmaschig betreut werden, unter anderem mittels Ultraschallkontrollen, um mögliche Komplikationen früh zu erkennen.»

Leserinnen haben angegeben, dass sie die Schwangerschaft wegen der Isolation nicht geniessen können. Auch hätten sie Zukunfts- und Gesundheitssorgen. Verstehen Sie das? Und was kann man dagegen tun?

«Die Isolation ist für alle ein Problem», sagt Eggimann. «Ich höre das auch von Nicht-Schwangeren und wir selbst erleben das ja auch.» Er rät dazu, Kontakt über Dienste wie Facetime oder Skype zu halten. «Gespräche und Treffen in kleinen Gruppen unter Einhaltung der Distanzen sind ja auch möglich.»

Die Gesundheitssorgen seien jedoch weniger begründet, da es kein erhöhtes Risiko für Schwanger gebe, so Eggimann: «Es reicht, wenn man sich an die Richtlinien des BAG hält.» Auch die Zukunftssorgen könne er nachvollziehen: «Die Zukunft ist durch dieses Ereignis schon etwas weniger sicher», sagt Eggimann. «Es zeigt uns einfach, dass wir in einer profitgetriebenen und durchgetakteten Welt doch nicht alles unter Kontrolle haben. Vielleicht lernen wir auch etwas daraus.»

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