Westlicher Look: Viele Türken streben nach der Schweizer Nase
Aktualisiert

Westlicher LookViele Türken streben nach der Schweizer Nase

Türkisch- und arabischstämmige Menschen, die in der Schweiz leben, lassen sich die Nase operieren. Grund dafür ist das westliche Schönheitsideal.

von
D. Pomper
Arabisch- und türkischstämmige Patienten lassen sich zunehmend die Nase anpassen.

Arabisch- und türkischstämmige Patienten lassen sich zunehmend die Nase anpassen.

«Beauty: it's all in the nose» – so wirbt der Schönheitschirurg Majid Noursadeghi aus Isfahan auf seiner Webseite. In keinem anderen Land werden so viele Nasen-Operationen durchgeführt wie im Iran. Danach folgen der Libanon und Syrien.

Auch in der Schweiz lassen sich Menschen, die aus dem Orient und dem Nahen Osten stammen, die Nase korrigieren: «Wir beobachten eine starke Zunahme türkisch- und arabischstämmiger Patienten, die sich die Nase anpassen lassen möchten», sagt Vanessa Gennaro von Acredis, einer Gruppe von Spezialzentren für ästhetische Chirurgie. Gennaro spricht von einer Verdreifachung der Anfragen in den Gruppen-Spezialzentren in Zürich, München und Hamburg innerhalb der letzten fünf Jahren.

Kaukasische Nase statt ‹Middle East Nose›

Auch Sascha Dunst, Facharzt für plastische Chirurgie bei Artemedic, behandelt zunehmend Menschen türkischer und arabischer Abstammung, die in der Schweiz leben. «Wir beobachten das Bestreben türkischer und arabischer Frauen und Männer, ihrer ‹Middle East Nose› westlichen Eigenschaften zu verpassen.»

Dazu zähle die Entfernung des Nasenhöckers und die Anhebung der Nasenspitze, unter Umständen auch die Verschmälerung der Gesamtnase. «Dies entspricht dann dem westlichen «kaukasischen» Nasenprofil, also der Nasenform, die uns am bekanntesten ist.»

Westliche Schönheitsideale dominieren

Doch warum legt man sich freiwillig unters Messer? Vanessa Gennaro von Acredis erklärt sich die Entwicklung mit der «vermehrten Anpassung an das westliche Schönheitsideal». Dank Medien und Internet würden die Schönheitsideale globalisiert. «Dabei dominiert die europäische Fashionszene.»

Der Schönheitschirurg und Mitinhaber der Zürcher Klinik Utoquai, Enrique Steiger, stellte gegenüber der «SonntagsZeitung» fest: «Wir sehen hier oft Menschen aus dem osmanisch-arabisch-persischen Raum, die in der Schweiz leben und sich dem westlichen Aussehen angleichen möchten.»

Gesellschaftlicher Druck spielt laut Sascha Dunst eher indirekt eine Rolle, «im Sinne eines sich Anpassen an den hier vorherrschenden Durchschnitt». In der Regel spielten aber nicht nur rein ästhetische Aspekte eine Rolle, sondern auch funktionelle Einschränkungen, etwa Atmungsbehinderung bei schiefer Nasenscheidewand. Diese Situation werde dann gern genutzt, um die Nasenform zu harmonisieren, so Dunst, der jährlich bis zu 30 solcher Operationen durchführt.

«Im 21. Jahrhundert wollen alle schön aussehen»

Auch Mustafa Ideli vom Soziologischen Institut der Universität Zürich hält die Entwicklung nicht für ein Migrationsphänomen. Auch in der Türkei legten sich immer mehr Leute unters Messer: «Istanbul ist die Boomstadt für Schönheitsoperationen geworden. Das Schönheitsideal hat sich gewandelt, die Akzeptanz für solche Eingriffe ist gestiegen und der Reichtum ist grösser geworden.»

Bekir Ylmaz, Präsident der Türkischen Gemeinde zu Berlin, findet es interessant, wie die Europäer alles auf sich beziehen würden: «Als die Frauen im Orient Mascara und Parfum benutzten, waren dies in Europa wahrscheinlich noch Fremdwörter.» Für Ylmaz ist klar: «Im 21. Jahrhundert wollen alle Menschen gut aussehen, egal woher sie kommen.» Deshalb sei plastische Chirurgie auch in der Türkei weit verbreitet.

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