Nordic Walking: «Viele tragen die Stöcke spazieren»
Aktualisiert

Nordic Walking«Viele tragen die Stöcke spazieren»

Nordic Walking wird immer noch belächelt: Dabei ist der Sport eine gelenkschonende Alternative zum Joggen - und ein Fatburner obendrein. 20 Minuten Online sprach mit einem Experten über die Vorzüge dieser Disziplin und die richtige Technik.

von
Runa Reinecke

Vielen Joggern oder Spaziergängern zaubern vorüberziehende Nordic Walker höchstens ein müdes Lächeln ins Gesicht. Grund dafür mag sein, dass die Wenigsten die für ein effektives Training relevanten Bestandteile wie Körperspannung, gleichmässige Bewegungsabläufe und den korrekten Stockansatz beachten. Dabei ist der gelenkschonende Fatburner-Sport viel besser als sein Ruf. Welche Vorteile Nordic Walking gegenüber anderen Disziplinen hat, verriet Franz Ressmann, Nordic Walking Mastertrainer aus Bregenz, im Gespräch mit 20 Minuten Online.

20 Minuten Online: Man sieht immer wieder Menschen, die etwas unbeholfen «herumstöckeln». Sehr dynamisch wirkt das nicht gerade.

Franz Ressmann: Das stimmt. Viele wenden nicht wirklich eine Technik an, sondern tragen ihre Stöcke spazieren. Trotzdem ist das immer noch besser, als sich überhaupt nicht zu bewegen.

Nordic Walking ist bei vielen Jungen nicht sonderlich angesagt: An dieser Disziplin scheint der Ruf zu haften, ausschliesslich für ältere Menschen oder für stark Übergewichtige attraktiv zu sein.

Tatsächlich hat Nordic Walking zu unrecht dieses Image. Denn immer mehr Menschen – darunter auch viele junge – bewegen sich zu wenig und haben mit Übergewicht zu kämpfen. Daraus resultieren oft Gelenkbeschwerden. Durch die richtige Nordic-Walking-Technik kann Gewicht der stark belasteten Gelenke von den unteren Extremitäten auf den Oberkörper verlagert werden. So können auch längere Strecken gelenkschonend bewältigt und gleichzeitig die Arme trainiert werden. Mit dem korrekten Bewegungsablauf wird der ganze Körper in Schwung gebracht.

Für wen ist Nordic Walking empfehlenswert?

Eigentlich für jedermann – natürlich besonders für Übergewichtige und ältere Menschen. Aber auch für kranke Menschen oder Personen, die zuvor wenig oder gar keinen Sport gemacht haben, ist Nordic Walking geeignet. Es lockert Verspannungen im Schulter-Nackenbereich, hat einen positiven Einfluss bei leichten Durchblutungsbeschwerden und kräftigt die Atemhilfsmuskulatur. Auch Asthmatiker mit leichtem Verlauf berichten über die positiven Auswirkungen, die dieser Sport mit sich bringt.

Wie regelmässig muss Nordic Walking ausgeübt werden, um von positiven Auswirkungen profitieren zu können?

Viele Anfänger machen den Fehler, dass sie mit grosser Euphorie beginnen, sich dabei überanstrengen und es dann frustriert bleiben lassen. Wichtig ist, dass man mit kürzeren Trainingseinheiten beginnt und diese langsam steigert. Zu Beginn reichen zwei Einheiten pro Woche – jeweils eine halbe Stunde. Diese können dann in Fünf-Minuten-Schritten erhöht werden und auch die Anzahl der Einheiten sollten von zwei auf drei in der Woche gesteigert werden. Aus Zeitgründen sind unter der Woche kürzere, dafür intensivere Trainingseinheiten zu empfehlen, am Wochenende kann man es langsamer angehen, dafür darf die Strecke länger sein. Auch die Trainingsdistanz sollte sukzessive gesteigert werden.

Bei Wind, Wetter und Dunkelheit draussen Sport treiben? Ist der Crosstrainer eine empfehlenswerte Alternative für die «Nicht-Wetterfesten»?

Eine Alternative ja, aber kein 100-prozentiger Ersatz. Denn auf dem Crosstrainer wiederhole ich die exakt selben Bewegungsabläufe. Diese variieren beim Nordic Walking schon alleine durch den individuellen Stockansatz.

Welche Ausrüstung benötigt man für Nordic Walking?

Ein guter Laufschuh, leichte atmungsaktive Trainingsbekleidung – am besten in mehreren Schichten aufeinander getragen. So kann man sich entkleiden, wenn es einem auf einem besonders anstrengenden Streckenabschnitt zu warm wird. Baumwollkleidung ist nicht empfehlenswert, da sie sich mit Schweiss vollsaugt.

Kann ich mich gesundheitlich schädigen, wenn ich die Technik falsch ausübe?

Wenn man es sehr falsch macht, ist das auf Dauer nicht gesundheitsfördernd. Aber hier gehen die Meinungen auseinander. Wenn jemand beispielsweise eine grosse Verspannung im Nacken hat, könnte es sein, dass er diese durch die falschen Bewegungsabläufe noch intensiviert.

Muss man Nordic Walking bei einem Instructor lernen?

Ich empfehle auf jeden Fall, es bei einem ausgebildeten Trainer zu lernen. So können Fehler im Ablauf sofort korrigiert werden. Bis dieser Ablauf unterbewusst ausgeführt wird, bedarf es mehrere Trainingseinheiten. Wer sich die Abläufe einmal falsch antrainiert hat, wird beim späteren Umgewöhnen grosse Schwierigkeiten haben.

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