Tödliche E-Bike-Unfälle: «Viele sind überrascht, auf was für einer Maschine sie da eigentlich sitzen» 
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Tödliche E-Bike-Unfälle«Viele sind überrascht, auf was für einer Maschine sie da eigentlich sitzen» 

Im Kanton St. Gallen ist eine 76-jährige E-Bike-Fahrerin wenige Tage nach einem Sturz ihren Verletzungen erlegen.  Es ist bereits der zweite E-Bike-Unfall mit Todesfolge im Kanton St. Gallen in diesem Monat. 

von
Philipp Bürkler
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Das Elektrovelo einer 76-jährigen Frau, die an den Folgen des Unfalls gestorben ist. 

Das Elektrovelo einer 76-jährigen Frau, die an den Folgen des Unfalls gestorben ist. 

Kapo St. Gallen
Ein 59-jähriger Österreicher landete Mitte Juni in Montlingen aus unerklärlichen Gründen mit seinem E-Bike in diesem Bachbett. Er konnte nicht mehr reanimiert werden und verstarb. 

Ein 59-jähriger Österreicher landete Mitte Juni in Montlingen aus unerklärlichen Gründen mit seinem E-Bike in diesem Bachbett. Er konnte nicht mehr reanimiert werden und verstarb. 

Kapo St. Gallen
Im thurgauischen Salmsach verunglückte im Mai ein 88-jähriger E-Bike-Fahrer tödlich. Er war das erste Todesopfer auf den Ostschweizer Strassen in diesem Jahr.

Im thurgauischen Salmsach verunglückte im Mai ein 88-jähriger E-Bike-Fahrer tödlich. Er war das erste Todesopfer auf den Ostschweizer Strassen in diesem Jahr.

Kapo Thurgau

Am vergangenen Wochenende ist eine 76-jährige Frau in Unterwasser (SG) mit ihrem E-Bike gestürzt, als sie von einem Autofahrer überholt wurde. Dabei zog sie sich schwere Verletzungen zu, an denen sie nun wenige Tage danach gestorben ist. Das teilt die Kantonspolizei St. Gallen mit.

Es ist bereits der zweite Unfall mit Todesfolge im Kanton St. Gallen innert weniger Tage. Erst vor rund einer Woche ist in Montlingen ein 59-jähriger Mann aus Österreich mit seinem E-Bike aus unbekannten Gründen gestürzt und in einem Flussbett gelandet. Der Mann blieb mit dem Kopf unter Wasser liegen. Er wurde von zwei Velofahrerinnen aufgefunden. Die sofort alarmierten Einsatzkräfte konnten ihn trotz Reanimationsversuchen nicht retten.

Ältere Menschen schätzen die Kraft von Elektro-Velos oft falsch ein

Vor etwa einem Monat ist in Salmsach im Kanton Thurgau ein 88-jähriger Elektrobike-Fahrer ebenfalls tödlich verunglückt, nachdem er frontal mit einem Auto zusammengestossen war. Neben tödlichen E-Bike-Unfällen kommt es auf Ostschweizer Strassen immer wieder zu Unfällen mit verletzten E-Bike-Fahrerinnen und E-Bike-Fahrern, so zum Beispiel am Montag in Zuzwil SG, wo sich ein 77-jähriger E-Biker bei einem Unfall mit einem Auto unbestimmt verletzte. Seit Jahresbeginn ist es in den Ostschweizer Kantonen zu rund zwei Dutzend Unfällen mit Elektro-Velos gekommen. 

Betroffen von E-Bike-Unfällen sind laut Kantonspolizei St. Gallen mehrheitlich ältere Menschen. Diese könnten das Fahrverhalten sowie den Umgang mit elektronischen Zweirädern oft nicht richtig einschätzen, erklärt der Mediensprecher der Kapo St. Gallen, Hanspeter Krüsi, gegenüber 20 Minuten. Die Gründe sind wenig überraschend. E-Bikes sind einerseits schwerer im Gewicht als gewöhnliche Velos und andererseits im Tempo viel schneller.

«Gerade ältere Menschen, die lange nicht mehr Velo gefahren sind, oder früher nur mit einem Drei-Gänger unterwegs gewesen waren, sind mit dem Umgang mit E-Bikes oft nicht vertraut», erklärt Krüsi. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Velo sei frappant. «Viele sind überrascht, auf was für einer Maschine sie da eigentlich sitzen.» 

Aggression im Strassenverkehr hat deutlich zugenommen

Seit einigen Jahren gibt es in der Schweiz einen regelrechten E-Bike-Boom. Die Verkaufszahlen von batteriebetriebenen Rädern sind in den vergangenen fünf Jahren massiv gestiegen. 2016 wurden schweizweit noch knapp 80’000 E-Bikes verkauft, 2020 waren es bereits mehr als 170’000. Der Boom hat Folgen: 2021 sind 17 Menschen mit einem E-Bike auf Schweizer Strassen ums Leben gekommen.

Nicht nur mangelndes Wissen oder Training älterer E-Bike-Fahrerinnen und –Fahrer sei ein Grund für die zahlreichen Unfälle, so Krüsi. Auch die Autofahrerinnen und Autofahrer seien in der Pflicht, sich der Verkehrssituation entsprechend anzupassen. Viele Autofahrerinnen und -fahrer könnten nämlich das Tempo von E-Bikes nicht richtig einschätzen. Während die meisten Menschen das Tempo eines gewöhnlichen Velos einschätzen können, sei es für manche bei E-Bikes schwieriger. Die meisten Unfälle mit E-Bikes seien nicht Stürze, sondern Kollisionen mit Autos, erklärt der Mediensprecher.

Hanspeter Krüsi stellt generell auch eine zunehmende Aggression im Strassenverkehr fest. Das sei eine gesellschaftliche Entwicklung, jeder schaue nur für sich. Reaktionen, wie den Vogel zeigen, Hupen oder Drängeln, seien weit verbreitet im Privatverkehr auf den Strassen. «Im Öffentlichen Verkehr habe ich dieses Problem nicht, im Zug zeigt mir niemand den Vogel», so Krüsi.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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