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UmfrageViele Schweizer haben keine Ahnung von Sex

Der Weg von Bienchen und Blümchen hin zu einem erfüllten Liebesleben bedeutet für etliche Selbststudium. Immerhin: Jeder Siebte wurde nie aufgeklärt.

von
Franziksa Voegeli
Im Minimum ein Gummi drum - auch wenn zuerst an der Banane geübt werden muss. (Bild: Colourbox.com)

Im Minimum ein Gummi drum - auch wenn zuerst an der Banane geübt werden muss. (Bild: Colourbox.com)

Nur gut, dass es «learning by doing» gibt - sonst wäre es um den Nachwuchs in der Schweiz noch weitaus schlechter bestellt. Denn in Sachen Aufklärungsarbeit und theoretischen Grundlagen beim Liebesspiel ist es hierzulande mitunter eher schlecht bestellt. Dies zeigen die Ergebnisse einer Umfrage von 20 Minuten Online.

Mutter sagt, wies geht

Die Hälfte der User haben im Alter von 11 bis 13 Jahren eine Lektion in Sachen Aufklärung erhalten, bei einem Viertel war es etwas später. Allerdings handelte es sich meist nicht um ein einziges Gespräch, sondern die Aufklärung fand in mehreren Veranstaltungen und mit verschiedenen Gesprächspartnern statt. Die Väter jedoch hüllten sich dabei in Schweigen: bloss 4 Prozent gaben an, in erster Linie vom Papa aufgeklärt worden zu sein.

Die Mütter zeigen sich da verantwortungsbewusster. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer wurde von Mutti aufgeklärt, bei den weiblichen Umfrageteilnehmerinnen sind es sogar 33 Prozent. Was bei den Mädchen die Mutter übernimmt, kommt bei den Jungs von der Schule. Diese kompensieren den Mangel an Ansprechpersonen zu Hause mit Kollegen und Lehrpersonen. Die Schule übernimmt heute deutlich mehr Verantwortung in Sachen Aufklärung. Während bei den über 20-Jährigen noch 27 Prozent von der Schule aufgeklärt wurden, sind es bei den jüngeren Generationen bereits 37 Prozent.

Und dann gibt es noch diejenigen, denen gar niemand erzählte, woher die Babys kommen. Jeder siebte Umfrageteilnehmer erhielt weder als Kind noch als Jugendlicher irgendwelche Infos zum Thema und sagt: «Ich wurde gar nicht aufgeklärt.» Es zeigen sich Generationsunterschiede, denn bei den heute unter 20-Jährigen sind es nur noch halb so viele. Auch wurden diese tendenziell früher aufgeklärt als die älteren Generationen.

Wenn Tante Rosa kommt

Nicht nur die Generation, sondern auch das Geschlecht entscheidet darüber, zu welchem Zeitpunkt man aufgeklärt wird. Bei den Mädchen findet das wichtige Gespräch tendenziell früher statt. Vor allem im Alter von 7 bis 11 Jahren wissen doppelt so viele Mädchen als Jungs schon deutlich mehr über Pubertät und Sex. Sexualpädagoge Bruno Wermuth räumt zwar ein, dass die Jungs in diesem Alter auch noch stärker an Fussball als am menschlichen Körper interessiert sind. Trotzdem scheint aber bei den Jungs auch Nachfrage nach früherer Aufklärung zu bestehen. Viele männliche Teilnehmer geben nämlich an, dass der Zeitpunkt für sie zu spät kam. «Für Väter wäre zum Beispiel die Zeit vor dem ersten Samenerguss des Sohnes eine gute Gelegenheit, in die Aufklärung einzusteigen. So wie es die erste Menstruation und die Vorbereitung darauf bei den Mütter-Töchter-Gesprächen ist», meint Wermuth.

Missionar, Doggy und 69

Thema Nummer eins bei der Aufklärung ist die Verhütung. Dann wird auch vor allem über Pubertät und den menschlichen Körper gesprochen. Geschlechtskrankheiten gehören mit fortschreitendem Zeitalter auch immer stärker in den Traktandenplan. Doch auch nach dem Unterricht in Sachen Blümchen und Bienchen ist längst nicht alles klar, wie die Umfrage zeigt. Was die männlichen User vor allem vermissen, ist mehr Information über sexuelle Praktiken und Stellungen. Möglich, dass Pornofilme da Aufschluss geben, denn ein Drittel von ihnen gibt an, Sexfilme als ergänzende Informationsquelle hinzuzuziehen. Auch über Selbstbefriedigung möchte ein Fünftel mehr wissen. Ein Thema, das vor allem bei der Aufklärung der Mädchen praktisch ausgeklammert wird. Ähnlich viele Umfrageteilnehmerinnen vermissen zudem Infos über die Prävention von sexueller Gewalt sowie zur Schwangerschaftsverhütung.

Doktor Sex und Doktor Sommer

Auch eine grosse Rolle in Sachen Aufklärung ganzer Generationen übernahm die Zeitschrift «Bravo»: Fast die Hälfte aller Teilnehmer entnahm den Ratschlägen des Doktor-Sommer-Teams einen Teil ihres Wissens über Sex, die Veränderung des Körpers und Liebesbeziehungen. Wie die Umfrage zeigt, ist das Internet mittlerweile genauso wichtig wie Zeitungen und Bücher in Sachen Aufklärung geworden. Und dies auch interaktiv. So haben sich seit der Einführung der Rubrik «Doktor Sex» auf 20 Minuten Online vor eineinhalb Jahren schon 4087 User an Bruno Wermuth gewandt, um ihm eine Frage zum Thema Sex zu stellen.

Am 13. April gehts bei «Sendung Sex nach 9» um das Thema Aufklärung. Wollen Sie in der Sendung eine Anekdote zum Thema erzählen? Möchten Sie als Vater erfahren, wann dem Nachwuchs was zugetraut werden kann? Oder einfach ihre Erfahrungen mit anderen teilen? Dann schreiben Sie Ihre Mitteilung ins Formular.

An der nicht repräsentativen Umfrage auf 20Minuten Online nahmen 7644 User teil, davon 5136 Männer und 2508 Frauen. 22 Prozent davon zwischen 17 und 20 Jahren, 33 Prozent zwischen 20 und 30 und 21 Prozent zwischen 31 und 50. Unter den Teilnehmern waren 409 Heterosexuelle, 445 Bisexuelle und 445 gaben an, asexuell zu sein.

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