Aktualisiert

Versicherungen Viele Schweizer sind nach Erdbeben verunsichert

In vielen Regionen der Schweiz ist die Erdbebengefahr grösser als vermutet. Bei einer Versicherung melden sich Hunderte von beunruhigten Menschen.

von
Camille Kündig
1 / 35
Amatrice neun Tage nach dem Erdbeben: Ein sichtlich gerührter Feuerwehrmann posiert mit dem geretteten Romeo. (2. September 2016)

Amatrice neun Tage nach dem Erdbeben: Ein sichtlich gerührter Feuerwehrmann posiert mit dem geretteten Romeo. (2. September 2016)

Keystone/Alessandro Di Meo (AP)
Bei einigen kleineren Dörfern ist noch nicht klar, ob sie überhaupt wieder aufgebaut werden: Rettungskräfte in Amatrice. (29. August 2016)

Bei einigen kleineren Dörfern ist noch nicht klar, ob sie überhaupt wieder aufgebaut werden: Rettungskräfte in Amatrice. (29. August 2016)

Keystone/Massimo Percossi
Feuerwehrleute und Suchhunde auf einer teilweise geräumten Strasse in Amatrice. (29. August 2016)

Feuerwehrleute und Suchhunde auf einer teilweise geräumten Strasse in Amatrice. (29. August 2016)

Keystone/Massimo Percossi/Ansa

Die traurigen Bilder aus dem italienischen Amatrice haben viele Schweizer berührt und Verunsicherung ausgelöst. Obwohl weite Teile der Schweiz in den letzten Jahrzehnten von einem grösseren Erdbeben verschont blieben, ist die Gefahr in manchen Regionen grösser, als sich viele bewusst sind.

Die Unsicherheit spüren auch die Versicherungen. «Nach dem Erdbeben in Italien hat Zurich Schweiz Hunderte von Anrufen von beunruhigten Kunden erhalten», erklärt Mediensprecher David Schaffner. «Sie erkundigen sich danach, ob Schäden an ihrem Auto, ihrem Haus oder Hausrat nach einem Erdbeben gedeckt sind.» Dies ist aber nicht unbedingt der Fall. «Versichert sind Schweizer oft dann, wenn sie eine Zusatzversicherung abschliessen», erklärt Schaffner.

«Gefahr wird unterschätzt»

Anna Ehrensperger, Mediensprecherin bei Axa Winterhur, erwartet jetzt ebenfalls mehr Anrufe als üblich: «Nach einem solchen Ereignis erhalten wir jeweils vermehrt Anfragen von Kunden, die sich nach dem Versicherungsschutz im Falle eines Erdbebens erkundigen. So rechnen wir auch in den kommenden Tagen mit tendenziell mehr Anfragen.»

Bei der Mobiliar hingegen kann zurzeit keine erhöhte Nachfrage festgestellt werden. Jedoch habe die Sensibilisierung für die Naturgefahr Erdbeben in den letzten Jahren zugenommen, sagt Mediensprecher Jürg Thalmann, «unter anderem als Folge von Fukushima». Ein Erdbeben sei die Naturgewalt mit dem grössten Zerstörungspotenzial. «Und diese Gefahr wird in der Schweiz allgemein nach wie vor unterschätzt.»

«Schäden nicht in Grunddeckung enthalten»

Beim Hausrat sind Schäden infolge eines Erdbebens nicht in der Grunddeckung enthalten. «Hauseigentümer und Mieter haben aber die Möglichkeit, eine Zusatzdeckung gegen Erdbebenschäden abzuschliessen», sagt Schaffner von Zurich Schweiz. Der Preis dieser Zusatzdeckung ist abhängig von der Erdbebengefährdung der jeweiligen Wohnregion.

Ähnlich ist die Ausgangslage bei den Gebäudeversicherungen, wobei in gewissen Kantonen staatliche Versicherungen bestehen, in anderen private. «Bei den privaten Gesellschaften sind Erdbebenschäden nicht in der Grunddeckung enthalten, sie bieten aber Zusatzdeckungen an», so Schaffner. Der Preis ist abhängig von der Erdbebengefährdung der Wohnregion. Kantonale Versicherungen bieten ebenfalls oft eine Zusatzdeckung an, bei einigen sind Erdbebenschäden in der Grunddeckung vorhanden.

Kosten Zusatzversicherung (ZV) für Erdbebenschäden

Der Preis der Zusatzdeckung der Zurich Schweiz für Erdbebenschäden ist abhängig von der Erdbebengefährdung der Wohnregion. Als besonders gefährdet gelten das Wallis, Basel, die Zentralschweiz und das St. Galler Rheintal.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.