Zürich HB : Viele Taxifahrer verweigern kurze Fahrten
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Zürich HB Viele Taxifahrer verweigern kurze Fahrten

Vor allem am Hauptbahnhof wollen Taxifahrer Passagiere nicht an Orte in der Nähe bringen – Fahrten unter 30 Franken etwa werden verweigert. Dabei gilt eine Mitnahmepflicht.

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som
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Bild vom Taxistreik am Hauptbahnhof Zürich vom Mai 2013. Doch auch wer hier an normalen Tagen mit dem Taxi nur eine kurze Strecke fahren will, hat es nicht leicht.

Bild vom Taxistreik am Hauptbahnhof Zürich vom Mai 2013. Doch auch wer hier an normalen Tagen mit dem Taxi nur eine kurze Strecke fahren will, hat es nicht leicht.

Keystone/Steffen Schmidt/Archiv
Denn immer mehr Taxifahrer verweigern kurze Fahrten.

Denn immer mehr Taxifahrer verweigern kurze Fahrten.

Keystone/Christian Beutler
Dies, obwohl eine gesetzlich vorgeschriebene Mitnahmepflicht gilt.

Dies, obwohl eine gesetzlich vorgeschriebene Mitnahmepflicht gilt.

Keystone/Christian Beutler/Archiv

Ein Paar wollte am Samstagabend vom Hauptbahnhof mit dem Taxi nach Wipkingen fahren. Doch kein Taxifahrer nahm es mit. «Unter 30 Franken setze ich mich nicht ans Steuer!», hiess es etwa. Das ist kein Einzelfall. Immer mehr Zürcher Taxifahrer, die ohne Zentrale auf eigene Rechnung unterwegs sind, wollen offenbar keine kurzen Fahrten mehr machen. Dies, obwohl eine gesetzlich vorgeschriebene Mitnahmepflicht gilt.

André Küttel, Geschäftsführer bei 7x7-Taxi, bedauert es ausserordentlich, «dass gerade am Zürcher Hauptbahnhof, wo Touristen ankommen, solche Zustände herrschen». Bei der Konkurrenz tönt es gleich. «Das hören wir oft, vor ­allem vom Hauptbahnhof», sagt Flavio Gastaldi von Taxi 444. «Der Ruf der Zürcher Taxifahrer ist eine Katastrophe.» Für Gastaldi gibt es klare No-Gos: jemandem eine Fahrt zu verweigern oder keine Kreditkarte anzunehmen.

Problem ist schon länger bekannt

Auch bei 7x7 werden Chauffeure, die eine Fahrt verweigern, sofort sanktioniert. «Aber am HB ist die Situation mittlerweile so im Argen, dass man sich schämen muss», sagt Küttel. Er hat seine Fahrer schon oft aufgefordert, sich auch am HB aufzustellen, um dort zur Verbesserung des Täxelerrufs beizutragen. Aber: «Kein ausgebildeter Taxifahrer, der etwas auf seinen Berufsstand hält, will sich dort einreihen», so Küttel.

Laut Liz Spengler vom Zürcher Taxiverband besteht das Problem der Fahrtenverweigerungen seit Jahren. «Leider nicht nur am HB, sondern auch an anderen Taxistandplätzen.» Man bedaure diese Fälle sehr, aber es gebe Taxifahrer, «die stellen ihre eigenen Regeln auf und wissen offensichtlich nicht, was das Erbringen einer Dienstleistung beinhaltet». Doch leider sei der Taxiverband nicht befugt, gegen solches Fehlverhalten rechtlich vorzugehen. «Das liegt ausschliesslich in den Händen der Polizei», so Spengler.

Betroffene sollten Anzeige erstatten

Dort allerdings beurteilt man die Situation deutlich entspannter: Laut Sprecherin Marion Engeler führt man im Rahmen der normalen Patrouillentätigkeit zwar regelmässig Kontrollen durch, doch man stösst dabei offenbar eher selten auf klare Missstände.

Vielleicht auch deshalb, weil anzunehmen ist, wie Engeler sagt, «dass die Sachbearbeiter des Taxibüros den meisten Taxifahrern bekannt sind und es dementsprechend kaum zu Verfehlungen kommt, wenn sich die Kontrolleure vor Ort zeigen». Weil flächendeckende Kontrollen aus personellen Gründen nicht möglich seien, pocht die Polizei darauf, dass die Betroffenen selber Anzeige erstatten.

Einheitliche Ausbildung

Für die Taxibranche aber kann es so nicht weitergehen. «Das heutige Taxibusiness ist ein Tummelplatz für alle», sagt Gastaldi von Taxi 444. Für ihn bräuchte es ein neues Gesetz, in dem alles geregelt ist, was Kundenbeförderung durch ­Taxis und Limousinen betrifft. Zudem plädiert Gastaldi für eine einheitliche Ausbildung für Chauffeure von Fahrdienstleistungen auf Kantonsebene.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», überarbeitet von 20 Minuten.

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